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Benrath
Kippel-Bühne: zum Jubiläum ist Schluss

Benrath: Kippel-Bühne: zum Jubiläum ist Schluss
Christian Reetz hat alle Utensilien der Kippel-Bühne im Keller untergebracht. Noch bis 2016 tritt er auf. FOTO: Olaf Staschik
Benrath. Seit 24 Jahren ist das Team der Kippel-Bühne mit den lustigen Puppen auf Tour. 2016 soll es die letzten Auftritte geben. Von Ina Armbruster

Eigentlich sollte der Auftritt mit den singenden Puppen beim Benrather Kinderfest im Jahr 1991 der erste und zugleich letzte sein. Dass daraus eine 25-jährige Erfolgsgeschichte werden würde, konnte damals niemals ahnen. Christian Reetz betreute zu dem Zeitpunkt eine Messdienergruppe der St.-Cäcilia-Gemeinde. "Die Mitglieder der Aktionsgemeinschaft Benrath haben uns gefragt, ob wir Lust hätten, uns am Fest zu beteiligen. Mein Vater war Lehrer und ich habe mich daran erinnert, dass er mit einer seiner Klassen Stockhandpuppen gebastelt hatte. Die Schüler haben mit den Puppen Playback gesungen", erzählt Reetz.

Also bastelte er mit den Messdienern neue Figuren, probte verschiedene Musikstücke ein. Die Zuschauer waren begeistert, und so stand für das Team schnell fest: Wir machen weiter. "Der Name Kippel-Bühne ist nach unserem ersten Auftritt entstanden, weil der Biertisch, den wir für unsere improvisierte Bühne nutzen wollten, so kippelte."

Die Anfragen häuften sich schnell. Straßenfeste, Schulfeste, Weihnachtsmärkte - mehr als 450 Aufführungen bei 200 Veranstaltungen hat die Kippel-Bühne inzwischen hinter sich. Allerdings längst mit einer gar nicht mehr kippeligen Profi-Bühne. Eine ganze Generation von Kindern im Düsseldorfer Süden ist mit den Auftritten der bunten Puppen aufgewachsen. Sie haben fasziniert vor der Bühne gesessen oder selbst mitgespielt. Doch bald ist damit Schluss. Christian Reetz und seine Mitstreiter haben sich entschieden, ihre Figuren Robby, Steffi und Co. in den Ruhestand gehen zu lassen. "Das Projekt funktioniert nur, weil ein wunderbares Team dahinter steckt. Viele sind seit Jahren dabei. Doch inzwischen sind wir alle im Berufsleben, haben zum Teil selbst Kinder. Das lässt sich immer schwieriger mit unserem Engagement vereinbaren", erklärt Reetz.

Im Mai kommenden Jahres, zum 25. Geburtstag, soll es die letzte Aufführung geben. Aus Reetz Leben wird das Projekt deswegen nicht verschwinden. Sein Keller ist voll von Utensilien - vom Bühnengestänge über Stoffe bis hin zu Sicherheitsnadeln. Und auch die Erinnerungen werden bleiben. Wie er früher - lange bevor es Internet gab - die Terminzettel mit den Infos zu den Aufführungen noch persönlich in die Briefkästen der Mitspieler stecken musste. Wie er Nachrichtensprecherin Dagmar Berghoff davon überzeugte, die Schlussworte für die Aufführungen zu sprechen. Wie sie auf Einladung sogar in einer Burgruine in Rheinland-Pfalz spielen durften. Allein die Technik habe sich in dieser Zeit enorm entwickelt. "Früher haben wir die Musikstücke hintereinander auf Kassette gehabt und konnten nichts mehr am Programm ändern. Heute schließen wir einen Laptop an und können ganz spontan entscheiden, worauf wir Lust haben", sagt Reetz.

Angefangen hat alles mit Robby, einer Puppe, die an Robert Biberti, den Basssänger der Comedian Harmonists, angelehnt ist. Einige Stücke des Vokalensembles hat die Kippel-Bühne bis heute im Programm, dazu kommen Kinderlieder, Schlager und aktuelle Popsongs.

Etwa 30 Kinder waren immer mit von der Partie, mit denen Reetz gebastelt und geprobt hat. "Die Kinder durften sich frei entfalten, jeder seine Puppe selbst entwerfen", sagt Reetz. "Die Kippel-Bühne wird mir sicher fehlen, aber man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am Schönsten ist."

Trotzdem findet er es schade, dass sich bisher keine Nachfolger gefunden haben, die das Projekt weiterführen wollen. "Wer weiß, vielleicht erinnert sich eines der Kinder in zehn Jahren wieder daran, wie schön es die Kippel-Bühne früher fand und erweckt sie wieder zum Leben - so wie ich mich an die Aktion der Klasse meines Vaters erinnert habe."

Quelle: RP
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