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Angermund/Kaiserswerth
Platz für anonyme Grabfelder fehlt

Angermund/Kaiserswerth: Platz für anonyme Grabfelder fehlt
Sabine Grabowski an einem Urnen-Gemeinschaftsgrab. In der Stele in der Mitte sind die Namen und Jahreszahlen der Verstorbenen eingraviert. FOTO: H.-J. Bauer
Angermund/Kaiserswerth. Für Beerdigungen werden immer neue Möglichkeiten nachgefragt. Beliebt sind Formen, bei denen eine Grabpflege entfällt. Was in Kaiserwerth erfolgreich vor zwei Jahren eingeführt wurde, wird nun für Angermund geprüft. Von Julia Brabeck

Auf dem städtischen Friedhof Angermund ist nicht ausreichend Platz vorhanden, um dort Bestattungen in pflegefreien Rasengräbern oder anonyme Beerdigungen zu ermöglichen. Das teilte die Verwaltung in der Bezirksvertretung 5 auf Anfrage der CDU mit. Anonyme Beerdigungen werden in Düsseldorf bisher nur auf dem Friedhof Stoffeln als Urnenbeisetzung angeboten. Die Angehörigen erfahren hier weder den Zeitpunkt noch die genaue Lage der Beisetzung. Auch haben sie keine Möglichkeit, den Namen des Verstorbenen auf Gemeinschaftsstelen oder -steinen gravieren zu lassen.

Das ist bei der Beisetzung in einem großen Rasenfeld aber möglich. Bei dieser Bestattungsform entfällt jedoch auch für die Angehörigen die spätere zeitintensive Pflege der Grabstätte. Die Rasengrabfelder werden auf den Düsseldorfer Friedhöfen einheitlich gestaltet und benötigen eine größere Fläche, die aber auf dem Friedhof in Angermund nicht vorhanden ist. Zudem sei der Bedarf nach dieser Beerdigungsform nicht groß genug, um diese dort anzubieten, sagt die Verwaltung. Sie geht aufgrund von Vergleichszahlen davon aus, dass von den durchschnittlich 47 Beisetzungen im Jahr in Angermund nur fünf in einem Rasengrab erfolgen würden.

Als eine mögliche Alternative führt sie die so genannte Baumbestattung an. "Bei dieser Grab-Art, bei der ebenfalls die Pflege durch die Friedhofsverwaltung sichergestellt ist, werden biologisch abbaubare Urnen im Wurzelbereich eines Baumes beigesetzt." Ob diese Bestattungsart in Angermund Sinn macht und dafür überhaupt ausreichend Platz vorhanden ist, muss gegebenenfalls jedoch noch geprüft werden.

Auf dem kleinen evangelischen Friedhof in Kaiserswerth ist man da schon einen gehörigen Schritt weiter. Vor gut zwei Jahren wurde dort ein Gemeinschaftsgrab eingerichtet, in dem Urnen beigesetzt werden. Das Beet, dessen Pflege die Gemeinde übernimmt, ist um eine Stele angeordnet, in die die Namen der Verstorbenen und die Jahreszahlen eingraviert werden. "Eine anonyme Beisetzung ist aus theologischer Sicht auf unserem Friedhof allerdings nicht möglich", sagt Presbyterin Sabine Grabowski.

Die Art der Bestattung wurde so gut angenommen, dass das Gemeinschaftsgrab inzwischen fast vollständig belegt ist. "Wir überlegen deshalb, ein zweites Gemeinschaftsgrab einzurichten. Ob wir dann dort die Möglichkeit schaffen, auch Sargbeerdigungen durchzuführen, wird man sehen", sagt Grabowski. Dann soll das Grab trotzdem als Beet und nicht, wie bei den städtischen Friedhöfen üblich, als Rasenfeld angelegt werden. "Das hat auch ganz praktische Gründe. Wir haben beobachtet, dass bei Rasenfeldern die Hinterbliebenen sehr gerne Kerzen, Steine und Figürchen aufstellen. Viele Menschen brauchen, auch wenn ihnen das vorher gar nicht wirklich bewusst war, doch später einen festen Ort zur Trauer. Diese Dinge müssen bei jedem Rasenmähen abgeräumt werden. Das erübrigt sich bei einem Beet."

Beliebt seien die Gemeinschaftsgräber besonders aus zwei Gründen. Die Angehörigen müssen sich nicht um die Pflege kümmern und die Grabstätte wird preiswerter, da beispielsweise ein Grabstein entfällt. Allerdings ist in Kaiserswerth eine Verlängerung dieser Grabstätten nach 20 Jahren nicht mehr möglich.

Quelle: RP
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