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Benrath
Musikalische Hetzjagd durchs Benrather Schloss

Benrath. In die Zeit von Ludwig XIV. und Ludwig XV. fühlten die Hörer sich versetzt, die zur Eröffnung des neuen Wandelkonzert-Reigens gekommen waren. Passend zum Herbstbeginn lud die Neue Düsseldorfer Hofmusik zu Jagdszenen ins Benather Schloss. Von Horst Schaumann

Winfried Fechner vermochte wieder einmal das Publikum mit seinen Erzählungen aus alten Zeiten zu fesseln, speziell aus dem Leben der Könige und ihrer Entourage in Versailles, dem Jagdschloss par excellence. Dabei ließ er auch die negativen Aspekte nicht aus, vor allem die fehlenden Toiletten. Schmunzelnd erfuhr die Hörerschaft von den Hinterlassenschaften des Hochadels in den Ecken der Prunksäle und -zimmer. Ein Heer von Bediensteten war nur dafür da, sie zu beseitigen. Parfums wurden nicht zuletzt deshalb erfunden, um die sonstigen Düfte nicht wahrnehmen zu müssen.

Ein Grund mehr, sich in den umgebenden Wäldern einer besonderen Lust hinzugeben: der Hetz- oder Parforcejagd auf großes und kleines Wild. So war einst auch der Park von Schloss Benrath ein Wildgehege zur Jagdfreude seiner Besitzer.

Um andere Jagdteilnehmer nicht zu gefährden, nutzte man seit alten Zeiten Hornsignale. Doch vom Kuh- bis zum Parforcehorn, das die Reiter über Kopf und Schulter hängen konnten, war ein langer Weg. Den schilderten die drei Hornsolisten der Hofmusik trefflich mit viel Musik. Joaquin Palet, Stefan Oetter und Oliver Kersken begannen im Vestibül mit einem 'Souvenir du Chateau' von Sombrun und spielten als Türöffner zum Kuppelsaal 'Air' von Meister Händel, die er nicht für die Jagd, sondern für die Kammer komponiert hat. Entsprechend einfühlsam gingen die Künstler zu Werke.

Den Prunksaal bis hoch zum Bildnis der Jagdgöttin Diana in der Kuppel füllten Hörnerklänge von Marc Antoine Marquis de Dampière, einem Meister am französischen Hof. Einen reichen Fundus an Signalen oder Fanfaren schuf man für die Naturhörner. Und die Solisten des Abends ließen sie mit Bravour erklingen. Auf ihren, den Originalen aus Frankreich im vergangenen Jahrhundert nachgebauten Instrumenten, bliesen sie zum Aufbruch - zur Hundefütterung, zu Ehren des Königs und des Hl. Hubertus. Einen ganzen Jagdtag erlebte das Publikum mit Begeisterung, dieweil Stefan Oetter im Gartensaal der Kurfürstin, Oliver Kersken in dem des Kurfürsten und Joaquin Palet im Kuppelsaal blies und alle drei mit dem Nachhall spielten. Großer Beifall war der Dank des Publikums für einen gelungenen Herbstabend.

Quelle: RP
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