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Benrath
Eine Renaissance für alte Gemüsesorten

Benrath. Beim Stand der Werkstatt für angepasste Arbeit am Schlossgarten stehen die Kunden Schlange. Mit viel Begeisterung verkaufen die Mitarbeiter dort Obst und Gemüse aus eigenem Anbau. Von Anna Girke

Blaue Hilde, Portulak und Feuerbohnen. Was für Außenstehende seltsam klingen mag, sind am Benrather Schlossgarten gängige Begriffe. Blaue Hilde, eine Bohnenart, und der Salat Portulak gehören nämlich neben Mangold, Steckrüben und Feuerbohnen zu den alten Gemüsesorten, die die Mitarbeiter der Werkstatt für angepasste Arbeit (WfaA) verkaufen.

An dem kleinen Stand zwischen Spielplatz und Küchengarten im Schlosspark herrscht reger Betrieb. Es ist ein einfacher Verschlag, den die Mitarbeiter der WfaA mit Hilfe städtischer Gärtner selbst gebaut haben. Eine große Schiefertafel verkündet das aktuelle Angebot und das Gemüse in den Kisten und Schubkarren davor ist fast ausverkauft, obwohl es noch Vormittag ist. Ständig legen Gärtner frisch Geerntetes aus dem Schlossgarten nach, wobei keine Schale und kein Kilo der ausgelegten Waren mehr als zwei Euro kostet.

Den Menschen rund um den Gemüsestand macht die Arbeit merklich Spaß. Einer von ihnen ist Rolf Hansen, Mitarbeiter der Werkstatt für angepasste Arbeit. "Ich liebe meinen Job", sagt der 43-Jährige. Von den Menschen mit Behinderung werden hier viele verschiedene Fähigkeiten gefordert - sei es beim Anbau und Verkauf des Gemüses, beim Kassieren oder beim Kontakt zu den Kunden. Hansen hat für jeden ein freundliches Wort übrig und hilft bei Fragen weiter. Und die gibt es reichlich. Es liegen auch passende Erklärungen auf Flyern aus, Rezept- und Zubereitungsvorschläge zum Mitnehmen gibt es ebenfalls.

Die Kunden sind begeistert von dem Gemüsestand. Anfangs seien nur ältere Damen gekommen, erklärt der Verantwortliche, Georg Hünemeyer. "Mittlerweile kaufen jedoch auch junge Männer und Frauen regelmäßig bei uns ein." Dabei seien nicht nur Benrather unter den Kunden. Es kämen Käufer aus Hilden und Unterrath. Manche sind Touristen, andere Stammgäste. "Man kennt sich dann schon", sagt Hünemeyer. Nicht ohne Stolz erzählt er, dass der am weitesten gereiste Kunde aus Shanghai gekommen sei. "Eigentlich wollte er nur den Garten besichtigen, doch dann hat er unseren Stand bemerkt und war so begeistert, dass er das Gemüse sogar per Smartphone bezahlen wollte", sagt der Gärtnermeister schmunzelnd.

Auch andere der Kunden, die bei den Mitarbeitern der WfaA Gemüse kaufen, sehen viel Positives. Violetta Jojuga (36) besuchte gestern den Stand zum ersten Mal und war direkt so fasziniert, dass sie sich "noch mehr Plätze dieser Art" wünschte. Die Naturbelassenheit des unbehandelten Bio-Gemüses fand sie am Besten. Für Stammkundin Ursula Scherwass (61) ist der Verkaufsstand ein "Kleinod". Niklas Fullner (33) bedauert, dass "viele Menschen gar nicht wissen, dass es dieses Angebot gibt".

Der kleine Gemüsestand hat sich weiterentwickelt. Vor zehn Jahren boten dort Verkäufer der WfaA biologisch angebautes Gemüse an. Geöffnet war er damals nur donnerstags, jetzt jeden Werktag. Georg Hünemeyer ist es vor allem wichtig, "die alten Sorten zu erhalten." Mittlerweile hat der Gemüsestand auch Blumen im Sortiment. Dabei könnten die Gärtner der Werkstatt für angepasste Arbeit gar nicht so viel anbauen, wie verkaufen, gibt Hünemeyer zu. Denn das Angebaute geht weg wie die sprichwörtlichen "warme Semmeln". Auch die Blaue Hilde und der Portulak.

Quelle: RP
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