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Finne
Traditionsfriseur zieht nach 45 Jahren um

Finne: Traditionsfriseur zieht nach 45 Jahren um
Den Salon von Nico Sciascia und Thomas Berndt (Hintergrund) haben früher unter anderem Jörg Immendorff und Udo Jürgens besucht. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Wer bislang dachte, dass George Clooney nur bei Frauen gut ankommt, der irrt. "Viele Männer mit grau-melierten Schläfen wollen so aussehen wie der Hollywood-Star", erzählt Nico Sciascia, seines Zeichens Coiffeur.

Und oft haben die Herren auch gleich ein Foto von Clooney in der Tasche, wenn sie auf dem dunkelbraunen Friseurstuhl im Salon Finne Platz nehmen. "Wir versuchen zwar unser Bestes", schmunzelt Nico, aber oft - na ja, klafften Wunsch und Wirklichkeit eben doch auseinander. Der 59-jährige in Marsala auf Sizilien geborene Meister seines Fachs könnte so manche Anekdote erzählen, die er mit seinen Kunden erlebt, aber das oberste Gebot sei schließlich Diskretion. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn der vor 45 Jahren, genau im September 1971, im Gebäude des Breidenbacher Hofs von Franco Bozzato aus Padua mitbegründete Herren- und Damen-Friseursalon in wenigen Wochen von der ersten Reihe an der Heinrich-Heine-Allee 38 in das neu geschaffene Atelier in den lauschigen Innenhof umzieht.

"Wir starten noch einmal durch", sagen Nico Sciascia und Geschäftsführer Thomas Berndt. Alles wird anders, von der maßgeschneiderten Einrichtung über die Beleuchtung bis hin zum Fußboden aus Holz. Nur die alten, mit feinstem Leder bezogenen Friseurstühle ziehen mit um. "Die könnten Geschichten erzählen von Männern aus aller Welt", sagt Franco, der sich mit seinen 71 Jahren nun komplett aus dem Salon verabschieden wird. Politiker wie Bundespräsident Johannes Rau, Entertainer Udo Jürgens, Wirtschaftsboss Berthold Beitz, Herrenausstatter Dolf Selbach oder Nachtclub-Legende Charly Büchter ließen sich beim "Finne" den Kopf waschen und einen neuen Schnitt verpassen. Über noch lebende Promis und Wirtschaftsgrößen wird natürlich Stillschweigen bewahrt.

Nur so viel ist zu erfahren: 95 Prozent der Kundschaft aus allen Gesellschaftsschichten vom Pizzabäcker bis zum Vorstandsvorsitzenden seien Stammkunden. So wie einst Jörg Immendorff, der immer freitags zum Haareschneiden zu Nico kam und ihm eines Tages zur Erinnerung ein Bild gemalt hat. Die Kopie des Öl-Gemäldes, das den Maler als Spiegelbild auf dem Friseursessel und den Meister bei der Arbeit zeigt, bekommt einen Ehrenplatz im Atelier im Hof, während das Original weiter bei Nico im Wohnzimmer hängt.

(dh)
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