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Kunstaktion
Sprechstunde beim Fälscher-Jäger

Kunstaktion: Sprechstunde beim Fälscher-Jäger
Kunstexperte Erhard Jägers (links) überprüfte bei Conzen am Carlsplatz die Werke von Kunden wie diesem Sammler, der anonym bleiben will, auf ihre Echtheit. FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Als Erhard Jägers sich als junger Mann zu einem Chemie-Studium entschloss, rechnete er nicht damit, in der Kunstbranche zu enden. Vor 25 Jahren brachte ihn dann seine Frau dazu, die Naturwissenschaften mit der Kunst zu verbinden. Von Nicole Esch

Seitdem haben die beiden ein Labor, in dem der Experte durch Prüfung von Farben, Pigmenten und Bindemitteln die Echtheit künstlerischer Werke bestimmt.

Am Samstag hatten Kunstsammler bei den Restauratoren-Tagen die Möglichkeit, ihre Schätze bei Conzen am Carlsplatz durch Jägers überprüfen zu lassen - und damit herauszufinden, ob sie wirklich große Werte besitzen oder doch nur ein belangloses Imitat. Das bedeutet bisweilen Detektivarbeit: Schon vor der Eröffnung wurde dem Experten ein Rembrandt vorgelegt. Eine Materialanalyse vor einigen Jahren hatte ergeben, dass das Werk nicht echt sein könne. Neuere Erkenntnisse weisen aber darauf hin, dass das Material des Bildes doch in die Zeit des Malers passen könnte. Jetzt stehen neue Analysen an - vielleicht stellt sich die vermeintliche Fälschung doch als Original heraus.

Zum Geschäft von Jägers gehört auch Diskretion - das galt auch für den Termin an diesem Wochenende. Namentlich möchte sich keiner der Kunden nennen lassen, um keine Diebe anzulocken. Neben Jägers bot auch der Restaurator Oliver Stahlmann seine Dienste an. Eine Düsseldorfer Kunstliebhaberin legte ihm einige Gemälde vor, damit sie ihren ursprünglichen Glanz zurückbekommen. "Die habe ich geschenkt bekommen. Ich möchte damit meine kleine Galerie erweitern", erzählte sie.

Zu den Erfolgen, mit denen Erhard Jägers das meiste Aufsehen erregen konnte, gehört der Fall Wolfgang Beltracchi. Mit seinen Analysen kam er dem berühmten Kunstfälscher auf die Schliche. Der hatte bei der Kopie eines Max-Pechstein-Bildes ein falsches Blau-Pigment verwendet - ein Fehler, den Berufsgenossen wohl nicht mehr machen werden. Beide Seiten, die Fälscher und ihre Jäger, entwickeln sich ständig weiter, sagt Jägers. "Wenn ich Fälscher wäre, würde ich mich mit Berichten über Fälschungen genauer befassen und dann die gemachten Fehler vermeiden."

Besonders schätzt er die interdisziplinäre Arbeit. Gerne setzt er sich mit Besitzern von Gemälden, Restauratoren und Kunsthistorikern zusammen, um zu einer genaueren Einschätzung der Echtheit der Werke zu kommen. Die Arbeit mit den Kunsthistorikern sei anfangs schwierig gewesen, erzählt er. "Die haben uns Naturwissenschaftler nicht richtig ernst genommen." Das sei jetzt aber nicht mehr so.

Die Kunden reagieren sehr unterschiedlich, wenn Jägers ihnen mitteilen muss, dass ihr Schatz gar keiner ist. Manche sind traurig, andere wütend - und dann hat der Experte zum Beispiel auch mal einen Mann erlebt, der gelassen darauf reagierte, dass er doch kein millionenschweres Meisterwerk besitzt. Seine Reaktion: "Ach, dann hänge ich es halt ins Kinderzimmer."

Quelle: RP
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