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Benrath
Literatur-Salon "Unperfekt" im Haus Spilles

Benrath: Literatur-Salon "Unperfekt" im Haus Spilles
Amos Plaut (v.l.), Traudi Odemar, Sigrid Abendroth und Klemens Flock lasen im Literatur-Salon vor. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Benrath. Vier Leseratten hatten für die rund 40 Gäste Passagen aus besonderen Büchern vorbereitet - von Anton Tschechow bis Ulla Hahn. Von Beate Gostincar-Walther

Die Kulisse für den "Salon für Kultur" bot am Sonntagnachmittag das Jugendzentrum Haus Spilles. Das ist an sich nicht ungewöhnlich. Allerdings traf sich dieses Mal - zum Literatur-Salon Unperfekt - die ältere Generation. Eingeladen hatten der Verein "Gemeinsam leben am Schloss Benrath" und der Initiativkreis "Jugend in Benrath".

Der Einladung waren rund 40 Lese-Ratten gefolgt: begeisterte Leser, Zuhörer und als Autor Amos Plaut. "Wir wollen mit unserem Kulturangebot in die Nachbarschaft hineinwirken", erklärt Winfried Schmitz, der für das Wohnprojekt an der Hospitalstraße den Impuls für den inzwischen vierten Literatur-Salon Unperfekt gab.

Mit Lust an den Geschichten und am Vortragen präsentierten die Vorleser nachdenkliche Literatur gespickt mit Heiterkeit und Ironie. Traudi Odemar las eine Erzählung von Anton Tschechow über einen wahrlich wunderlichen Journalisten. In dessen heimischer Schreibstube heißt es allzu oft "tsss" - ruhig. Um eine andere Form der Stille rankte sich eine Kurzgeschichte von Ulla Hahn, die Klemens Flock aussuchte. Der Protagonist Wilhelm geht nicht weniger als ein Liebesverhältnis mit seiner Stille ein, bis ihn im späteren Leben die Musik sozusagen dazwischenfunkt. Amos Plaut gab aus seinem autobiografischen Buch "Die erste Rasur" eine Episode seiner Kindheit zum Besten. Und Sigrid Abendroth las aus dem "Atlas eines ängstlichen Mannes", den in China eine denkwürdige Begegnung in den Bann schlägt.

Volker Hodapp besucht grundsätzlich gerne Lesungen und ist ein ausgewiesener "Bücherwurm". "Ich habe ein breites Interesse. Die Geschichte mit der Stille, darüber muss ich noch einmal nachdenken", meinte er sinnierend. Jutta Kraft kam mit zwei Begleiterinnen aus Friedrichstadt. Wegen ihrer starken Sehbehinderung sattelte sie irgendwann auf Hörbücher um, die sie faszinierend findet. "Eigentlich bin ich Krimi-Fan", gestand sie lachend: "Aber die Geschichte mit der Stille in Verbindung mit Musik, die fand ich spannend, weil ich sie gut nachvollziehen kann."

Initiator Winfried Schmitz war mit der Resonanz zufrieden. "Die Hälfte der Gäste kam aus unserem Verein, die andere Hälfte kam neu hinzu. Beim ersten Mal waren wir nur 20 Teilnehmer, aber inzwischen kommen jedes Mal mehr Leute", freute er sich. "Unperfekt" heißt der Literatur-Salon übrigens deshalb, weil Form, Inhalt und Ambiente nicht durchgestylt seien, das gebe der Veranstaltung ihren besonderen Charme.

Quelle: RP
 
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