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Benrath
Denkmalpfleger nehmen OB ins Gebet

Benrath: Denkmalpfleger nehmen OB ins Gebet
Diese Postkarte vom Schloss und der Insel, auf der Pappel und Trauerweide stehen, stammt aus den Anfängen der 1950er Jahre. Kurze Zeit später wurde die Pappel durch einen Sturm zerstört, 2014 traf es die Trauerweide. FOTO: Heimatarchiv
Benrath. Der Vorsitzende des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege hat Politik und den Oberbürgermeister aufgefordert, mit der Bepflanzung der Insel auf dem Schloss-Weihers den Vorgaben des Gutachtens mit zwei Bäumen zu folgen. Von Andrea Röhrig

Die Stimme von Michael Schaar klingt am Telefon ein wenig resigniert. Seit Oberbürgermeister Thomas Geisel im Herbst signalisiert hatte, er würde sich dafür einsetzen, dass auf die Insel im Schloss-Weiher nur eine Trauerwiede neu gepflanzt wird, hatte das Benrather Mitglied der Düsseldorfer Jonges wieder Hoffnung geschöpft. Die war am Dienstagmorgen nach der Lektüre des Benrather Tageblatts jedoch verflogen.

Am Nachmittag zuvor im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen hatte die Politik der Verwaltung Grünes Licht gegeben, die Neu-Bepflanzung nach den beschriebenen Anforderungen des Gutachtens anzugehen: mit einer Trauerweide und einer Säulenpapel. Bis zu einem Unwetter Anfang der 1950er Jahre hatten in dem Weiher vor dem Schloss beide Bäume gestanden. Danach - bis zu Orkan Ela an Pfingsten 2014 - nur noch die Trauerweide. Für die Wiederherstellung des letzten Anblicks hatte auch Michael Schaar Spenden gesammelt. Unter anderem war er mit einem Bollerwegen beim Urdenbacher Erntedankumzug mitgezogen. Viele Kleinspenden hat er bekommen, zumeist mit dem Hinweis, dass das Geld nur für die Anschaffung einer neuen Trauerwiede gedacht sei. Lediglich von zwei Spendern kennt Schaar Namen und Anschrift: "Denen habe ich eine Spendenquittung geschrieben." Da er nicht mehr daran glaubt, dass der "Bürgerwillen", wie er und die Vorsitzende der Heimatgemeinschaft Benrath, Marianne Holle, es nennen, durchgesetzt wird, plant er nun, die Spendensumme in Höhe von 3650 Euro an die Stadt zu überweisen, mit der Maßgabe, davon die Trauerweide zu finanzieren.

Dass Oberbürgermeister Thomas Geisel als letzte Instanz die Zwei-Baum-Lösung doch noch verhindert, daran glauben viele Benrather jetzt nicht mehr. Bereits auf einen Brief von Holle im Dezember hatte er nicht mehr geantwortet.

Doch das war nicht das einzige Schreiben, das Geisel in Sachen Weiher-Bepflanzung erreicht hat. Anfang Februar hat der Vorsitzende des in Köln ansässigen "Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz" (RVDL), Heinz Günter Horn, Geisel und die Politik "nachdrücklich aufgefordert", das Vorhaben in der gegenwärtigen Form (Anm. d. Red: nur mit Trauerweide) nicht weiter zu verfolgen, sondern im Zusammenhang mit der Stiftung dafür zu sorgen, dass - da historisch begründet und authentisch - die Inselbepflanzung wieder aus zwei Bäumen besteht. Es wundere ihn als Vereinsvorsitzenden nicht, dass im Rahmen des denkmalrechtlichen Verfahrens das für diese Maßnahme erforderliche Benehmen mit dem LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland nicht erreicht werden konnte. "Demnach geht es nicht um eine Petitesse, wie man vielleicht meinen könnte", heißt es wörtlich in dem Brief. Und weiter heißt es in dem Schreiben des Archäologen und Bodenkmalpflegers: "Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, der RVDL würde sich freuen, wenn auch Sie sich von den Überlegungen Ihres Gartenamtes bzw. den Argumenten der Gartendenkmalpflege überzeugen lassen und Ihre persönliche Haltung in der Sache nochmals überdenken würden."

Er, so Horn, gehe davon aus, dass bei der endgültigen Entscheidung über die Anzahl der Bäume auf der Insel im Benrather Schlossweiher nicht die Wünsche Einzelner und/oder private Interessen, sondern die öffentlichen und rechtlich gestützten Belange des Denkmalschutzes den Ausschlag geben." Der Vorsitzende des RVDL ist zudem der Überzeugung, "dass die Umsetzung dieser historisch begründeten Planungen ein Gewinn für das Gesamtdenkmal und seine Besucher, für die Gartenstadt Düsseldorf, vor allem aber für die Bürger des Stadtteils Benrath sein wird." Horn: "Sollte die Insel im Benrather Schlossweiher mit nur einem Baum bepflanzt werden, würde mittel- und langfristig die einmalige Chance verpasst, dem Gesamtdenkmal in einem wichtigen Detail ein Stück seiner Ursprünglichkeit und Geschichtlichkeit zurückzugeben und es sowohl in seinem Zeugnis- als auch Erlebniswert zu optimieren."

Quelle: RP
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