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Altstadt
Vier Fahrräder in vier Jahren Altstadt

Altstadt. Vivian Wiebusch ist es leid: Schon mehrfach haben Altstadtbesucher ihr Rad zerstört. Hilfe suchte sie bei der Stadt. Von Tanja Karrasch

Ihr Herrenrad ist schlicht - dunkelblau, ganz ohne Schnickschnack. Dabei würde sich Vivian Wiebusch einen hübschen Fahrradkorb mit Blumengirlande wünschen, oder eine bunte Klingel. Doch ihr Rad soll keine Aufmerksamkeit erregen. Seit vier Jahren wohnt die Pharmazie-Studentin in der Altstadt, und seitdem musste sie sich jedes Jahr ein neues Fahrrad zulegen. Eine Bilanz, die Wiebusch vor allem wütend, aber auch traurig macht. Schuld daran ist Vandalismus - durch betrunkene Altstadt-Besucher, vermutet die 24-Jährige.

Ihr Rad parkt Wiebusch auf dem Burgplatz, ganz in der Nähe ihrer Wohnung. Sie schließt es, wie viele Anwohner in dieser Gegend, täglich an den Fahrradbügeln unter den Linden ab. Morgens warten dann regelmäßig neue Überraschungen: Häufig liegt das Rad am Boden. Vier oder fünf Fahrradkörbe wurden ihr dort bereits geklaut. Einmal wurden die Bremsschläuche des Fahrrads durchgeschnitten. Einmal der vordere Scheinwerfer abgetreten, einmal gleich der ganze Fahrradständer. Ihr altes Fahrrad, ein lilafarbenes Damenrad, das durch die Vandalismus-Attacken bereits in einem desolaten Zustand und ohne Sattel dort angeschlossen war, wurde trotzdem gestohlen. Eigentlich hatte Wiebusch es noch für ein paar Euro auf einer Internetplattform anbieten wollen.

Per E-Mail wandte sich Wiebusch an die Stadt Düsseldorf, schilderte das Problem, das auch ihre Nachbarn betrifft, und regte den Bau eines abschließbaren Fahrradhäuschens auf dem Burgplatz an. Vor allem habe sie sich den Frust von der Seele schreiben wollen, sagt sie. Mit einer Rückmeldung rechnete sie eigentlich nicht. Doch Wiebusch wurde prompt in den Anregungs- und Beschwerdeausschuss eingeladen. Die Stellungnahme des Amtes für Verkehrsmanagement jedoch sorgte bei der jungen Frau für Unverständnis: Anmietbare Fahrradboxen seien aufgrund des Kosten-Nutzen-Verhältnisses nur an ausgewählten S-Bahn-Standorten geplant. Am Burgplatz kämen sie schon allein aus gestalterischen Gründen nicht in Frage, hieß es. Außerdem verwies die Stadt auf in der Altstadt reichlich vorhandene Fahrradbügel. Doch mit denen ist Wiebusch und ihren Nachbarn nur bedingt geholfen. Sie halten Betrunkene nicht vom Kaputttreten und Umwerfen ab.

CDU-Ratsmitglied Christian Rütz nannte die Stellungnahme der Stadt "wenig kreativ", das Problem werde auf die lange Bank geschoben. Kreative Vorschläge beim Ausschuss gab es jedoch reichlich: Man könne doch auf die stadteigenen Liegenschaften rund um das Rathaus zurückzugreifen und dort einen Fahrradraum für die Öffentlichkeit einrichten. Oder: Im IDR-Parkhaus am Carlsplatz könne doch anstelle der Tankstelle, die dort bald ausziehen wird, über eine Fahrradgarage nachgedacht werden.

Holger Odenthal vom Amt für Verkehrsmanagement stellt eine weitere Möglichkeit in Aussicht: Die Stadt wolle neu entwickelte Fahrradhäuschen vorstellen, die Anwohner auf dem eigenen Grundstück, gegebenenfalls auch im öffentlichen Raum, aufstellen könnten. Die Finanzierung sei noch nicht endgültig geklärt. Zehn bis zwölf Anwohner müssten sich dafür zusammenfinden und auch bereit sein, die Betreuung des Häuschens zu übernehmen. "Wenn die Politik dafür ist, könnte bald ein Prototyp aufgestellt werden", sagt Odenthal. Ein ähnliches Häuschen steht bereits an der Himmelgeister Straße in Bilk. Auch das hatte die Stadt finanziell unterstützt. Am Burgplatz bleiben jedoch die "gestalterischen Gründe und der öffentliche Nutzungsbedarf" bestehen. In einer Seitenstraße könne es gehen, sagt Odenthal. In Wiebuschs Ohren klingt das nach Zukunftsmusik: "Im Moment gehe ich davon aus, dass ich mir nächstes Jahr wieder ein neues Fahrrad kaufen muss."

Quelle: RP
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