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Benrath
Benrath hat ein Herz für Arno und seine Hunde

Benrath. Regelmäßig sitzt Arno Petersen mit seinen Hunden Hasso und Lilly in der Benrather Fußgängerzone. Der 67-Jährige hat eine kleine Wohnung. Die Hilfsbereitschaft im Dörfchen ist groß, Von Beate Gostincar-Walther

Wenn Arno Petersen auf seinem Rollator in der Benrather Fußgängerzone sitzt und die Straßenzeitung "fiftyfifty" verkauft, scheint er mindestens jeden zweiten Vorübergehenden zu kennen. "Soll ich Dir gleich ne' Bratwurst bringen?", ruft ein älterer Herr. Arno Petersen nickt und lacht: "Gerne". Seine beiden tierischen Gefährten Hasso und Lilly können ebenfalls nicht über Mangel an Zuwendung beklagen. "Die kriegen so viel 'Schokolade', dass sie gar nicht alles fressen können", meint er zu den Leckereien, die ihm für seine Vierbeiner geschenkt werden.

Seit drei Jahren lebt Arno Petersen in einer kleinen Wohnung in der Innenstadt, bei deren Suche der Sozialdienst der "Armen Brüder" ihn damals unterstützte. Zuvor war er vier Jahre lang obdachlos. Sein Leben gleicht einer Achterbahn: Krankheit, Alkohol, Wohnungsverlust, Ignoranz, eigene Hilflosigkeit und Hartz-IV-Gesetze, die nicht nur ihn verzweifeln lassen.

"Selbstaufgabe ist aber das Schlimmste und alleine schafft man es nicht, da wieder raus zu kommen", erzählt der gebürtige Norddeutsche von seiner Erfahrung. Ein bisschen verrät seine Sprache immer noch, dass er ein Nordlicht ist. Verwandte gibt's in Schleswig Holstein, aber Arno Petersen gehört jetzt ins Rheinland. "Ich bin mit 20 Jahren als gelernte Installateur hierher gekommen, weil es mehr Jobs gab", erzählt er.

Ein Arbeitsunfall ist dann das Aus in seinem Beruf. Über das Jobcenter gibt es eine zweite Chance. Eine Ausbildung für den Sicherheitsdienst. Irgendwie passt das - Kickboxen, Ringen und American football sind seine sportlichen Hobbys. "Ich bin für meinen Job zwischen Bonn und Düsseldorf gependelt und habe zwölf Stunden täglich gearbeitet", erinnert sich der 67-Jährige. Geld habe er dafür aber keines gesehen. Wieder ein Schlag in den Nacken. Danach geht es beruflich bergab. Das Jobcenter stuft ihn als "nicht arbeitswillig" ein. Ohne einen Arbeitsplatz rutscht Arno Petersen immer tiefer. "Triffste dich mit den Leuten auf der Straße, dann wird getrunken und immer mehr getrunken", erinnert er sich an düstere Zeiten. Seine Frau und damit sein Dach über dem Kopf - ein kleines Häuschen - hatte er lange vorher verlassen und verloren. "Sie war Alkoholikerin und ist 2011 gestorben", sagt er. Für ihn wird es erst wirklich besser, als er die Leute von fiftyfifty kennenlernt. Mit Hilfe des Sozialdienstes kriegt er den Formularkrieg mit den Behörden in den Griff und wieder ein Dach über den Kopf.

Arno Peterson spart für einen Traum für sich und seine tierischen Freunde: einen Wohnwagen. "Wer einmal draußen gelebt hat, für den ist es drinnen etwas zu eng", erklärt er sein Ansinnen. Ein freundlicher Bekannter hat einen großen Garten. Dort könnte er einen Wohnwagen aufstellen und bei gutem Wetter bleiben. Das wäre für seine Hunde besser, denn manchmal gebe es Ärger mit einer Nachbarin. "Hasso und Lilly sind alles für mich", erklärt Peterson kurz und bündig, wo sein Herz schlägt. In Benrath natürlich auch, denn "die Leute sind freundlich und viele sind großzügig". Das Stichwort. Eine ältere Dame packt ein großes Glas Hunde-Leckereien aus. "Können Sie die gebrauchen?" Arno Peterson freut sich; Hasso und Lilly stehen auf und schnuppern. Aber "Schokolade" gibt's erst später.

Quelle: RP
 
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