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Angermund
Angermund im Rheinischen Städteatlas

Angermund. Der Stadtteil gehört zu den 172 Orten, die vom LVR mit einer eigenen Publikation zur Geschichte bedacht werden. Viele Karten gewähren einen Einblick in die Entwicklung der einstigen "Freiheit". Von Julia Brabeck

Heimat hat Konjunktur, wobei es für viele Menschen wichtig ist, die Wurzeln zu kennen, um sich mit der Heimat identifizieren zu können. Auf eine Reise in die Vergangenheit lädt nun der Rheinische Städteatlas ein, der sich in seiner aktuellen Auflage auf Angermund konzentriert. Herausgegeben wurde das historisch-topografische Nachschlagewerk, das 99. von bislang 101 in der Reihe erschienenen, vom Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Damit hat Angermund erstmals eine wissenschaftlich seriöse Darstellung seiner Geschichte erhalten, die sich an Historiker, Stadtplaner, Geografen, Heimatforscher und Bürger gleichermaßen richtet. "Hier wurde stadtgeschichtliche Pionierarbeit geleistet", sagt Anne Henk-Hollstein, stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland.

Bezirksbürgermeister Stefan Golißa (CDU) sieht den Atlas als eine hilfreiche Quelle für Bürger, um sich mit der Geschichte ihrer Stadt auseinanderzusetzen. "Wichtig ist auch, dass dieses Wissen bei der weiteren Entwicklung nicht aus den Augen verloren wird. Hierbei sind wir alle, die Bewohner Angermunds, die örtliche Politik und auch die Verwaltung in der Verantwortung, Erneuerungen behutsam zu gestalten und Erhaltenswertes, seien es prägnante Gebäude, grundsätzliche Siedlungsstrukturen oder auch das Brauchtum für die nachfolgenden Generationen zu bewahren."

Seit 1972 ediert und publiziert der Landschaftsverband die Städteatlanten, die alle gleich aufgebaut sind, so dass die Fakten miteinander verglichen werden können. Aufgenommen werden alle Städte und (ehemals) selbstständige Orte des Landesteils Nordrhein, also auch die Freiheit Angermund, die im Spätmittelalter Amtssitz wurde. Erstmals erwähnt wurde Angermund um 1180, als der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg das "castrum Angermund et curiam" (lat. für Burg Angermund und Rathaus) für kleines Geld erwarb. Die Burg wurde dann später ausgebaut und diente als Kellnerei-Sammelstelle für die dem Landesherren zustehenden Naturalabgaben.

Die weitere Geschichte des Ortes wird im Atlas anhand verschiedener Kategorien wie Verkehrsentwicklung, Wirtschafts- und Sozialstruktur dargestellt. So erfährt man etwa, dass sich die Ausmaße Angermunds bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf den historischen Ortskern beschränkten, der entlang des 1364 erstmals erwähnten "Steynwech", der heutigen Graf-Engelbert-Straße, entstand. "Erst nach dem Bau der Eisenbahn und der Einrichtung eines Haltepunktes 1896 erfolgte eine signifikante Siedlungserweiterung. An der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts hatte der Ort keinen Anteil. Land- und Forstwirtschaft blieben prägende Wirtschaftsfaktoren", so Autorin Elfi Pracht-Jörns.

Das wurde aber nicht als Nachteil gesehen, wie die Bemühungen des Angermunder Gemeinderates und der beiden Großgrundbesitzer von Spee und von Hatzfeld zeigten, die versuchten, eine Erweiterung der Siedlung auf Kosten der natürlichen Umwelt zu begrenzen. "Angermund sollte eine ländliche Wohnsiedlung vor allem für gehobene bürgerliche Schichten sein", erklärt Pracht-Jörns das Ziel, das heute noch teilweise Gültigkeit besitzt.

Quelle: RP
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