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Nach dem Skandalspiel zwischen SFD und SSV Erkrath
Lange Sperre für Spieler, der dem SSV-Kapitän den Kiefer brach

Nach dem Skandalspiel zwischen SFD und SSV Erkrath: Lange Sperre für Spieler, der dem SSV-Kapitän den Kiefer brach
Die Zuschauer heizten beim Spiel des SFD gegen den SSV Erkrath die Stimmung auf - verbale Attacken gingen dabei weit unter die Gürtellinie. FOTO: Olaf Staschik
Holthausen. Innerhalb einer Woche musste sich der SFD '75 am Dienstag bereits zum zweiten Mal vor dem Sportgericht verantworten. Diesmal ging es um die Frage, wer dem Kapitän von SSV Erkrath vor vier Wochen den Kiefer brach. Von Birgit Wanninger

Die Fußballmannschaft des SFD hüllte sich vier Wochen in Schweigen. Keiner wollte gesehen haben, wer den Kapitän des SSV Erkrath nach Spielende zusammenschlug. Doch es gab genug Zeugen: die Kicker des SSV Erkrath.

Am Dienstagabend war bei der Verhandlung vor dem Sportgericht der Täter schnell gefunden: Oguz E., der an diesem Tag die Nummer 10 beim SFD trug. Das sagten die Spieler aus, die das Gericht als Zeugen vernahm.

Das Gericht verhängte anschließend die Höchststrafe gegen E.: 18 Monate Sperre. Sein Kumpel Mourad R., der an der Aktion beteiligt war, wird bis Anfang Dezember gesperrt. Alles Weitere muss ein Strafgericht entscheiden.

Sie waren alle gekommen, die komplette Erkrather Mannschaft, mit Co-Trainer, insgesamt 17 Mann. Lediglich Kapitän Michael Ortmanns, der nach dem Angriff einen doppelten Kieferbruch erlitt und sieben Zähne verlor, fehlte. Anders auf Seiten des SFD: Nur Geschäftsführerin Andrea Haupt und Fußballobmann Lutz Grünewald waren ins Haus an der Ernst-Poensgen-Allee gekommen. Spieler und Trainer glänzten – wieder einmal – unentschuldigt durch Abwesenheit.

Die Kreisspruchkammer unter Vorsitz von Susanne Ossenbühl hatte zwar die kompletten Mannschaften geladen, doch es war nicht nötig, alle Anwesenden zu vernehmen, weil die Aussagen der ersten Zeugen eindeutig waren.

Die Stimmung sei von vorneherein aufgeheizt gewesen. Erst recht nach einem Foul in der 65. Minute, bei dem ein Erkrather zu Fall kam: Domenek R., ein schmächtiger, aber schneller junger Mann. Und genau den hatten sich einige SFD'ler ausgesucht und auf ihn am Tor vor dem Parkplatz gewartet.

Rädelsführer seien die Nummer 10 und 11 gewesen, erklärten alle und identifizierten die Täter anhand der Fotos auf den Spielerpässen, die die SFD-Geschäftsführung mitgebracht hatte.

Zu viert wollten die Erkrather zum Auto gehen, dicht zusammen, um R. zu schützen. "Auf den hatten sie es abgesehen", bestätigten die ersten drei Zeugen. Dann sei es in dem kleinen Tunnel, der zu den Parkplätzen führt, zu Pöbeleien gekommen, dabei hätten die Anwesenden einen Halbkreis gebildet.

Karim M., der zu den vier Erkrathern gehörte, hatte den Eindruck: "Die wollten Domenek schlagen." Er habe sie gebeten sich zurückzuhalten. "Das war ein Tag vor dem Opferfest. Einer unserer höchsten Feiertage. Schlagen und Pöbeln ist für uns Muslime eine Sünde. Ich fand das nicht gut", sagt der Marokkaner. Was auf dem Platz passiert, sei eine Sache, aber danach müsse doch alles wieder okay sein, fügte er hinzu.

Doch dem war nicht so. Kapitän Ortmanns habe sehr laut klar gemacht, sie sollten aufhören. "Ich stand hinter Ortmanns und sah plötzlich von der Seite eine Faust." Das bestätigt ein weiterer Spieler. "Die haben provoziert. Vor allem die Nummer 10, die von hinten zuschlagen hat", sagt dieser.

Irgendjemand habe dann die Polizei angerufen, und die beiden Schläger seien ins Auto gestiegen, in ein BWM-Cabrio. Daran konnten sich alle erinnern. Sie seien verschwunden gewesen, noch ehe die Polizei eintraf. "Die sind an denen vorbeigerast", sagen die Zeugen.

Die beiden Vertreter des SFD sind froh, dass die Täter gefunden sind. Pikanterweise handelt es sich bei den beiden um Spieler, die zum ersten Mal beim SFD eingesetzt wurden. "Sie waren uns nicht bekannt. Auch nicht dem Trainerteam, bis auf ein Probetraining", sagt Andrea Haupt. Lutz Grünewald hofft nun, dass die Betroffenen auch strafrechtlich verurteilt werden.

Früher seien die Mannschaften nach dem Spiel noch gemeinsam ein Bier trinken gegangen, sagt er. Heute sei das wohl nicht mehr möglich. Dem pflichtete der Erkrather Co-Trainer Hajo Fritsch bei. Er sei seit mehr als 30 Jahren im Fußballgeschäft, und "das, was beim SFD passiert ist, möchte ich in meinen Leben nie mehr erleben."

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