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Wolfgang Scheffler
"Stadtsparkasse braucht Mediator"

Wolfgang Scheffler: "Stadtsparkasse braucht Mediator"
Das Verhalten der Parteien im Streit um die Sparkassen-Ausschüttung sei "unrheinisch" gewesen, beklagt Wolfgang Scheffler. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Der Grünen-Ratsherr Wolfgang Scheffler sitzt im Verwaltungsrat der Stadtsparkasse und ist Vorsitzender des Schulausschusses. Streits wie die jüngsten im Kreditinstitut oder im Görres-Gymnasium hat er in seiner langen politischen Karriere noch nicht erlebt.

Herr Scheffler, Sie sind 1989 erstmals in den Stadtrat gewählt worden. Sie haben sich jetzt über Monate mit den Zerwürfnissen bei der Stadtsparkasse und beim Görres-Gymnasium beschäftigt. Haben Sie solche Fälle von Zwietracht zuvor erlebt?

Scheffler Nein. In bin seit zwölf Jahren im Verwaltungsrat und ebenso lange Vorsitzender des Schulausschusses. Beide Fälle stehen für verloren gegangene Möglichkeiten der Kommunikation, zerstörtes Vertrauen und Konfrontationen, die mir bislang unbekannt waren.

Beim Streit um die Höhe der Ausschüttung bei der Stadtsparkasse haben Sie zuletzt von einem Kindergarten gesprochen. Warum?

Scheffler Es gab von beiden Seiten kaum Bewegung und wenig Bereitschaft zur Einigung. Im Dezember hat Oberbürgermeister Thomas Geisel angeboten, mit elf Millionen Euro Abführung an die Stadt für das Jahr 2014 zufrieden zu sein. Das hat der Sparkassen-Vorstand abgelehnt. Im Januar dann gab es den Kompromiss, 17 Millionen Euro zu zahlen und künftig fünf Prozent des Jahresgewinns. Diesmal war Geisel dagegen - als Einziger.

Da ist Ihnen die Hutschnur geplatzt.

Scheffler Es war eine Probe-Abstimmung von 14:1 innerhalb des Verwaltungsrates, nur Geisel war dagegen. Man musste doch aus der Tatsache, dass das Institut seit Monaten Schaden nimmt, irgendwann die richtigen Schlüsse ziehen. Als die Situation völlig verfahren war, habe ich beiden - dem Vorstandschef der Stadtsparkasse, Arndt Hallmann, und Geisel - gesagt, dass ihr Verhalten in meinen Augen unpolitisch, unrealistisch und unrheinisch ist. Der Oberbürgermeister hat nicht verstanden, was unrheinisch ist.

Wie haben Sie es erklärt?

Scheffler Wir lassen im Rheinland immer eine Türe offen, damit man wieder reinkommen und über einen Kompromiss sprechen kann. Das ist auch ein Wesenszug guter Politik.

Zur Einigung gehören aber immer zwei. Welchen Fehler hat die Stadtsparkasse gemacht?

Scheffler Der Konflikt hat ja viel früher angefangen. Geisel ist dem verstorbenen OB Erwin nicht unähnlich. Der wollte eine Gewinnabführung, um die Kita-Gebühren abschaffen zu können. Es ist vielleicht ein Versäumnis, dass Geisel in dieser Hinsicht nichts vorgebracht hat. Vielleicht wäre eine Zustimmung dann leichter gefallen. Die Idee, dass die Stadtsparkasse 25 Millionen Euro an die Stiftung Museum Kunstpalast gibt, kam zu spät und war nicht tauglich. Dass bei Hallmann und Geisel zwei Welten aufeinander treffen, war früh zu bemerken. Geisel kommt aus einer Aktiengesellschaft, da war es für ihn normal, über die Verwendung des Gewinns reden zu wollen. Für die Sparkasse sieht das ganz anders aus. Dort kann man sich nicht vorstellen, auch mal als Bank betrachtet zu werden.

Und dann begann der Kindergartenbetrieb?

