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Altstadt
Jan Wellems Stammkneipe sucht Investor

Altstadt: Jan Wellems Stammkneipe sucht Investor
David Miga vom Amt für Gebäudemanagement vor dem "En de Canon", das auf einen Investor wartet. FOTO: Endermann, Andreas (end)
Altstadt. Bis Juli können sich Interessenten für "En de Canon" bewerben. Seinen Namen wird das Traditionslokal behalten. Von Arne Lieb und Andreas Endermann (Fotos)

Es hängen sogar noch ein paar Luftschlangen von der Decke, aber im "En de Canon" wird so schnell nicht mehr gefeiert. Aus dem Lokal sind mit der letzten Pächterin vor anderthalb Jahren auch die Tische und Stühle verschwunden. Der leere Gastraum sieht trist und heruntergekommen aus, ein Holzbalken ist aus der Decke gebrochen. Aus den Fenstern sieht man, wie das Unkraut im Biergarten wuchert. Ein neuer Anstrich reicht nicht aus - wer hier wieder Gäste bewirten will, muss viel tun.

Bald, so hofft die Stadtverwaltung, wird jemand das Projekt in Angriff nehmen. In diesen Tagen startet das Verfahren, das einen neuen Wirt für die Traditionsgaststätte neben dem Rathaus finden soll. Die Stadt will die Sanierung des Gebäudes mit Lokal und zwei Wohnetagen nicht bezahlen, sondern das Grundstück mit Haus über einen Erbpachtvertrag abgeben. Bis Juli ist eine Bewerbung möglich.

Der Gastraum des Lokales ist leer und muss - wie der Rest des Gebäudes - saniert werden. FOTO: Endermann, Andreas (end)

Gewünscht ist ein gutes gastronomisches Konzept, das zur Tradition passt und eine Zukunft verspricht. Und das in einer nicht ganz einfachen Lage: Das "En de Canon" liegt zwar zentral, aber in einer Straße mit wenig Laufkundschaft. Aus dem Rathaus hört man, dass gutbürgerliche Küche keine schlechten Chancen habe - und sie dürfte auch dabei helfen, trinkfreudige Stammgäste wiederzugewinnen: Nebenan befindet sich das "Haus des Karnevals". Die Karnevalisten spielen sogar mit dem Gedanken, ihr Museum in die Etagen über der Wirtsstube zu erweitern. Vielleicht wird das "En de Canon" aber auch ein Burger-Laden? Die Ausschreibung ist jedenfalls offen gehalten, kreative Konzepte seien willkommen, heißt es.

Fest steht: Seinen Namen wird das Lokal behalten. Diese Bedingung stellt die Stadt. Schließlich verweist er auf die Geschichte des Gebäudes, das um 1680 errichtet wurde und als eine der ersten Poststellen der Stadt diente. Später zechte hier häufig Kurfürst Jan Wellem.

Aus dem Bad im ersten Stock blickt man auf die Pegeluhr. FOTO: Endermann, Andreas

Fest steht auch: Gesucht wird ein Profi. Es wird viel Kapital für die Sanierung nötig sein. Zudem dürften die Arbeiten nicht einfach werden. Katja Knöbel vom Amt für Gebäudemanagement spricht von einem "Patchwork" aus historischem Gemäuer und Wiederaufbau nach dem Krieg. Darüber hinaus darf der neue Besitzer nicht machen, was er will: Das Haus steht unter Denkmalschutz, auch der Brandschutz stellt Anforderungen. Das Gebäude lockt dafür natürlich mit vielen Vorzügen. Dazu gehört übrigens die Toilette mit der hübschesten Aussicht der Stadt: Durch das kleine Fenster im ersten Stock schaut man direkt auf die Pegeluhr.

Bei der Stadt ist man zuversichtlich, starke Bewerber zu finden. Mehrere Interessenten hätten sich schon gemeldet. Die besten drei werden zum Gespräch geladen und sollen der Wirtschaftsförderung ihre Pläne im Detail erläutern.

Quelle: RP
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