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Angermund/Wittlaer
Eine Haltestelle im Nirgendwo

Angermund/Wittlaer: Eine Haltestelle im Nirgendwo
S-Bahn-Haltestelle Froschenteich im Düsseldorfer Norden unweit des Stadtteils Angermund. Parkplätze? Fehlanzeige. FOTO: Andreas Endermann
Angermund/Wittlaer. Seit Jahren beschäftigt die Lokalpolitiker eine hochmoderne U-Bahn-Haltestelle im Düsseldorfer Norden. Sie liegt einsam in der Landschaft. Pendler können sie aber nicht nutzen. Es fehlen Parkplätze. Von Julia Brabeck

Es mutet wie ein Schildbürgerstreich an und wäre ein gefundenes Fressen für das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler. Mitten auf dem Land, im äußersten Norden von Düsseldorf, wurde vor einigen Jahren für 1,7 Millionen Euro die Haltestelle der U79 "Am Froschenteich" neu gebaut, da die alte Haltestelle im Zuge der Bauarbeiten zur Straße B8n weichen musste. Doch für wen das Bauwerk eigentlich vorgesehen ist, ist nicht nachvollziehbar - denn bis auf die wenigen verstreuten Anlieger kann dort eigentlich niemand die Haltestelle nutzen, da es in ihrem Umfeld keine offiziellen Parkmöglichkeiten für Pendler gibt.

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Die Bezirksvertretung 5 war nicht an den Planungen der Station beteiligt worden, da die Haltestelle vom Land in Auftrag gegeben und finanziert wurde. Sie fordern deshalb seit Jahren die nachträgliche Einrichtung eines Park & Ride Parkplatzes - bisher aber vergebens. Zahllose Anträge und Anfragen dazu wurde von der Verwaltung bereits abgelehnt. Als Gründe werden etwa angeführt, dass sich eine dafür geeignete Flächen im Bereich der Station in Privatbesitz befindet und das gesamte Areal im Landschaftsschutzgebiet und in der Wasserschutzzone liegt. Dort sind jede Bauten und das Anlegen von Stellplätzen nicht erlaubt.

"Die Antworten auf unsere Fragen und Anregungen fallen immer gleich aus. Es ist für uns kein Wille erkennbar, eine Lösung zu finden, wie diese auch immer aussehen mag", sagt Stefanie Busch von der SPD-Fraktion in der BV 5. Zurzeit parken viele Pendler ihre Wagen am Straßenrand, blockieren damit den Fußweg und beschädigen den Grünsteifen. "Der Bedarf nach einem Parkplatz ist eindeutig vorhanden", sagt Bernhard von Kries, Fraktionsvorsitzender der CDU in der BV 5. Die nächsten Park & Ride Parkplätze in Duisburg und Wittlaer, auf welche die Verwaltung immer wieder verweist, seien zudem stets gut ausgelastet. Selbst in Lohausen werden inzwischen Wagen von Pendlern im Umfeld einer Haltestelle abgestellt, was bereits zu Protesten der Anwohner geführt hat, die selber keine Stellplätze mehr finden.

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Die Aussage der Verwaltung, Parkplätze für Pendler sollten dort eingerichtet werden, wo die Pendler herstammen, also in diesem Fall auf Duisburger Gebiet, wird von den Politikern als realitätsfremd eingestuft. Denn viele Pendler wollen erst auf Düsseldorfer Stadtgebiet auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, da dann die Fahrt mit Bus oder Bahn wesentlich preiswerter wird. "Jedes Auto, das wir aber von der Straße bekommen, ist eine Entlastung und deshalb ist unser Anliegen wichtig", sagt von Kries. Zumal die Pendlerströme regelmäßig für lange Staus rund um den Nordstern sorgen würden, für dessen Entlastung auch noch kein geeignetes Konzept entwickelt wurde. Hier befürchten die Politiker sogar eine Verschärfung der Situation, wenn der Ausbau der A524 und der B288 im Duisburger Süden abgeschlossen ist.

"Es ist mühsam und nicht befriedigend, aber wir werden an dem Thema dran bleiben", sagt Busch. Sie möchte beispielsweise erreichen, dass geprüft wird, ob die Randbefestigung links und rechts der Straße an der Haltestelle ordentlich als Parkstreifen befestigt werden kann. Dort befindet sich allerdings auch eine Buchenallee, die als Naturdenkmal eingestuft wird. "Das Errichten baulicher Anlagen und auch die Flächenbefestigung im Bereich der Kronentraufe sind hier unzulässig", sagt die Verwaltung.

Quelle: RP
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