Scheffler Der grundsätzliche Dissens spiegelte sich in vielen Details. Nur ein Beispiel: Die übliche Regelung, dass ein Mitarbeiter der Stadtsparkasse das Protokoll der Verwaltungsratssitzungen anfertigt, wurde infrage gestellt. Stattdessen kam eine Mitarbeiterin aus dem Rathaus. Die wurde nach weiteren Diskussionen durch einen Anwalt aus einer Kanzlei abgelöst, die für den Verwaltungsrat arbeitet.

Ist denn Mitreden unerwünscht?

Scheffler Sparkassen-Vorstände alter Schule waren verschnupft, wenn man sich intensiv mit der Materie beschäftigte und nachbohrte. Diese Mentalität hallt noch nach. Es gab Zeiten, da lagen wichtige Unterlagen nur zur Einsicht in einem Raum bereit. Irgendwann ist herausgekommen, dass die meisten Angaben nicht geheim gehalten werden müssen. Wir nehmen unsere Aufgabe ernst, bilden uns fort, ich mache im Herbst wieder zwei Seminare. Entscheidend ist: Wenn man einen Konflikt hat, muss man sich auf eine sachliche Basis begeben, auf der man den Streit lösen kann.

Der nächste ist programmiert. Es muss geregelt werden, auf welche Weise künftig über den Gewinn entschieden wird. Wie soll das laufen?

Scheffler Ich wäre dafür, einen Mediator einzuschalten, der Vorstand und Verwaltungsratsspitze schon bei der Strategieplanung und der Aufstellung der Bilanz zusammenbringt. So werden Konflikte früh entschärft. Noch einmal sollten wir uns ein solches Theater nicht leisten. Die Stadtsparkasse stellt ihre Geschäftspläne anhand mathematischer Modelle auf, die beispielsweise mit dem Phänomen Negativzins nicht wirklich etwas anfangen können. Dann muss man als Vorstand auch mal selbst eine Prognose abgeben. Die Erwartungen des Vorstandes und das tatsächliche Ergebnis haben mehrfach zu stark differiert. Jetzt muss neues Vertrauen aufgebaut werden.

Vertrauen fehlt auch am Görres-Gymnasium. Ihre zweite Großbaustelle. Wie sieht es da aus?

Scheffler Das Görres ist sehr speziell, viele einflussreiche Düsseldorfer Familien haben dort ihre Kinder untergebracht. Ich war in allen Düsseldorfer Gymnasien an Schulkonferenzen beteiligt, aber das Geschehen dort ist einmalig. Es gibt Gruppierungen bei Eltern und Lehrern, zwischen denen teils blanker Hass herrscht. Da sitzen Leute gemeinsam in einem Gremium und sagen, sie wollten nicht miteinander sprechen. Das ist nicht akzeptabel. Seit sieben Jahren gibt es Querelen und Probleme, sich mit einer Schulleitung zu arrangieren. Jetzt soll ein Mediator helfen, das halte ich für sehr richtig.

Was muss an der Schule geschehen?

Scheffler Mehrere Kandidaten für den Rektorenposten sind von der Schulkonferenz abgelehnt worden oder haben zurückgezogen. Man hat sich daran gewöhnt, als Elternschaft und Lehrerkollegium alles selbst zu machen. Es sollte als Erstes die Einsicht bei Lehrern und Eltern greifen, dass eine Schule eine Führung braucht. Es interessiert sich doch kein Kandidat mehr für das Görres-Gymnasium, wenn er befürchten muss, von der Schulkonferenz zerlegt zu werden.

Sparkasse und Görres: Sind dort zu viele Menschen auf dem Ego-Trip?

Scheffler Den Eindruck habe ich. An vielen Stellen kann man sehen, dass unsere Gesellschaft auf dem Ego-Trip ist. Es ist mühsam, das Verständnis für das größere Gemeininteresse zu entwickeln, viele sehen sich selbst als das Wichtigste an. An die Schulen kommen jetzt viele Lehrer, die als Einzelkinder groß geworden und sehr dynamisch sind. Sie müssen viele Sonderaufgaben übernehmen, auch Eltern sind durch das Abitur nach acht Jahren stärker eingespannt.

UWE-JENS RUHNAU FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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