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Benrath
93-Jährige veröffentlicht viertes Buch

Benrath. "Die Schneiderin aus Düsseldorf" beschreibt Dorothea Blumes Erlebnisse als junges Mädchen im Arbeitsdienst. Von Beate Gostincar-Walther

Das praktische Schreiben fällt Dorothea Blume inzwischen schwer, denn die Sehkraft lässt nach und das spezielle Lesegerät macht die Sache nicht wirklich einfacher. Ideen und Stoff für Geschichten hat sie jedoch allemal. Gerade hat die 93-jährige ehemalige Studiendirektorin mit praktischer Hilfe ihres Patensohnes ihr viertes Buch veröffentlicht. "Die Schneiderin aus Düsseldorf" beschreibt ihre persönlichen Erlebnisse als junges Mädchen im Arbeitsdienst zur Zeit des Nationalsozialismus.

Vergessen ist verschwenden, so lautet die Devise der rüstigen alten Dame. Ihre Mutter, eine sprachbegeisterte Lehrerin, die selbst gerne Gedichte schrieb, gab ihr dies auf den Weg. Von ihr erhielt Dorothea auch das erste leere Album mit dem Hinweis, alles schriftlich festzuhalten, was ihr wichtig sei. Der Vater, Elektro-Ingenieur, hielt ebenfalls mit Leidenschaft alles fest - allerdings fotografisch. "Er hat alle Fotos selbst entwickelt und sagte immer 'geh nicht dran", erinnert sich Dorothea Blume belustigt.

Sie habe eine ganze Latte Tagebücher verfasst und sei immer wieder zum Schreiben aufgefordert worden. Bei Klassentreffen verblüffte sie ihre einstigen Schüler stets mit witzigen persönlichen Erinnerungen. "Sie wollten dann, dass ich es aufschreibe und ich sagte, wenn ich pensioniert bin", erzählt Dorothea Blume. Vorher habe sie keine Zeit. Ihr Versprechen hielt sie.

1986 erschien das erste Buch mit witzigen und besonderen Schulgeschichten. Der Titel fand sich durch eine Anekdote. Zwei ehemalige Schülerinnen konnten sich bei einem Treffen nicht an sie als Lehrerin erinnern und fragten: Warst du auch in meiner Klasse? "Da hatte ich den Titel", meint Blume lachend. Das Schreiben habe ihr viel Spaß gemacht und ganz Opladen habe damals das Buch gekauft, denn dort leitete sie lange ein Gymnasium.

"Da hatte ich Blut geleckt und wollte Fotografien dazu veröffentlichen", erzählt die Autorin. Aber die Schüler seien in alle Welt verstreut gewesen, also war an Fotos nicht zu denken. Doch dann hatte sie die Idee mit den Strichmännchen. Strichmännchen? Die habe sie im Physikunterricht immer gemalt. Der Verlag zeigte sich offen für die witzige Illustration und Dorothea Blume zeichnet. Als nächstes erschien ein Buch mit persönlichen Erinnerungen zu 60 Jahren Weihnachtszeit. Und so kam eine Idee zur anderen.

Nach einer Lesung bat sie der Direktor ihres Freudenstadter Urlaubshotels um Geschichten über das Hotel und die Stadt. 55 Jahre lang hat sie dort ihren Urlaub verbracht. "Und dann sagte die Verwandtschaft, wenn du für andere Leute schreiben kannst, dann auch für uns", amüsiert sich Dorothea Blume. Und sie schrieb: zwei sehr persönliche Bücher über die Verwandtschaft väterlicher- und mütterlicherseits - dieses Mal ausschließlich für die Familie. "Jetzt habe ich Leerlauf", resümiert sie. Aber eigentlich nicht, denn im nächsten Moment fällt ihr ein: "Ich möchte darüber schreiben, wie ich in meinem Leben bewahrt geblieben bin." Es gebe keinen Tag, an dem sie Gott nicht danke. "Selbst am schäbigsten Tag finde ich etwas, das hilft mir und trägt mich."

Dass ihre aktuelle Erscheinung, die "Schneiderin in Düsseldorf", als zeitgeschichtliches Dokument einen Ehrenplatz in der Bibliothek der Universität Bonn gefunden hat, das macht sie richtig stolz. "Jetzt wachse ich", lacht die 93-Jährige, die nächste Woche Geburtstag hat, und schreibt an ihrem Lesegerät ihren Namen als Widmung in das neue Buch. (ISBN 978-3-7392-6101-0).

Quelle: RP
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