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Altstadt
Endlich herrscht Ruhe am Alten Hafen

Altstadt: Endlich herrscht Ruhe am Alten Hafen
Nicole Bolte und Alex Kockers vom Friseurgeschäft Maex Hair sowie Anke Kanning (v.l.) blicken optimistisch in die Zukunft. FOTO: Marc Ingel
Altstadt. Schlägereien, Sachbeschädigung, trinkende Minderjährige: Jahrelang klagten Anwohner und Geschäftsleute über unzumutbare Zustände. Inzwischen hat die Polizei die Lage im Griff, auch ein privater Sicherheitsdienst läuft Patrouille. Von Marc Ingel

Es liegt keineswegs nur an der kalten Jahreszeit, dass an diesem Tag am Alten Hafen in der Altstadt nahezu himmlische Ruhe herrscht. "Früher", betont Alex Kockers, "war hier immer Theater, besonders an Wochenenden und vor Feiertagen, aber nicht nur, wenn es warm war". Mit Theater meint der Inhaber des Friseursalons Maex an der Akademiestraße Schlägereien Halbwüchsiger und betrunkene Minderjährige, Drogenkonsum und Sex unter freiem Himmel, zerborstenes Glas auf dem Boden, Graffiti und Sachbeschädigung. "Die kamen sogar in meinem Laden rein und haben meine Mitarbeiterinnen sexuell bedrängt", sagt er. Früher wohlbemerkt. "Seit mindestens zwei Jahren ist Ruhe", bestätigt Kockers.

Das liegt zum einen daran, dass ein privater Sicherheitsdienst regelmäßig patrouilliert. Aber auch die Polizei wirft seit 2013 verstärkt ein Auge auf das abgeschirmte Quartier. "Es stimmt, wir sind dort intensiv in Doppelstreife mit dem Ordnungs- und Sicherheitsdienst unterwegs, haben in den vergangenen Jahren hunderte Platzverweise erteilt und zum Teil auch Personen in Gewahrsam genommen. Das hat gefruchtet", sagt Polizeisprecherin Susanna Heusgen.

Mitentscheidend, davon ist Kockers überzeugt, ist aber der private Sicherheitsdienst. "Mir wurde bei der Eigentümerversammlung Rederecht eingeräumt, da habe ich die Zustände hier noch mal anschaulich beschrieben. Der ein oder andere war erstaunt, was sich hier wirklich abspielt. Die Hausverwaltung hat das dann in die Hand genommen, die Kosten wurden auf die Eigentümer umgelegt." Kam der Sicherheitsdienst anfangs nur tageweise und zu später Stunde zum Einsatz, wurden die Zeiten mittlerweile ausgedehnt: Freitags, samstags und vor Feiertagen von 20 bis 3 Uhr. "Wenn es brenzlig wird, rufen die dann sofort die Polizei, die auch schnell vor Ort ist", berichtet Kockers. Nachbarin Anke Kanning vom Geschäft Schmucksache bestätigt ebenfalls: "Es ist deutlich besser geworden. Wir werden mit unseren Sorgen endlich ernst genommen", sagt sie.

Kockers und Kanning zählen zu den Geschäftsleuten, die trotz aller Schwierigkeiten am Alten Hafen schon lange durchalten. "Ich bin seit 22 Jahren hier", sagt der Friseur, der aber einräumt: "Ich hätte fast aufgegeben - wenn alles so geblieben wäre." Ist es aber ja zum Glück nicht, und so ist Kockers zuversichtlich, dass die kleine Ladenzeile am Alten Hafen eine Zukunft hat. Nebenan ist ein Beauty-Salon eingezogen, das Geschäft Nautic Yachting steht ebenso für hohes Niveau wie das von Schmuckdesignerin Kanning und einem weiteren Friseur, hinzu kommt der Showroom von Isi Lieb. Nur der Book-Store ist schon wieder raus. "Das ist hier in der Ecke nichts für Lauf-, nur was für Stammkundschaft", sagt Kockers. Er hat gehört, dass ein hochwertiges Tattoo-Studio dort einziehen will, "das würde passen".

Kockers ist jedenfalls froh, dass er nicht länger morgens Blut von der Scheibe wischen muss, wenn es die denn überhaupt noch gibt. Zehn Scheiben in 16 Wochen sind zur schlimmsten Zeit mal zu Bruch gegangen. Kein Wunder, dass es in knapp in zehn Jahren 40 Inhaberwechsel in den neun Läden an der Akademiestraße gab. "Fünf Jahre lang war das hier eine gesetzesfreie Zone", blickt Kockers nur ungern zurück. Aber das ist nun vorbei.

Quelle: RP
 
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