| 00.00 Uhr

Benrath
Fastenessen mit dem Chilekreis

Benrath. Essen für einen guten Zweck, das ist landauf und landab als Charity bekannt. Meist sitzen dazu elegant gekleidete Menschen an festlichen gedeckten Tafeln und genießen ein exquisites Sechs-Gänge-Menü. Dass es auch anders erfolgreich sein kann, demonstriert der Chilekreis der katholischen Kirchengemeinde St. Cäcilia Benrath. Von Beate Gostincar-Walther

Im großen Saal des Cäcilienstiftes lud er am Sonntag zum "Fastenessen" ein. Zu Pellkartoffeln mit Tzatziki, russischer Kohlsuppe mit Sauerampfer und Kuchen hatten sich zahlreiche Menschen von fünf bis 70 Jahren aufwärts eingefunden. Der Erlös ist für die Partnergemeinde San José de la Mariquina in Chile bestimmt. Dort setzt sich die Glaubensgemeinschaft Oratorio Mariano für soziale Projekte bei den Mapuche-Indianern ein.

"Seit ich im Chilekreis aktiv bin, verbinden wir das Fastenessen mit dem Palmsonntag, weil dann besonders viele Kirchenbesucher kommen", erzählte Brigitte Schleis. Mit einem biblischen Hintergrund oder den Festtagen des Jahreskreises muss dies nichts zu tun haben. Das Fastenessen sei eine einfache Mahlzeit für einen guten Zweck und außerdem sei sonntags Kuchen erlaubt, meinte die Katholikin humorvoll. Deshalb regte sich auch bei den Gästen kein schlechtes Gewissen. "Man muss ja schließlich auch in der Fastenzeit essen, und der Sonntag ist ja fastenfrei", sagte Walter Diederen vom Chilekreis. Seine Tischnachbarn stimmten lachend zu. Therese Weidner verzichtet in der Fastenzeit auf Alkohol. "Ein Gläschen Wein oder ein Bierchen hätte ich zwischendurch schon gerne zum Essen getrunken", meinte die Benratherin scherzend. "Man kann auch in anderer Weise verzichten, zum Beispiel auf Luxus oder Fernsehen", erklärte Pfarrer Thomas Vollmer zum Thema Fasten und Verzicht. Er freute sich darüber, dass sich der Palmsonntag sinnvoll mit einer guten Tat hatte verbinden lassen. "Es ist schön, dass nach der Weihe der Palmzweige und der Heiligen Messe viele Leute ins Cäcilienstift gekommen sind."

Mit dieser praktischen Verknüpfung und zusätzlichen Aktionen wie etwa dem Stand im Weihnachtdörfchen hat der Chilekreis im Lauf von 20 Jahren rund 300.000 Euro für seine Partnergemeinde gesammelt. "Früher haben wir ein Internat für die Kinder der Mapuche-Indianer unterstützt. Sie konnten nicht in die Schule, weil der Weg zu weit war", erzählte Brigitte Schleis.

Inzwischen sorgt der Staat dafür, dass die Bildung die Kinder erreicht. Das frühere Internat wird derzeit zu einer Schule für Handwerksberufe umgebaut und ausgestattet. "Unsere Partnergemeinde feiert heute übrigens ebenfalls ein Fastenessen, das verbindet uns wieder", berichtete Schleis weiter. Die ältere Dame war bereits mehrfach in Chile und könnte ein dickes Buch schreiben - vor allem über die Menschen und viele unvergessliche Begegnungen mit ihnen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Benrath: Fastenessen mit dem Chilekreis


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.