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Benrath
110 Jahre Schloß-Gymnasium

Benrath. Am Donnerstag wird im östlichen Kavaliersflügel des Benrather Schlosses eine Ausstellung zur Geschichte der Schule eröffnet. Wolfgang D. Sauer, ehemaliger Lehrer am Schloß-Gymnasium und Historiker, erinnert sich. Von Birgit Wanninger

Als am 29. April 1907 31 Schüler ans Schloß-Gymnasium kamen, legte Direktor Leonhard Jäger seinen Sextanern Folgendes ans Herz, noch ehe die erste Unterrichtsstunde begann: "Ein Muster in Lernbegierde, Ordnung und Gehorsam zu sein und auch nach außen durch besonders tadelloses Verhalten das Ansehen der Schule zu hoch zu halten, damit die Schule der Gemeinde in jeder Weise zur Ehre gelange."

Das Schulleben des Schloß-Gymnasiums (das sich heute immer noch - trotz Rechtschreibreform - mit Eszett, also dem "ß" schreibt) begann mit einer Klasse. Es waren besagte 31 Sextaner im Alter von neun Jahren. Und selbverständlich waren es nur Knaben, denn beim Schloß-Gymnasium handelte es sich bis Ende der 70er Jahre um ein reines Jungen-Gymnasium.

Voraussetzung für die Aufnahme an dieser Schule - nach einer Prüfung - war, so steht es in einem Schreiben an die Eltern: "Geläufigkeit im Lesen deutscher und lateinischer Druckschrift, eine leserliche Handschrift, Fertigkeit, Diktiertes ohne grobe orthographische Fehler nachzuschreiben sowie Sicherheit in den vier Grundrechnungsarten mit ganzen Zahlen." So waren die Bedingungen vor 110 Jahren.

Auch wenn das Schloss-Gymnasium am Donnerstag kein rundes Jubiläum hat, und anfänglich nicht im Schloss untergebracht war, sondern im ehemaligen Bürgermeisteramt, gibt es Anlass zum Feiern: "110 Jahre Schloß-Gymnasium Benrath. Rückblicke - Einblicke - Ausblicke" lautet der Titel der Ausstellung, die im Schloss Benrath zu sehen sein wird.

Der Ort der Ausstellung, in dem die Schule mehr als 80 Jahre untergebracht war, ist der östliche Kavaliersflügel des Schlosses. In den dortigen Wechselausstellungsräumen setzen sich die Schüler mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Schule auseinander. In der Videoinstallation "Schloßstimmen" kommen ehemalige Schüler und Lehrer mit ihren Erinnerungen zu Wort. Die unterschiedlichen Schulgebäude und den Wandel der Schulkultur veranschaulicht die Abteilung "Schloßräume und Schloßzeiten". Unter dem Thema "Gleichschaltung, Verdrängung, Aufarbeitung" wird die Geschichte des Gymnasiums während der Zeit des Nationalsozialismus aufgearbeitet. Es sind zahlreiche Aspekte, denen sich die Ausstellung widmet, denn es gibt viel zu erzählen. Was die Historie anbelangt, hat das Heimatarchiv Benrath einen wesentlichen Anteil geliefert. Federführend war dort der Archivar Wolfgang D. Sauer, der bis zu seiner Pensionierung Deutsch und Geschichte am Schloß-Gymnasium lehrte. Und wenn es um die Geschichte seiner Schule geht, dann weiß er viel zu erzählen. So war beispielsweise. die Höhere Knabenschule, wie sie zunächst hieß, von 1907 bis 1912 in dem ausgedienten, ersten Benrather Rathaus an der Paulsmühlenstraße/Ecke Hildener Straße untergebracht. "Im selben Gebäude war damals auch der Polizeiposten", sagt Sauer. Heute existiert das Gebäude nicht mehr. Es wurde 1933 abgerissen. Die damaligen Sextaner wurden in neun Fächern unterrichtet: katholische beziehungsweise evangelische Religion, Deutsch, Latein, Erdkunde, Mathematik, Naturwissenschaften, Turnen, Singen und Schreiben.

Als jedes Jahr eine neue Klasse dazukam, platze das Gebäude schnell aus allen Nähten. Die Raumfrage wurde schließlich gelöst und die Obertertia - heute würde man sagen, die neunte Klasse - siedelte als Erste Anfang 1912 ins Schloss Benrath über. "Das war ein Glücksfall", sagt Sauer. Denn erst ein Jahr zuvor hatte Julius Melies das Schloss für die Gemeinde Benrath für eineinhalb Millionen Goldmark von der preußischen Krone erworben.

Dort verweilten Generationen von Schloss-Pennäler fast 80 Jahre. Überliefert, so berichtet Sauer, ist auch eine schöne Anekdote aus der Schulchronik zu den Anfangszeiten im Schloss: "Mein Sohn, du kommst nun in die Sexta der schönsten Schule Deutschlands. Sei dir dieser Ehre bewusst. Alle Klassenräume liegen zur ebenen Erde und aus jedem Fenster schaust du in einen märchenhaften Park." Dem kann Sauer nur zustimmen und weitere Histörkes erzählen. Beispielsweise, dass aus dem schnellsten Schüler, Viktor Zohm, ein Starfighter-Pilot wurde, und dass Regisseur Wim Wenders ein kurzes Intermezzo am Schloß-Gymnasium gab. Biologie- und Mathe-Lehrer Heinrich Opladen (gestorben 1956) sei der Begründer des Naturkunde-Museums gewesen. Die Schüler nannten ihn nur Opels Heini, meint Sauer schmunzelnd. Die Frage, ob er denn auch einen Spitznamen gehabt hätte, verneint Sauer mit den Worten: "Nicht das ich wüsste." Aber an der Tafel hätte oft, wenn er den Klassenraum betrat, gestanden: "Sauer macht lustig".

Quelle: RP
 
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