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Benrath
Eine zu Unrecht vergessene Benrather Künstlerin

Benrath. Das Heimatarchiv hat Hilde Viering, Mitbegründerin der Schlossspiele, eine eigene Ausstellung gewidmet.

Anlässlich des Tags des offenen Denkmals zeigt das Heimatarchiv, Benrodestraße 46, eine Ausstellung zu der Benrather Künstlerin Hilde Viering. Außerdem ist am Sonntag um 12 und um 16 dort der Film "Die Benrather Schloss-Spiele" und - Archivmitarbeiter Herbert Koszarek zeigt seine musikalisch untermalte Fotoshow über die Künstlerin Hilde Viering.

Benrath Archivar Wolfgang D. Sauer, erklärt, dass Hilde Viering maßgeblich das kulturelle Leben in Benrath mitbestimmt habe, gemeinsam mit der Sprechkünstlerin Erika Müller. Die beiden sind die Gründerinnen und tragenden Säulen der 1921 ins Leben gerufenen Benrather Schloss-Spiele gewesen, die - mit Unterbrechungen - bis 1957 durchgeführt wurden. Diese Spiele wurden jährlich von tausenden Zuschauern besucht. Während in den Händen Müllers die Leitung dieser Spiele lag, entwarf Hilde Viering dazu die Kostüme, das Bühnenbild und die Plakate.

"Im historischen Bewusstsein der Bürger findet man aber kaum Spuren von der Künstlerin Viering. Ihr ist es unverdientermaßen nicht gelungen, im Gedächtnis der Nachwelt einen bleibenden Platz zu erhalten", sagt der Historiker. In der Düsseldorfer Stadtgeschichte finde man ihren Namen nicht. Dabei habe die Stadt und besonders Benrath ihr viel zu verdanken.

Hilde Viering wurde am 18. Dezember 1898 in Hamm/Westfalen geboren. Von Beruf Kunstmalerin, entwarf und gestaltete sie Kirchenfenster, Wandschmuck, Mosaiken, Krippen und verschönerte mit diesen Arbeiten Kindergärten, Schulen, Privathäuser und Kirchen. Ihr besonderes Interesse aber galt der Kirchenausmalung und Kirchenrestauration. Ihre Stärke lag in der Herstellung und Gestaltung von farbig verglasten Kirchenfenstern.

"Hilde Viering war eine Künstlerin von überörtlicher Bedeutung.", ist Sauer überzeugt. Sie gestaltete Kirchen in ganz Nordrhein-Westfalen. "In unserer Gegend finden sich Arbeiten von ihr im evangelischen Kindergarten Holthausen, in der Anbetungskirche in Hassels und in der Gemeinschaftsgrundschule an der Südallee in Urdenbach. Auf dem Urdenbacher Friedhof gestaltete sie 1923 das Kriegerdenkmal und renovierte sie die evangelische Predigtkirche von 1693.

Eng befreundet war sie mit der Sprechkünstlerin Erika Müller in Benrath, die aus der Schauspielschule von Louise Dumont hervorgegangen war. Erika und Hilde hatten sich vor Jahren als Unterrichtende in einem Töchterheim in Bingen kennen gelernt, sich angefreundet und beschlossen, dass Hilde in Düsseldorf eine Malschule und die Kunstakademie besuchen und in Benrath im Hause Müller wohnen sollte. So kam es denn auch. Beide Frauen haben dann fast 40 Jahre lang das kulturelle Leben in Benrath mitbestimmt.

Durch die Zusammenarbeit mit Erika Müller wurde Hilde Viering Benrath zur zweiten Heimat. Hier machte sie sich später auch selbstständig und richtete auf dem Gelände des Müllerschen Hauses eine Werkstatt für angewandte Kunst ein. Von Beginn an arbeitete sie dabei mit der Malerin Charlotte Schrenk zusammen, die ihr Atelier im Bergischen Land hatte.

Als ihre Schaffenskraft nachließ, zog Hilde Viering im Jahre 1975 in ein Pflegeheim in Schmallenberg im Sauerland. Hier ist sie am 1. Mai 1981 gestorben. Beerdigt wurde sie auf dem Friedhof in Urdenbach auf der Begräbnisstätte der Familie Müller.

Mit der Ausstellung will das Heimatarchiv Benrath Hilde Viering eine besondere Reverenz erweisen.

Quelle: RP
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