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Angela Kranz
Von der Juristerei zum Modedesign

Angela Kranz: Von der Juristerei zum Modedesign
Die Inspiration zur eigenen Kollektion kam Angela Kranz bei einer Reise durch Südfrankreich. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Angela Kranz ist auf der einen Seite ein analytisch denkender, sicherheitsliebender Mensch, auf der anderen Seite künstlerisch begabt und kreativ. Schon als kleines Mädchen hat sie gern und viel gezeichnet, ein von der Mutter geerbtes Talent.

Die könne nämlich, so Kranz, noch viel besser zeichnen als sie selbst. Nach dem Abitur hat die heute 41-Jährige aber erst einmal der Sicherheit den Vorzug gegeben und Jura studiert, eigentlich mit der Idee im Hinterkopf, gleich nach dem Studium etwas Anderes, etwas Kreatives zu machen. Das Studium fiel ihr jedoch sehr leicht, machte auch Spaß, und direkt im Anschluss kam ganz unerwartet ein Angebot einer Anwaltskanzlei aus New York. "Also bin ich nach New York gegangen, habe von dort aus auch promoviert und bin ein Jahr geblieben", erzählt Kranz von ihren Anfängen als Juristin.

Zurück in ihrer Heimatstadt ist sie ihrer kreativen Seite dann ein Stück näher gekommen. In einer Düsseldorfer Kanzlei hat sie Mandanten aus der Modebranche beraten und ist anschließend als Leiterin der Rechtsabteilung zum Modeunternehmen Tommy Hilfiger gegangen. Zwischendurch hat sie geheiratet und ist 2005 Mutter einer Tochter geworden. Ihrer Karriere hat das nicht geschadet - ganz im Gegenteil. Für die amerikanische Modemarke steuerte sie ab 2010 von Amsterdam aus, dem Hauptsitz des Unternehmens, als Chefjustiziarin ein großes weltweites Team. "Während dieser Zeit habe ich vier Tage in der Woche in Amsterdam gelebt, war oftmals nur an den Wochenenden zu Hause in Düsseldorf. Das war natürlich nur möglich, weil mein Mann sich wunderbar um unsere Tochter gekümmert und mich gemeinsam mit meiner Mutter jederzeit ermutigt und unterstützt hat", sagt Kranz. Zwar habe ihr der Job immer Spaß gemacht, aber nach fünf Jahren sei der Wunsch, sich endlich mehr ihrer Familie zu widmen und auch ihre brachliegende Kreativität auszuleben, so groß geworden, dass sie kündigte.

Die Inspiration zur eigenen Kollektion brachte ihr dann im September vergangenen Jahres eine Reise durch Südfrankreich mit einem alten Geländewagen. Der stand in einem kleinen französischen Dorf nahe der spanischen Grenze, und ihr Mann wollte ihn unbedingt haben. Er habe sie dann gebeten, den Wagen dort abzuholen und nach Düsseldorf zu bringen, sagt Kranz. Und weil sie Zeit hatte, dehnte sie die Rückfahrt auf zehn Tage aus, fuhr entlang der Côte d'Azur und durch die Provence nach Hause. Zurück in Düsseldorf gründete sie ihr Label "Johanna K", übrigens benannt nach Tochter Johanna, und begann, ihre erste eigene Kollektion zu entwerfen - anfangs noch zu Hause und seit Februar dieses Jahres im Atelier mit Showroom an der Bachstraße in Bilk.

Inzwischen sind 45 Kollektionsteile - Kleider, Röcke, Tops und Shirts aus Materialien wie Seide und Kaschmir - für die Saison Frühjahr/Sommer 2017 entstanden. Unterstützt nur von einigen Schnittdirektricen und Näherinnen hat Kranz dabei fast alles selbst gemacht, gezeichnet, Stoffe ausgesucht, Produktionsstätten in verschiedenen europäischen Ländern besucht.

Ende Juni hat sie ihre Kollektion nun bei der Messe "Show & Order" in Berlin zum ersten Mal potenziellen Käufern präsentiert. Einige Kollektionsteile habe sie bereits dem einen oder anderen ehemaligen Kollegen gezeigt und viel Lob dafür bekommen, sagt Kranz. Deshalb war sie auf die Reaktionen der Messebesucher gespannt - sie waren positiv. "Ich möchte gern zunächst an kleine ausgewählte Boutiquen in Deutschland, Österreich und der Schweiz verkaufen, später wird es sicher auch einen Online-Shop geben."

Beate Werthschulte

Quelle: RP
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