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Benrath
BV empört über Schlosspark-Sanierung

Benrath. Das Gartenamt präsentiert einen Plan zur Wiederherstellung des Schlossparks, der im Vorfeld für Ärger sorgt, weil eine Aufteilung des Finanzvolumens die Rechte der Bezirksvertretung beschneidet. Von Beate Gostincar-Walther

Rund 700 000 Euro kosten die Maßnahmen zur Wiederherstellung des Schlossparks Benrath. Seit der Pfingststurm "Ela" voriges Jahr überall in der Stadt Lücken in den Baumbestand riss, gingen auch im Schlosspark - eine der größten Düsseldorfer Parkanlagen - im unmittelbaren Gartenbereich um das Schloss 40 Bäume verloren. Im gesamten Parkwald mussten sogar 230 alte Bäume abgeräumt oder gefällt werden.

Am Freitag stellt das Gartenamt den zuständigen Bezirksvertretern den Plan zur Sanierung und Wiederherstellung vor. Schon vorab äußern Bezirksvertreter des Stadtbezirks 9, denen der Maßnahmenkatalog vorliegt, Kritik. "Passender wäre es gewesen, wenn die Bürgerveranstaltung zuerst stattgefunden hätte", sagt Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Graf (CDU). Mit dieser Reihenfolge hätte man eine wesentlich größere Resonanz erreichen können. "Das Konzept ist jedoch unstrittig", erklärt Graf weiter, nur die berühmte Inselfrage sei noch nicht gelöst.

Udo Skalnik (SPD), stellvertretender Bezirksbürgermeister, ist ganz und gar nicht mit der Vorgehensweise einverstanden. Dabei geht es ihm nicht um Details zum Baumbestand, sondern um Verfahrensfragen. "Das Finanzvolumen für den gesamten Sanierungsbedarf umfasst 700 000 Euro. Die Verwaltung hat die Maßnahmen gedrittelt und will mit der Veränderung des Finanzrahmens das Beratungs- und Entscheidungsrecht der Bezirksvertretung umgehen", erklärt Skalnik empört die Konsequenzen.

Dirk Angerhausen, Fraktionsvorsitzender der CDU, sieht es ebenso und ärgert sich doppelt über den taktischen Feldzug der Verwaltung. "Das ist eine Frechheit. Der Oberbürgermeister hat sich auf die Fahne geschrieben, die Bürger ernst zu nehmen. Nun bekommen wir als Bezirksvertreter eine Informationsvorlage, über die wir nicht entscheiden können", kommentiert er die aktuelle Entwicklung zur Schlosspark-Sanierung.

Beim sogenannten Wiederaufbau geht es nicht nur um das Pflanzen einzelner Bäume, sondern ebenso "um den denkmalgeschützten und naturgerechten Aufbau des Parkwaldes, der Vegetationsflächen und um die Reparatur und Sanierung der Wege", wie es in der Verwaltungsvorlage.

Während die Wege-Sanierung jetzt im September beginnt, wird der Park noch eine Weile warten müssen. "Dafür habe ich Verständnis, das ist nun mal aus personellen und organisatorischen Gründen nicht anders möglich", meint Graf.

Die Konzeption zum Park ist sozusagen noch in Arbeit, weil zurzeit ein Baum-Kataster erstellt wird. Dort gilt es, Gattung, Standort, Alter und eine Reihe weiterer Details - bis hin zu einer Fotografie des Baumes - zu erfassen. Für die Planung und Wiederherstellung wird mit rund 54 200 Euro gerechnet. Dazu kommen die Kosten für Rasen und Wegeflächen - ebenfalls im Parkbereich.

Auch in den Gärten sind markante Bäume "Ela" zum Opfer gefallen. An der Nordkante des Französischen Gartens werden in der kommenden Pflanzsaison sieben neue Bäume Wurzeln schlagen, und zwar eine Mischung aus Linde, Buche und Hainbuche. An der südwestlichen Ecke wird wieder eine Blutbuche das Landschaftbild prägen. Im Bereich des Englischen Gartens ist - laut Vorlage - ohnehin ein dichter Bestand, deshalb werden die Verluste nicht vollständig ersetzt und auch nicht an denselben Standorten. Hier belaufen sich die Kosten insgesamt auf 49 000 Euro.

Die Baumreihen entlang der Straßen im Stadtgebiet haben bereits deutlich sichtbar Zuwachs bekommen. Zwischen den großen alten zeigen sich junge Bäume, die zwar ein gewisses Maß erreicht haben, aber trotzdem viele Jahre brauchen werden, um ihren Nachbarn Konkurrenz zu machen.

Im Schlosspark sieht das bisher noch anders aus. Die Wege sind zwar wieder geöffnet und frei, doch die Lücken im Baumbestand klaffen auseinander. Und die Inselfrage, die die Benrather sehr stark beschäftigt, ist ebenfalls nicht gelöst. Während die Wiederherstellung in den Parkbereichen in dieser Pflanzsaison abgeschlossen werden sollen, werden die Maßnahmen im Parkwald Jahre beanspruchen. So heißt es in der Vorlage. Mit Rücksicht auf den ersten Weihnachtsmarkt am Schloss soll laut Verwaltung die Pflanzaktion voraussichtlich im Januar beginnen. Dies ist genauso beschlossene Sache, wie die Sanierung und die geschickt aufgeteilte Finanzierung. Die Stadtteilpolitiker sind der Auffassung, diese Vorgehensweise entspreche nicht den Regeln. Ihres Erachtens werden sie genauso vor vollendete Tatsachen gestellt, wie die die Bürger, die zur Informationsveranstaltung kommen.

Quelle: RP
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