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Benrath
Die tote Kastanie ist jetzt ein Baumgeist

Benrath: Die tote Kastanie ist jetzt ein Baumgeist
Ausgeschnitzt: Jörg Bäßler hat seine Arbeit an der Himmelgeister Kastanie beendet. Der Geist blickt mit ausgestrecktem Arm Richtung Rhein. FOTO: G. Von Ameln
Benrath. In knapp einer Woche verwandelte Holzkünstler Jörg Bäßler aus dem Erzgebirge die Himmelgeister Kastanie in ein Kunstwerk. Viele Spaziergänger schauten ihm bei der Arbeit mit der Säge fasziniert zu. Von Maximilian Krone

Nun ist es vollbracht. Die 200 Jahre alte Kastanie hat sich in weniger als einer Woche in einen Baumgeist verwandelt. Geschnitzt oder besser gesagt, gesägt, wurde er vom Holzkünstler Jörg Bäßler. Das fertige Kunstwerk können Ausflügler nun bestaunen. Der Baumgeist in Gestalt einer Elfe ist etwas etwa 3,5 Meter groß und zeigt mit einem Arm in Richtung Rhein. Da der obere Teil des verblieben Baumstammes nicht mehr benötigt wird, wird er noch abgesägt. Das Gartenamt wird die Skulptur in den nächsten Tagen versiegeln und damit witterungsfest machen.

Schon während der Arbeiten am Baum hatte die Kastanie regen Publikumsverkehr. Viele Spaziergänger oder Fahrradfahrer kamen vorbei, machten ein Foto und unterhielten sich mit dem gelernten Holzbildhauer aus dem Erzgebirge.

Unter ihnen war auch Gerhard Blödgen, der zunächst noch Vorbehalte gegen den Wandel des alten Baumes hin zu einem Kunstwerk hatte. "Ich hätte es besser gefunden, wenn man den Baum einfach hätte in Ruhe verfallen lassen. Das gehört halt zum Lebenszirkel dazu", sagt er und blickt skeptisch in Richtung Kastanien-Stamm. Anders sieht es Fritz Meier. "Das wird jetzt bestimmt wieder ein richtiger Anziehungspunkt für Ausflügler. Hier sind früher ja schon immer viele Kindergartengruppen hingefahren", sagt er. Auch Spaziergänger, wie er selbst, machten hier gerne eine kurze Pause. "Ich denke, dass wird in Zukunft auch wieder so sein", sagt Meier.

Der Holzkünstler selbst war derweilen voll und ganz auf den Stamm konzentriert, beantwortete zwischendurch aber gerne auch Fragen. Und davon gab es viele. Passanten, die sich einen Eindruck von seinen bisherigen Arbeiten machen wollten, konnten in einem kleinen Fotobuch blättern, das Jörg Bäßler am Rande ausgelegt hatte. Dort waren viele Holzskulpturen zu sehen, die er im Laufe seiner Zeit als Holzbildhauer geschaffen hatte. "Angefangen habe ich im Jahr 2000. Die Arbeit mit den Sägen hat mir immer sehr viel Spaß gemacht und so hab ich mich schließlich auf diesem Gebiet spezialisiert", sagt er. Und das mit Erfolg. Inzwischen finden sich seine Skulpturen rund um den Globus. "Einmal im Jahr fliege ich nach Japan und arbeite dort. Auch in den USA stehen Arbeiten von mir", sagt er. Danach sah es zunächst aber gar nicht aus, denn seine erste Lehre machte er als Schornsteinfeger, bis er einen neuen Weg einschlug. Inzwischen biete er neben seinen Holzarbeiten auch Kettensägen-Kurse an. Zeit, um in seiner Heimat, im Erzgebirge, zu arbeiten bliebe inzwischen kaum noch, sagt er.

Die Kunstwerke erschafft er dabei immer allein, ohne Hilfe. Auch Pläne oder Zeichnungen fertige er im Vorfeld nicht an. "Das, was ich brauche, ist alles in meinem Kopf", sagt er. So war es auch im Fall des Baumgeistes in Himmelgeist, der übrigens eine Frau, der Jüchtwind, ist. Wie lange der Jüchtwind indes stehen bleibt, vermag Bäßler nicht zu sagen. "Kastanie ist an sich kein witterungsfestes Holz", sagt er. Auf ewig bleibt das Kunstwerk also nicht stehen bleiben. Zum besseren Schutz werde es laut Bäßler aber noch versiegelt. Das Gartenamt rechnet damit, dass das Kunstwerk so zumindest die nächsten Jahre übersteht, was viele Spaziergänger begrüßen dürften, immerhin hat es rund 3000 Euro gekostet.

Quelle: RP
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