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Benrath
Ethik-Komitee als Stütze der Ärzte

Benrath. In schwierigen Fällen wird im Sana-Krankenhaus in Benrath das Ethik-Komitee um Rat gefragt. In dem Gremium sind Ärzte, Geistliche sowie Pflege- und Sozialmitarbeiter vertreten. Geleitet wird es von Barbara Günter. Von Beate Gostincar-Walther

Immer wieder gibt es Situationen in einem Krankenhaus, bei denen selbst die erfahrensten Mitarbeiter sich manchmal überfordert fühlen. Oder Angehörige nicht wissen, welche Entscheidung sie treffen sollen. Beispiel: Bei einem schwer kranken Mann von mehr als 90 Jahren muss entschieden werden, lebensverlängernde Maßnahmen einzuleiten oder darauf zu verzichten, weil das für den Patient auch mit erheblichen Qualen verbunden wäre.

Mitarbeiter in Krankenhäusern - vom Arzt bis zur Krankenschwester - kennen solche Konstellationen, die Beteiligte und Helfende oft in schwere Konflikte stürzen. Ob und wenn ja, welche medizinische Therapie sinnvoll ist, kann manchmal einer allein nicht entscheiden, selbst wenn es sich bei diesem um einen hochqualifizierten und erfahrenen Arzt handelt. Im Sana-Krankenhaus Benrath gibt es deshalb schon seit mehr als zehn Jahren das Ethik-Komitee, das bei schwerwiegenden ethischen Fragen Hilfe und Rat anbietet. "Die medizinischen Möglichkeiten werden immer komplexer und manchmal ist eine Einzelperson überfordert, wenn es darum geht, eine Entscheidung zu treffen", erklärt Barbara Günther, die Vorsitzende des Gremiums in Benrath. Dabei gehe es nicht darum, die richtige Antwort zu finden, sondern "die bestmögliche für den Betroffenen", sagt sie.

13 Mitglieder gehören dem Ethik-Komitee am Benrather Krankenhaus an: Ärzte, Geistliche beider christlichen Konfessionen, Pflegende, Sozialarbeiter und Mitarbeiter zweier Hospizdienste. Wer Unterstützung anfordern will, muss kein Arzt sein. "Jeder - Mitarbeiter, Patienten und Angehörige - kann die Dienste dieses Gremiums in Anspruch nehmen", erklärt die leitende Ärztin der Onkologie. Es sei grundsätzlich eine unverbindliche Beratung, eine Orientierungshilfe, bei der der Patientenwillen der Maßstab sei. "Die endgültige Entscheidung muss dann der behandelnde Arzt treffen," erläutert Barbara Günther.

Das Ethik-Komitee an der Klinik berät bei konkreten Fragen, erarbeitet aber auch allgemeine Empfehlungen für den Umgang mit Konfliktsituationen. "Wie verhalten wir uns zum Beispiel, wenn ein Patient und seine Angehörigen Zeugen Jehovas sind und eine notwendige Bluttransfusion ablehnen?", fragt die Ärztin. Oft sei ein "Empfehlungs-Gerüst" hilfreich. Ob Therapieverzicht oder zum Beispiel Ernährung mittels einer Magensonde:E gebe zahlreiche und auch umstrittene Situationen im Klinikalltag, bei denen sich Mitarbeiter in Krankenhäusern Unterstützung und Rat wünschten.

Ethische Fragen seien im Laufe der Jahre immer wichtiger geworden und müssten von unterschiedlichen Berufsgruppen diskutiert werden, findet Günther. "Wir denken als Ärzte sehr naturwissenschaftlich, aber es gibt auch philosophische und theologische Sichtweisen auf das Leben und das Menschenbild", sagt Barbara Günther.

Dass Ärzte nicht mehr als Götter in Weiß wahrgenommen werden und immer mehr Patienten ihre Entscheidungsgewalt bewusst wahrnehmen, habe die Arbeit ebenfalls stark verändert. Für das Sana-Krankenhaus sei die Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen ein Qualitätsmerkmal, das stetig weiterentwickelt werde. "Es ist notwendig, ethische Gedanken im Krankenhaus zu formulieren, sie gehören in das Bewusstsein aller Mitarbeiter", sagt die leitende Ärztin, Barbara Günther. Deshalb gebe es zu diesem Thema interne Fortbildungen, zum Beispiel mit dem Philosophen und Theologen Alfred Simon von der "Akademie für Ethik in der Medizin" in Göttingen.

Günther selbst habe dort für ihr Amt im Ethik-Komitee auch eine spezielle Zusatzausbildung absolviert. Die Bitte, in diesem Gremium am Sana-Krankenhau in Benrath aktiv zu werden, sei an sie herangetragen worden. "Das war für mich ganz natürlich anzunehmen, denn es ist ja ein Teil meiner Arbeit", sagt die leitende Ärztin der Onkologie in der Medizinischen Klinik, zu der auch die Palliativ-Medizin gehört.

Weder ihr Amt noch ihre Arbeit seien nur traurig und negativ, findet die Ärztin. "Der Tod gehört mit zum Leben, und wir bekommen von den Menschen, die wir begleiten, viel positive Resonanz. So hält man das aus", sagt Barbara Günther.

Quelle: RP
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