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Benrath
Nähen mit Flüchtlingen

Benrath. Mit viel Engagement hat Christine Lott-Hauptstock einen Kursus aufgebaut. Vor allem Männer kommen ins Haus Spilles. Von Beate Gostincar-Walther

Christiane Lott-Hauptstock sprüht vor Energie. Es ist gut nachvollziehbar, dass Hindernisse sie nicht zurückhalten, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Im Frühjahr vergangenen Jahres bewegte die Inhaberin des Benrather Geschäftes "Stoff & Schnitt", die Situation der Flüchtlinge. Dass sie nicht arbeiten dürfen, solange der Asylantrag läuft, das findet die Modegestalterin frustrierend. Also rührte sie die Werbetrommel, um Nähkurse für Flüchtling der Unterkunft Benrath anzubieten. Doch der Start war alles andere als einfach.

"Mit dem ursprünglich geplanten Raum in der Dankeskirche hat es nicht geklappt, das war enttäuschend", berichtet sie. Aber dann sei sie bei einem Treffen von Ehrenamtlichen Verantwortlichen von Haus Spilles begegnet, und die halfen ihr spontan und unkompliziert. "Wir haben seit Mai 2015 einen Raum in Haus Spilles, und wir haben einen eigenen Schlüssel und einen eigenen Schrank", schwärmt sie. So müsse nicht jedes Mal alles abtransportiert werden. Von den ersten zehn gespendeten Nähmaschinen seien nur drei funktionstüchtig gewesen. "Wir haben selbst repariert und schließlich waren es sechs intakte Maschinen ", sagt sie. Ihr Bettelbrief an Lieferanten und Kunden habe viele gute Dinge eingebracht: Knöpfe, Stoffe, Garne - und auch Geldspenden.

Der erste Nähkursus hatte für sie allerdings einen Aha-Effekt: Statt der anvisierten Zielgruppe von Mädchen und Frauen kamen zur Premiere im Juni ausschließlich Männer.

In manchen Ländern sei die Schneiderei keine Frauendomäne. "Ali, ein Afrikaner, dachte, er muss alles, was er näht, bei uns lassen", erinnert sie sich. Dass er die genähten Sachen behalten konnte, habe ihn riesig gefreut. Solche Momente seien bewegend.

Nach erfolgreichem Start, kam erst einmal ein Tief: Im September war nur eine Nähmaschine besetzt. "Wir haben so gelernt, dass wir viel Werbung machen müssen, weil die Fluktuation in der Unterkunft groß ist", erklärt die Geschäftsfrau. Inzwischen klappe das dank engagierter Helfer ausgezeichnet. Statt der einst geplanten sechs Kurse jährlich, findet einmal monatlich ein Nähkursus statt. Beim Anleiten kann sich Christiane Lott-Hauptstock inzwischen auf zuverlässige Helfer verlassen, die selbst einmal Nähkurse bei ihr besucht haben. Kissen, Loops, Kinderhosen stehen auf dem Näh-Programm, Schürzen auf besonderen Wunsch.

"Es macht uns allen Spaß, wir reden mit Händen und Füßen, suchen englische Begriffe, versuchen es auf Deutsch", sagt sie lachend. Deutsch, weil die Flüchtlinge unbedingt lernen wollen. "Sie fragen nach Begriffen, schreiben sich alles auf", sagt die Modegestalterin.

Nähmaschinen werden übrigens nach wie vor dankbar angenommen, am besten funktionierende. "Wir wollen sie verschenken, wenn wir merken, dass jemand gut nähen kann", erklärt Lott-Hauptstock. Ihr Engagement fasst sie bescheiden zusammen: "Es tut mir einfach gut." - Nicht zu vergessen: "Haus Spilles" für die Unterstützung, das sei ihr wichtig.

Quelle: RP
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