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Benrath
Die Fragen von Heimat und Herkunft

Benrath. Autorin Andrea Maria Schenkel eröffnete in der "Montagsprosa" die literarische Woche "Benrath liest". Von Sven-André Dreyer

Die Laternen vor der Orangerie werfen gelbe Licht-Fetzen in die regnerische Dunkelheit des Schlossparks. Und irgendwie passt die herbstlich anmutende Stimmung zum Inhalt der Lesung im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Montagsprosa in der Orangerie", die gleichzeitig die Auftaktveranstaltung der literarischen Woche "Benrath liest" markierte.

In der Lesung in der Bücherei ging es am Montagabend um die Themen Vertreibung und Flucht. Düster zeichnete Autorin Andrea Maria Schenkel (54) die Geschichte eines schmerzlichen Abschieds. Nicht nur von der Heimat, sondern auch von geliebten Menschen, die freiwillig und trotz aller Repressalien zurückbleiben, weil sie sich ein Leben in der Ferne nicht vorstellen können, nicht vorstellen wollen.

Schenkels 2006 erschienener Kriminalroman "Tannöd" wurde nicht nur mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, sondern auch in 20 Sprachen übersetzt und für das Kino verfilmt.

Die Autorin stellte in der Auftaktlesung, veranstaltet vom Benrather Kulturkreis in Kooperation mit der Aktionsgemeinschaft Benrath, nun ihren aktuellen Roman "Als die Liebe endlich war" in der Stadtbücherei Benrath vor. Moderiert von Karin Füllner, Vorstandsmitglied des Benrather Kulturkreises und Mitarbeiterin des Heine-Instituts, erzählt Schenkel in ihrem im März dieses Jahres erschienenen Romans die Geschichte des jungen Juden Carl Schwarz. Gemeinsam mit seiner Mutter Grete und der Schwester Ida emigriert Schwarz 1938 von Regensburg zunächst nach Shanghai, später dann in die USA. Dort lernt er seine Frau Emmi, ebenfalls aus Bayern, kennen.

Das Besondere: Nach der Veröffentlichung von bislang insgesamt fünf überaus erfolgreichen Krimis, hat die in Regensburg geborene Autorin mit ihrer aktuellen Publikation zum ersten Mal einen Familienroman geschrieben. Und der fügt sich thematisch sinnvoll ein in das Rahmenthema der Literaturreihe "Montagsprosa in der Orangerie", die mittlerweile im 21. Jahr stattfindet. Denn in den kommenden fünf Ausgaben der Reihe wird Füllner mit ihren literarischen Gästen das Thema Kindheit behandeln und lässt dabei dann Autoren zu Wort kommen, die zu diesem Thema gearbeitet haben. Während die Arbeit an ihrem aktuellen Roman rund zwei Jahre in Anspruch genommen habe, beschäftigte sich Schenkel mit dem Thema ungleich länger: "Die Idee zu dieser Geschichte hatte ich schon vor rund neun Jahren", erzählte die Autorin.

Zahlreiche Recherchen gingen dem Schreiben voraus; und als Vorbereitung auf die eigentliche Arbeit an ihrem Romanprojekt sprach Schenkel auch mit Menschen, die in den späten 1930er Jahren als Kinder gemeinsam mit ihren Eltern tatsächlich den Weg nach Asien suchten, nur um dort 1947 erneut durch die damalige Regierung vertrieben zu werden.

Geschrieben hat Schenkel den Roman in Larchmont, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat New York, wo sie, neben ihrem Wohnsitz in Regensburg, lebt. Ebendort schaffte sie nach intensiver Arbeit auch die Bindung zu ihren Protagonisten: "Nach Abgabe des ersten Romanentwurfes, habe ich um die Figuren getrauert, weil sie mir nicht mehr gehören", erklärte Schenkel den durchaus persönlichen Bezug zu den differenziert gezeichneten Personen ihres neuen Romans.

Quelle: RP
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