| 00.00 Uhr

Altstadt
Der große Erfolg eines kleinen Museums

Altstadt: Der große Erfolg eines kleinen Museums
Der Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, Bastian Fleermann, in den Räumen des Museums. FOTO: Andreas Endermann
Altstadt. Ein Jahr ist die Mahn- und Gedenkstätte nun in ihren neuen Räumen an der Mühlenstraße. Und nicht nur für Paul McCartney ist sie inzwischen eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Warum eigentlich? Von Torsten Thissen

Es gibt einen Raum in der Mahn- und Gedenkstätte, der eigentlich ein bisschen gemein ist. Da sind also Porträts von Düsseldorfern aus der Nazizeit, nur die Bilder, und erst wenn man sie umdreht, kann man lesen, welche Rolle der- oder diejenige bei der Verschleppung, Enteignung und Ermordung der Juden in Düsseldorf gehabt hat. Das Gemeine an der Sache ist: Hier sind Opfer, Täter und Mitläufer gemischt. Der Verbrecher steht neben dem Retter, und so spielt diese Wand mit den Klischees, die Besucher in ihrem Kopf haben. Nein, man konnte den Menschen nicht ansehen, ob sie Helden oder Mitläufer, Opfer oder Täter waren. Niemandem stand es auf der Stirn geschrieben. So drehen die Besucher an den Tafeln, lesen, wundern sich, und in ihnen reift die Erkenntnis, dass sie die Schubladen im Kopf wohl besser leeren, wenn sie sich dem Thema und damit diesem einzigartigen Düsseldorfer Museum nähern.

Mehr als 30.000 Menschen haben die Ausstellung der Mahn- und Gedenkstätte inzwischen besucht. Darunter waren Prominente wie zuletzt Paul McCartney, doch natürlich kamen vor allem viele Nicht-Prominente. So gab es Führungen für Reisegruppen aus dem Ausland und Schulklassen aus Düsseldorf, es gab die zufälligen Besucher, die sich in der Altstadt umtaten und spontan die Ausstellung besucht haben, doch die meisten kamen wohl gezielt in die Mühlenstraße.

Es gibt unter Medienschaffenden die an und für sich banale Erkenntnis, dass Nähe Relevanz schafft. Und vielleicht ist es der größte Verdienst dieser Ausstellung, dass sie Nähe zwischen den Besuchern und den Menschen von damals herstellt. Sie lebten in meiner Nachbarschaft, waren so alt wie ich heute, ihr Haus steht sogar noch - besonders bei Kindern und Jugendlichen wirkt so etwas mehr als Jahreszahlen.

Auch versteht es die Ausstellung, durch persönliche Geschichten zu vermitteln, wie das Leben zwischen 1933 und 1945 in Düsseldorf war. So gibt es zum Beispiel Interviews mit Zeitzeugen, die erzählen, wie sie verschleppt wurden, wie es ihrer Familie ergangen ist und was die Düsseldorfer getan haben, um zu helfen.

Erschreckend wenig ist die Antwort der Ausstellung, und so verlassen viele Besucher den Ort wieder mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. Nicht nur die direkten Täter, die Verbrecher in Uniformen, nein, die städtische Bürgergesellschaft selbst wird in diesem Museum kritisch beleuchtet. Es räumt zudem mit der immer noch allgegenwärtigen Mär auf, dass niemand etwas gewusst habe von der Verschleppung und Ermordung so vieler Düsseldorfer Mitbürger. Und das alles anhand von Lebenswegen junger Menschen aus der Nachbarschaft in der Nazizeit.

Tom Katz ist einer von ihnen. 1929 als Sohn jüdischer Eltern geboren, wächst er an der Grunerstraße auf, geht zur Schule, verkleidet sich an Karneval. Katz' Leben und Überleben ist Teil der Ausstellung. Und er war einer der ersten, der sie besucht hat. Ein Überlebender, inzwischen ein Greis, der seine eigene Kindheit, sein Leben in einem Glaskasten wiederfand. Der Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, Bastian Fleermann, und seine Mitarbeiter haben einige Überlebende durch die Ausstellung geführt, die gerührt und dankbar waren, dass ihr Schicksal und das ihrer Angehörigen nicht vergessen wird.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Altstadt: Der große Erfolg eines kleinen Museums


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.