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Benrath
Hoffnung für Patienten mit Lymphödem

Benrath. Das Sana-Krankenhaus Benrath ist eine von drei deutschen Kliniken, in denen Lymphknoten transplantiert werden. Von Simona Meier

Simone Klaßen hat einen langen Leidensweg hinter sich. Vor zehn Jahren entdeckt sie beim Duschen einen dicken Knubbel unter der Achsel. Sie läuft von Arzt zu Arzt. Die verschiedenen Diagnosen wie Brust- und Lymphdrüsenkrebs stehen plötzlich im Raum. Ihr Arm wird dick, die Hand ist über Jahre ständig geschwollen. Sie muss spezielle Handschuhe tragen, Kompressionsmanschetten und dreimal wöchentlich zur Lymphdrainage.

Es dauert lange, bis sich herausstellt, dass ihre Beschwerden nicht dem Krebs, sondern einem gestörten Lymphsystem geschuldet sind. Ihre Gynäkologin schickte sie in eine spezielle Lymphsprechstunde. "Der Tag der OP war mein schönster, gleich nach dem Aufwachen ging es mir besser. Das Gefühl in der Hand war komplett anders", sagt sie. Operiert hat sie Katrin Seidenstücker, die im Benrather Sana-Krankenhaus die neue Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie leitet. In den vergangenen zwei Jahren arbeitete Seidenstücker an der Universitätsklinik in Brüssel, wo sie das erste Europäische Lymphzentrum mit aufbaute. Jetzt kehrte sie in ihre Heimat nach Düsseldorf zurück.

Mit neuartigen Operationsmethoden werden hier Abflusswege für die Lymphe geschaffen. Durch Lymphstau kommt es zu chronischen Schwellungen, die sich häufig an Armen und Beinen finden.

"Es sind ein bisschen die vergessenen Patienten", sagt Ärztin Katrin Seidenstücker. "Sie tragen Kompressionsstrümpfe und unser Ziel ist es, dass sie darauf verzichten können", sagt sie. In Deutschland leiden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 40.000 Menschen an einem angeborenen Lymphödem wie Simone Klaßen. Weitere 80.000 Patienten entwickeln ein Lymphödem nach einer turmorbedingten, operativen Entfernung von Lymphknoten beispielsweise bei Brustkrebs. Abhilfe können zwei Verfahren schaffen, die jetzt in Benrath angeboten werden. Bei den rekonstruktiven Verfahren ist das Ziel wieder einen Lymphabfluss zu schaffen, indem man die Lymphflüssigkeit umleitet. Dazu kann beispielsweise ein Lymphknoten transplantiert werden, oder ein Lymphgefäß wird an eine oberflächlich kleine Vene angeschlossen. Gerade dieser Prozess erfordert sehr viel mikrochirurgisches Geschick. "Ich kann dann ungefähr eine Stunde operieren, dann wird es zu kompliziert. Wir gehen da in ganz kleine Gefäße", beschreibt die neue Leiterin der Plastischen Chirurgie II, Katrin Seidenstücker, das Verfahren. Zwei Tage vor solchen Operationen trinke sie keinen Kaffee, erklärt die Spezialistin, die sich die Techniken, die es vorher nur Tokio, Barcelona, Paris und Brüssel gab, in den führenden Zentren Europas aneignete.

Neben München und Ludwigshafen entsteht jetzt in Benrath ein medizinisches Spezialangebot, das Hoffnung für Menschen mit Lymphödem bedeuten kann. Beraten werden Patienten montags und mittwochs in einer Lymphsprechstunde.

Im Sana-Krankenhaus in Gerresheim war Seidenstücker früher als Oberärztin im Team von Christian Andree, dem Ärztlichen Direktor der Sana-Kliniken Düsseldorf, tätig: "Es ist sehr wichtig für die Lebensqualität der Patienten, dass wir diese Methoden anbieten", sagt er. Häufig gehe es zuerst darum, zunächst Tumore zu entfernen und das Überleben der Patienten zu sichern. Doch später seien diese beeinträchtigt durch die Probleme, die Lymphödeme hervorriefen. Hier wollen die Experten Abhilfe schaffen. "Es kann auch sein, dass es nicht komplett weg geht", sagt Seidenstücker. Gute Chancen bestehen bei frühzeitiger Behandlung.

Für Patientin Simone Klaßen ist das Leben wieder einfacher geworden: "Mein Handgelenk ist sieben Zentimeter schmaler, ich habe zehn Kilo Gewicht verloren und trage wieder eine Uhr und auch mal einen Ring", sagt sie glücklich. Neben ständigen Spannungsgefühlen und Schmerzen, mit denen die Betroffenen leben müssen, ist auch die Anfälligkeit für Infekte größer, wenn das Lymphsystem Probleme verursacht. Auch das kann mit den neuen Verfahren vermieden werden.

Quelle: RP
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