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Benrath
Eine naturnahe Mündung für die Itter

Benrath. Der für die Itter zuständige Bergisch-Rheinische Wasserverband plant ein Sechs-Million-Projekt mit Renaturierungs- und Hochwassermaßnahmen in Benrath. Die Bürger sollen bei einer Veranstaltung am 17. August informiert werden. Von Andrea Röhrig

Der Rheinuferweg in Höhe Rheinterrasse. Wenn man nicht wüsste, dass genau an dieser Stelle die Itter in den Rhein fließt, sähe man davon rein gar nichts. Nur dass an dieser Stelle, gleich rechts neben einem Baum, direkt am Uferrand, das Wasser ein bisschen mehr blubbert. Genau hier mündet die Itter durch ein Rohr in den Rhein. Das war's. Derzeit noch. Denn an vielen Stellen auf ihrem 20 Kilometer langen Weg von Solingen-Gräfrath bis zum Rhein ist die Itter an die Leine gelegt worden - entweder dadurch, dass der Fluss ein Bett aus einer Betonschale erhalten hat oder gleich kanalisiert wurde.

Nun soll die Itter gemäß der EG- Wasserrahmenrichtlinie wieder naturnäher gestaltet werden. Dafür plant der für die Itter zuständige Bergisch-Rheinische Wasserverband (BRW) in Benrath ein Großprojekt. Zum einen die Umgestaltung der Itter im Mündungsbereich, zum anderen den Ersatz des Betonschalen-Bachbetts entlang des Schlossparks durch eine Bachsohle aus natürlichem Material und die Sanierung des Itter-Deichs in der Nähe des Ulmenkopfs südlich des Schlossparks auf einer Länge von 215 Metern. Etwa sechs Millionen Euro will der Verband in die Hand nehmen; die Bauzeit beträgt rund zwei Jahre.

Allerdings erst in etwa drei Jahren soll mit der Umsetzung begonnen werden, berichtet Peter Schu, stellvertretender Geschäftsführer des Bergisch-Rheinischen Wasserverbandes, im Gespräch mit unserer Redaktion. Bis jetzt ist nur die Vorplanung fertiggestellt, mit der der BRW in die Bürgerbeteiligung geht. Am Mittwoch, 17. August, 17 Uhr, stellt der Verband der Öffentlichkeit seine Planungen zur Sanierung des Rhein-Rückstaudeichs an der Itter und der Umgestaltung der Ittermündung im Gemeindehaus der Dankeskirche, Eingang Erwin-Müller-Straße 26, vor. Genehmigende Behörde ist am Ende die Bezirksregierung.

Die heutige Verrohrung der Itter bis zur Rhein-Mündung soll unter der Straße Benrather Schlossufer mit dem vorgelagerten Rechen-Anlage durch einen ökologischen Durchgang im Bereich der Straße ersetzt werden. Ziel ist es, dass die Itter nicht - wie derzeit für Fische und Kleinstlebewesen - eine Einbahnstraße in Richtung Rhein bleibt, sondern dass künftig auch Fische aus dem Rhein in die Itter schwimmen können. Allerdings ganz naturnah wird es nicht werden können. Hintergrund ist ein Höhenunterschied von neun Metern zwischen Itter und Rhein. Damit dieser überwunden werden kann, ist der Bau einer Fischaufstiegstreppe mit einer Länge von 202 Metern und 61 Stufen notwendig.

Schon seit Jahren betreibt der Wasserverband die Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie. 1900 Arbeitsaufträge umfasst der Aufgabenkatalog; dazu gehört auch - da, wo es geht, die naturnahe Umgestaltung der Gewässer. Doch überall geht es nicht. Wie in großen Teilen von Hilden, wo die Itter wegen des Hochwasserschutzes begradigt und kanalisiert wurde. Das wird dort auch so bleiben, damit es an den Itter-Anrainer-Gemeinden keine Überschwemmungen gibt wie in den vergangenen Monaten in Bayern, als Bäche sich nach Dauerregen in reißende Flüsse verwandelten.

Für die Itter kann sich Schu solch ein Katstrophenszenario nicht vorstellen: "Wir überstehen mit unseren Maßnahmen das so genannte 100-jährige Bemessungshochwasser. Wir haben im Oberlauf der Itter drei Hochwasser-Rückhaltebecken." Aktuell wird die Anlage in Haan-Kuckesberg saniert. Das Bauwerk kann nach Fertigstellung 115.000 Kubikmater Regenwasser aufnehmen und anschließend dosiert an die Itter abführen.

Die Aufgabe des BRW sei es, bei solchen Projekten einen Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der Natur und des Hochwasserschutzes zu finden, sagt Schu - in Benrath kommt wegen des Schlosses und der Parkanlage der Denkmalschutz hinzu. So muss deswegen der gradlinige Verlauf der Itter entlang des Schlossparks erhalten bleiben. Im Laufe der Geschichte ist die Itter mehrfach verlegt worden. Früher mündete sie in den Altrhein und sorgte dort für Überschwemmungen, weil dieser so viel Wasser bei Hochwasser nicht aufnehmen konnte. Eine Verlegung hin zu ihrem ursprünglichen Bett gehe aber nicht, sagt Peter Schu: "An vielen Stellen haben wir keinen Platz mehr für die Itter. Da sind jetzt Straßen und Häuser."

Quelle: RP
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