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Ein Stück Bamberg in Düsseldorf
Über diese Frau reden die Nachbarn

Ein Stück Bamberg in Düsseldorf: Über diese Frau reden die Nachbarn
Im Garten von Stephan Zehentmeier steht eine Nachbildung der "Humsera". Das Original steht in Bamberg auf dem Marktplatz. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Meine Tochter kann Radschlagen wie die Wenigsten in Bamberg", sagt Stephan Zehentmeier. Das Mädchen ist offenbar eine echte Düsseldorferin. Zehentmeier und seine Frau Astrid kommen aus Bamberg in Franken.

Von dort aus durchlief er einige Stationen: über das Schwabenländle nach Würzburg und Sheffield in England nach Düsseldorf. Hier lebt er nun seit 1999.

Als die Zehentmeiers ein Haus in Stockum kauften, wollten sie auch einen Bezug zu ihrer "echten" Heimat, zu Bamberg haben. "Wir wollten ein Stück Heimat in der Wahlheimat haben". Dies taten sie, indem sie für sich eine Statue anfertigen ließen. Die Statue ist eine Nachbildung der "Humsera", einer Bamberger Marktfrau - der "Markthöcken". Das Original steht in Bamberg auf dem Marktplatz. Nun hat sie ein freundlicheres Gesicht bekommen, die Bamberger Marktfrauen waren sehr bekannt für ihre grimmige Art und ihre messerscharfe Zunge. Die "Humsera jetzerdla" - so wird die veränderte Nachbildung im Zehnentmeierschen Garten in Düsseldorf genannt, ist somit "im Jahre 2015" angekommen, im Hier und Jetzt, sagt der 45-Jährige, dessen Nachbarn ihn auch schon auf das ungewöhnliche Standbild angesprochen haben.

Das Ehepaar vereinbarte mit der Bildhauerin Antjepia Gottschalk aus Ratingen die Anfertigung der neuen "Humsera". Diese steht nun aus Stein gehauen auf der Veranda und wird tatsächlich auch vertrieben - als Schlüsselanhänger und als Kunststoff-Figuren in poppigen Farben. Zehentmeier hat sogar eine Internetseite (www.humsera.com) für sie geschaffen.

Der Stolz für das, was er geschaffen hat, über seine Heimatpflege in der Wahlheimat ist nicht zu übersehen. "Na das hoffe ich doch", ruft Zehentmeier aus, als er auf die leichte Erkennbarkeit seines fränkischen Dialektes angesprochen wird. "Ich gebe mir auch keine Mühe, dies zu verbergen". Man sieht auch hieran, Zehentmeier ist ein Mensch, der sich seiner Wurzeln bewusst ist, sie achtet und sie ehrt, diese finden sich in vielen Dingen.

Im Kulinarischen zum Beispiel, Zehentmeier redet voll des Überschwangs von Bamberger Zwiebeln, Wirsing und Kartoffeln, ein besonderes Heimatgefühl gibt ihm "Schäufela" - eine traditionell zubereitete Schweineschulter aus dem Backofen. Zehentmeier ist ein genussvoller Mensch, dies hört man an der Begeisterung, mit welcher er seinen Exkurs über die Bamberger Küche vermittelt.

Auch Sport vermittelt Zehentmeier ein Gefühl von Heimat: Er spielt seit mehr als 30 Jahren Basketball. Was für den Düsseldorfer Fußball und Eishockey ist, das ist für Bamberger der Basketball. Nun arbeitet er mit den Düsseldorf Giants intensiv an dem Aufstieg.

Was ihm als Bamberger in Düsseldorf besonders das Gefühl von Heimat vermittelt? "Der Rhein! Wenn ich zum Training über die Theodor-Heuss-Brücke fahre, das gibt mir ein warmes Gefühl. Und Altbier!" Zehentmeier hat einen besonderen Bezug zu Bier, die Region um Bamberg hat die größte Brauereidichte der Welt. Doch die Rückbesinnung auf den Geburtsort, auf die Stadt, in der er aufwuchs, kam erst nach dem es ihn mit 19, 20 Jahren nach außen gedrängt hat.

Und als die Kinder geboren wurden. "Wir wollten unseren Kindern ihre Wurzeln vermitteln", Zehentmeier hat zwei Kinder, die Tochter ist 14, der Sohn neun Jahre alt, beide wurden in Düsseldorf geboren. So vermischen sich nun mal die Einflüsse der Umgebungen in einer Familie. Radschlag trifft Marktfrau.

Gabriel Goldberg

Quelle: RP
 
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