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Angermund
Friedensgespräch mit Geisel

Angermund. Der Oberbürgermeister ist der Einladung der Angermunder Bürgerinitiative gegen Bahnlärm gefolgt. Diese hatte unter anderem kritisiert, zum Thema RRX-Ausbau nicht im Arbeitskreis Lärmschutz gehört zu werden. Das will der OB jetzt ändern. Von Semiha Ünlü

Überraschender Besuch gestern Mittag von Oberbürgermeister Thomas Geisel bei den Mitgliedern der Angermunder Bürgerinitiative gegen Bahnlärm. Vor Ort informierte sich der OB bei einem nicht-öffentlichen Gespräch über die Sorgen und Ängste der Anwohner zum geplanten Ausbau des Regionalzugs Rhein-Ruhr-Express (RRX). "Als wir vor zehn Jahren nach Angermund gezogen sind, rauschten täglich rund 400 Züge mitten durch den Ortsteil, heute sind es bereits 630 und mit dem RRX werden es mindestens 830 Züge", sagte Elke Wagner, Sprecherin der Initiative. Richard Kleinofen, ein vom Verein beauftragter Schallschutzexperte, erklärte dem OB, warum die geplanten Lärmschutzmaßnahmen der Deutschen Bahn (unter anderem Lärmschutzwände) "bei der enormen Trassenbreite und den hohen Zugzahlen in Angermund nur sehr begrenzt wirken werden" und ein Tunnel "die beste Lösung" wäre.

Der RRX soll die Großstädte an Rhein und Ruhr besser verbinden. Gebaut werden soll in Düsseldorf frühestens ab 2020, ab 2025 sollen die Züge fahren und dann vier Mal pro Stunde zwischen Düsseldorf und Köln pendeln (bislang gibt es zwei Fahrten). In Angermund bedeutet der Ausbau des RRX unter anderem, dass die Zahl der Bahngleise von vier auf sechs erhöht wird und sich damit der Lärmpegel erhöhen wird. Die Bürgerinitiative bevorzugt deswegen den Bau eines Tunnels, die Deutsche Bahn - nicht zuletzt aus Kostengründen - Schallschutzwände. Im vergangenen Mai hatte der Verein mehrere Behörden verklagt (darunter Gesellschaften der Deutschen Bahn, die Stadt und die Bezirksregierung Düsseldorf), um die Herausgabe von Informationen zum RRX-Ausbau in Angermund zu erzwingen.

Bei einem Interview vor wenigen Wochen, in dem RP-Leser dem Oberbürgermeister Fragen stellen konnten, kritisierte Wagner, dass die Betroffenen nicht im Arbeitskreis der Stadt zum Thema Lärmschutz angehört würden. "Wenn das so ist, ist das nicht in Ordnung", hatte Geisel damals gesagt und dem gestern Taten folgen lassen: Er habe die Bürgerinitiative zur Sitzung am kommenden Dienstag eingeladen und versprochen, die Lärmschutzlösung der Angermunder in die entsprechenden Arbeitskreise der Verwaltung einzubringen und die Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative auszubauen.

Während des 30-minütigen Gesprächs sei Geisel "sehr freundlich, offen und interessiert gewesen", sagte Wagner. "Er wollte genau verstehen, warum wir die Lärmschutzwände nicht akzeptieren wollen und aus unserer Sicht die Tunnellösung, die in Teilen ober- und unterirdisch ist, die beste wäre." Dass durch diese Lösung Schallschutzfenster und elektrische Lüfter in den Häusern unnötig wären, habe dem OB besonders gut gefallen. "Er sagte, dass man in einem Haus die Fenster öffnen können müsse, dass die von uns gewünschte Einhausung eine sinnvolle Lösung wäre und es wichtig sei, mit der Deutschen Bahn eine Lösung zu finden", sagte die Vereinssprecherin.

Die Bürgerinitiative sei mit dem Treffen zufrieden. "Wir haben uns gefreut, dass er unserer Einladung gefolgt ist, uns zum Arbeitskreis eingeladen hat und versprochen hat, die Zusammenarbeit auszubauen", sagte Elke Wagner. Das Thema Lärmbelästigung sei kein "Luxusproblem von reichen Angermundern". Um das zu verstehen, sei es wichtig, dass man sich vor Ort selbst ein Bild von der Situation mache. "Das hat Herr Geisel gemacht und uns auch Versprechen gegeben. Das war wie ein Friedensgespräch."

Quelle: RP
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