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Ramon Perdomo-Santana
Vom Schneider zum ersten Verkäufer

Ramon Perdomo-Santana: Vom Schneider zum ersten Verkäufer
Ramon Perdomo-Santana hat heute vor 40 Jahren seine Arbeit beim Herrenausstatter Schäffner an der Steinstraße begonnen. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Seine Mutter hat immer gesagt: "Junge, merke dir eines: Ein Lächeln kostet nichts, bringt dir aber viel Freude im Leben." Als braver Sohn hat er sich diesen Rat zu Herzen genommen - mit großem Erfolg.

Ramon Perdomo-Santana, vor 70 Jahren in Las Palmas auf Gran Canaria geboren, ist ein temperamentvoller Herr, der dank seines mediterranen Charmes mit Jedermann leicht ins Gespräch kommt. Das war schon 1975 so, als er ohne große Sprachkenntnisse nach Düsseldorf kam, und das ist heute an seinem Jubiläumstag noch genauso. Denn am 1. April vor 40 Jahren hat der Spanier seinen Job im Schneideratelier beim traditionsreichen Herrenausstatter Schäffner angetreten. Doch der damalige Inhaber - Franz Peter Schäffner, Sohn des Firmengründers - hat schnell das wahre Talent des gelernten Schneidermeisters erkannt: Kompetent beraten und verkaufen. "Als ich zum ersten Mal samstags aushilfsweise als Verkäufer im Einsatz war, habe ich an diesem Tag so viel Umsatz gemacht wie meinen Kollegen in der ganzen Woche", erinnert sich der Signore. Der Chef war begeistert, holte den Schneider von der Nähmaschine und ernannte ihn zum ersten Verkäufer. Das blieb so auch unter den neuen Inhabern - zuerst war es Rudolf Pfeiffer, und heute in der vierten Generation führen Sohn Matthias und dessen Frau Helmy die Geschäfte.

Längst im Rentenalter bewegt sich Ramon Perdomo noch immer an drei Tagen in der Woche fröhlich auf seiner Bühne an der Steinstraße zwischen den Sakkos und Anzügen. Und als wahrer Kenner seines Metiers denkt der Mann stets in kompletten Looks und legt der ehrenwerten Kundschaft passend zum Frack oder Freizeitsakko die Accessoires bereit. Nicht nur seine Stammkunden ("darunter sind viele Professoren, Doktoren und Business-Männer") wissen seine Kenntnisse zu schätzen und hoffen, dass der Berater ihres Vertrauens auch die manchmal nicht so perfekte Figur geschickt mit dem richtigen Kleidungsstück zu kaschieren weiß. "Früher in den goldenen Zeiten, haben mich die Damen oft angerufen und gebeten schon mal was Schönes für ihren Mann auszusuchen", erzählt der 70-Jährige. "Dann sind sie gemeinsam ins Geschäft gekommen und haben so richtig eingekauft."

Geschniegelt vom Scheitel bis zur Sohle tritt Ramon Perdomo-Santana auf. Das Haar ist so akkurat geschnitten und in Form gebracht wie der Moustache. Das Einstecktuch passt zur lila Krawatte. Dreieckige Manschettenknöpfe aus Bernstein zieren die Doppelmanschette seines blütenweißen Hemdes. Der schwarze Anzug sitzt perfekt, die Lederschuhe blitzen blank geputzt.

Was macht der Mann bloß, wenn er sich Ende Juni ins Privatleben zurückzieht? Er lacht: "Dann ziehe ich meine Jeans an, treffe mich mit Freunden auf ein Glas Wein". Außerdem ist er ein leidenschaftlicher Tänzer. Cha-Cha, Tango, Paso Doble beherrscht er aus dem Eff-Eff und singen kann er auch noch. Und alle paar Monate fliegt er zum Sonnetanken auf seine spanische Insel im Atlantik.

(dh)
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