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Angermund
Der große Schaulauf der Trecker

Angermund. Rund 100 Traktoren konnten beim Angermunder Erntefest bestaunt werden. Die Besitzer fuhren zur Freude der Besucher auf einem Acker sogar um die Wette und pflügten einen Acker um. Von Maximilian Krone

Der Weg führt den Besucher zunächst weg von der Landstraße auf eine recht breite, aber holprige Betonstraße. Schnell wird sie enger. Über eine kleine Brücke geht's im Schritttempo vorbei an Radfahrern und Fußgängern über die B8n. Nach ein paar Kurven ist man dann am Ziel. Das Ziel, das ist ein abgeernteter Kornacker, auf dem die Stoppeln noch stehen. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, steigt einem ein leicht lehmiger Geruch in die Nase, der bald darauf von einem Gemisch aus Diesel und Öl übertönt wird. Etwas weiter dann riecht es nach frischem Brot. Wer das Erntefest in Angermund zum ersten Mal besucht, für den ist es ein wahres Vergnügen für alle Sinne. Wer dann noch einen Faibel für alte Maschinen und besonders Traktoren hat, wird sich ohne Mühe den ganzen Nachmittag dort aufhalten können.

Für Hardi Ceglarek ist das alles schon nichts mehr Neues. Zusammen mit acht weiteren Mitstreitern bildet er den Club der Angermunder Treckerfreunde, der das Fest seit mehr als zehn Jahren ausrichtet. "Am Anfang waren wir zu viert und haben einen alten Traktor restauriert", sagt er. Dann sei daraus eine wahre Passion und die Idee gewachsen, ein solches Fest zu veranstalten. Rund 100 Trecker waren dieses mal dabei. Die meisten davon sind wahre Schätzchen, die ihren Dienst wegen der guten Pflege ihrer Besitzer zum Teil noch heute tun. Dazu gehört auch ein alter Deutz, Hardi Ceglareks erster Trecker, den der 66-Jährige, der von Beruf gar nichts mit Landwirtschaft zu tun hatte, sondern Zimmermeister war, 1981 bekam. Mit einer anderen, nicht minder alten Landmaschine, holte er zwischendurch eine Ladung Stroh ab. Mit ihr wurde vorgeführt, wie die Landarbeit Anfang des 20. Jahrhundert aussah. In der "Dreschhexe Groß", einer Dreschmaschine aus dem Jahr 1925 wurde es vorbereitet und in der "Welger Presse" zu kleinen Ballen gepresst. "Das sind unglaublich seltene Stücke, die aber bis heute noch funktionstüchtig sind", sagt er. Angetrieben werden sie durch einen Flachriemen, der am Traktor befestigt ist

. Direkt neben dem knatternden Aufbau steht ein kleiner Anhänger. Bei genauerem Hinsehen ist er aber weit mehr als das. Denn in ihm befindet sich ein kleines Museum. "Hier bewahre ich ganz viele historische Stücke auf", sagt Ceglarek. Während an einem Ende des Wagens ein vollfunktionsfähiger Holzofen steht, befindet sich am anderen Ende ein kleines Bett. "Wenn ich zu Treckertreffen fahre, schlafe ich auch hier drin", sagt er. Auf einer Kommode liegt ein Werkzeug mit einer roten Schleife. Was das ist, weiß der 66-Jährige auf Anhieb auch nicht. "Ich muss inzwischen kaum noch was kaufen, sondern bekomme vieles geschenkt", sagt er. Selten sind da aber Ersatzteile für die alten Maschinen dabei. "Es gibt dafür aber extra Fachzeitschriften und Werkstätten, die die Teile heute ganz neu herstellen", sagt er. Da verwundert es nicht, dass die Besitzer mit ihren Traktoren unweit vom kleinem Museum zur Freude der Besucher auf einem Acker um die Wette fahren und einen Acker Umpflügen.

Wer vom Zusehen der Aktion und dem Rundgang übers weitläufige Gelände durstig und hungrig war, der setzte sich auf eine der vielen Bänke und machte Pause. Besonders dort kamen die Besucher in den Genuss einer weiteren Besonderheit des Festes: dem frischen Brot. Denn es wird in einem sieben Tonnen schweren, mobilen Holzofen gebacken, den die Treckerfreunde vor Jahren gebaut haben.

Quelle: RP
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