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Benrath
Per Netz-Spende Kontakt zur Heimat halten

Benrath. Sie brauchen etwas zu essen, sie brauchen ein Dach über dem Kopf und sie brauchen einen Internetanschluss. Silas Gulart hat schnell gemerkt, dass das Internet für die Flüchtlinge ein Teil der Grundversorgung ist. "Viele haben gar nichts mehr, aber fast alle haben ein Smartphone, mit dem sie Kontakt zur Familie und Freunden in den Heimatländern halten können", sagt er. "Etwa 20 Euro im Monat geben sie meist für das Datenvolumen aus. Eigentlich kaum bezahlbar für sie." Von Ina Armbruster

Gulart arbeitet direkt neben der Flüchtlingsunterkunft an der Benrodestraße und ist - als Geschäftsführer eines Vertriebs für Handy-Zubehör - vom Fach. Dass er sich für seine neuen Nachbarn engagiert, ist für ihn selbstverständlich: "Als durch den Krieg im ehemaligen Jugoslawien viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, haben meine Eltern die Menschen auch schon unterstützt. Flüchtlingshilfe war in unserer Familie immer ein Thema."

Die Stadt will zwar in den kommenden Wochen ein Konzept für die Versorgung der Flüchtlingsheime mit Internet erstellen, aber bis es tatsächlich so weit ist, wollte Gulart nicht warten. Er holte kurzerhand die Düsseldorfer "Freifunker" mit ins Boot, die sich ohnehin ehrenamtlich für freien Netzzugang in der Stadt engagieren. "Die Zusammenarbeit hat schnell und unkompliziert funktioniert", freut sich Gulart.

Das Prinzip: Jeder Nachbar, der von seiner Wohnung aus Sichtkontakt zu einer Flüchtlingsunterkunft hat, kann einen Teil seines Breitbandes zur Verfügung stellen, quasi spenden. Per Richtfunk und Routern wird das Signal an die Bewohner weitergeleitet. Die Benrodestraße war eine Art Pilotprojekt, inzwischen sind bereits weitere Unterkünfte auf diese Weise versorgt. Die Router konnten durch Spenden finanziert werden. Die Methode ist allerdings nur als Übergangslösung gedacht, denn sie hat noch ihre Tücken: "Die Container sind mit normalen Hauswänden nicht vergleichbar. Blech schirmt ab, deswegen ist es wesentlich komplizierter, alle Räume auszuleuchten, wie es in der Fachsprache heißt", erklärt Michael Theine-Dimt von den Freifunkern. Wie das am besten funktioniert, das testen jetzt auch die Flüchtlinge selbst. Gulart hat in jeder Unterkunft ein Serviceteam ausgebildet. Auch in Benrath hat er drei Bewohner mit der Technik vertraut gemacht: "Wir dokumentieren zum Beispiel, wo welcher Router steht und überlegen, welche Standorte das Signal am besten weiterleiten. Außerdem haben wir einen Laptop bekommen, damit wir kleine Störungen selbst beheben können", erklärt Kingsley Onomah aus Ghana. Das Team hat Gulart bewusst international zusammengestellt. "In Benrath sind die etwa 200 Bewohner getrennt nach ihren Herkunftsregionen untergebracht und haben meist nichts mit den anderen zu tun. Das wollte ich ändern", sagt Gulart. Nun setzen sich ein Christ aus Ghana, ein koptischer Christ aus Ägypten und ein Muslim aus Syrien gemeinsam für eine funktionierende Internetverbindung für alle ein. Wann die Breitbandversorgung kommen wird, ist unklar. Die Freifunker haben der Stadt jedenfalls angeboten, sich um die Installation zu kümmern. Aber noch kommt das Signal für die Unterkunft aus Gularts Büro im Nachbarhaus.

Quelle: RP
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