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Benrath
Ein Dreigestirn für St. Martin

Benrath. Manfred Hillenbrand, Michael Maaßen und Dirk Drunkemöller lassen die 120-jährige Tradition des Martinszuges in der Paulsmühle weiter leben. Gestern Abend zogen 1000 Kinder mit ihren Eltern durch das Viertel. Von Tino Hermanns

Scherzhaft bezeichnen sich Dirk Drunkemöller, Michael Maaßen und Manfred Hillenbrand als das "Dreigestirn". Und ähnlich wie die Symbolfiguren des Kölner Karnevals schmeißen sich auch die drei Benrather zu einer bestimmten Jahreszeit immer wieder in Verkleidungen. Doch anders als beim kölschen Dreigestirn gibt es beim Paulsmühler Trio weder Prinz, noch Bauer, noch Jungfrau, vielmehr sind sie Ritter Martin, ein Bettler und Bischof Martin.

Die Drei sind die zentralen Figuren des Paulsmühler Martinszuges und sind gestern Abend wieder als ihre Alter Egos im Einsatz. Maaßen reitet als Ritter auf den Schulhof der Katholischen Grundschule Einsiedelstraße, teilt seinen Umhang und gibt die eine Hälfte dem armen Mann namens Hillenbrand. Nach seiner barmherzigen Tat wird der Soldat zum Bischof (Drunkemöller) gewählt. Und anders als das jecke Trio aus Köln sind die drei Paulsmühler beim Absingen der jahreszeitlich spezifischen Lieder nicht sonderlich textsicher. "Wir lassen singen", meint Ritter Maaßen lächelnd. Das, was auch in der Paulsmühle mit einem Laternenzug und der szenischen Darstellung begangen wird, soll sich im vierten Jahrhundert in Amiens (Frankreich) zugetragen haben. Martin von Tours war in der kaiserlichen Garde und sah in einer kalten Winternacht einen Bettler am Straßenrand. Martin teilte seinen Umhang, gab eine Hälfte dem Bettler und rettete so dessen Leben. In der folgenden Nacht soll Martin im Traum Christus erschienen sein, bekleidet mit dem halben Mantel. Diese christlichen Werte wollen Michael Maaßen, Dirk Drunkemöller und Manfred Hillenbrand weitergeben. "Manchmal ist es echt schwierig, Beruf, Familie und Ehrenamt unter einen Hut zu bringen", berichtet Maaßen. "Aber uns allen ist es ein Anliegen, diese Botschaft von Barmherzigkeit und Teilen weiter zu vermitteln." Das passiert in der Paulsmühle alljährlich seit 1896. Viele Kostümteile und der Fensterschmuck der Schule Einsiedelstraße sind einige Jahrzehnte alt.

"Ich kann mich daran erinnern, als mein Vater den St. Martin gespielt hat und ich mit meiner Laterne mitgegangen bin. Für mich war immer das Größte, wenn er mich hinterher auf dem Pferd nach Hause gebracht hat. Die Botschaft und die Tradition gebe ich an meinen Sohn weiter", sagt Maaßen. Er selbst ist nach dem Tod seines Vaters vor neun Jahres in dessen Fußstapfen getreten. Seit 1973 ist Hillenbrand als Bettler dabei. "Mir schießen die Tränen in die Augen, wenn mir ein Kind ein Teil seines Weckmanns schenkt", meint er gerührt. Dann weiß er, dass die Botschaft angekommen ist. Drunkemöller ist das "jüngste" Mitglied des Trios. Er löste vor drei Jahren Hans Kramm ab. Der war über 50 Jahre als St. Martin beim Zug mitgeritten.

Bei den Kindern in der Paulsmühle ist die Botschaft vom Teilen angekommen, bei den Erwachsenen ist das nicht immer der Fall. "Im Vorfeld gehen 30 Menschen von Tür zu Tür und bitten um Spenden, damit wir den Martinszug finanzieren können. Von einigen bekommen wir nur unverschämte Bemerkungen", ärgert sich Maaßen. Dabei sind die Paulsmühler Martinsfreunde, die den Umzug organisieren, auf Spenden angewiesen. Die Pferde müssen gemietet, rund 1000 Tüten mit Weckmann, Obst und Süßem gefüllt werden. Zum Glück gibt es in der Paulsmühle gelebte Nachbarschaft und viele Unterstützer des Martinszuges. So wie Drunkemöller, Maaßen und Hillenbrand. Sie wollen vor allem den Kindern ein seliges Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Quelle: RP
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