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Benrath
Schließungsdebatte hat Kräfte freigesetzt

Benrath. Die Benrather Hauptschule will zum neuen Schuljahr zweizügig starten. Im vorigen Jahr war noch über eine Umwandlung in eine Gesamtschule diskutiert worden. An einem Aktionstag wurden Teile der Schule renoviert. Von Andrea Röhrig

Wenn Hans-Joachim Gürke über die vergangenen Monate redet, dann schwingt in seiner Stimme viel Stolz mit. Der Stolz darüber, was Schüler, Eltern und das Kollegium gemeinsam geschafft haben. Nichts weniger, als dass sie verhindern konnten, dass die Hauptschule Benrath bereits zu den Sommerferien für immer dicht gemacht wird, um aus dem Schulstandort eine Gesamtschule zu machen.

Natürlich weiß der Schulleiter auch, dass es eine glückliche Fügung war, dass die Garather Fritz-Henkel-Schule diesen Schritt freiwillig machen wollte. An der Stettiner Straße werden nach den Sommerferien keine Hauptschüler mehr aufgenommen; das neue Schuljahr wird schon als Gesamtschule gestartet, während die Hauptschule ausläuft.

Doch ungeachtet dessen ist sich Gürke sicher, dass das Engagement aller Beteiligten für die Weiterführung der Hauptschule Melanchtonstraße einen großen Teil dazu beigetragen hat, dass die Schließungspläne jetzt erstmal vom Tisch sind. Die Äußerung des Schulausschussvorsitzenden Wolfgang Scheffler (Grüne) in einem Interview mit der Rheinischen Post im September 2015, die Schule müsse, wenn sie denn erhalten bleibe, ein bisschen aufpeppen werden, hat Gürke zum Anlass genommen, in den Dialog mit dem Schulverwaltungsamt zu treten. Der Haupttrakt der Schule ist wegen Baufälligkeit schon seit längerem gesperrt.

Drei Gesprächstermine habe es bereits gegeben, berichtet der Schulleiter im Gespräch mit unserer Redaktion: "Wir würden uns wünschen, dass wir auf den zweistöckigen Container eine dritte Reihe gestellt bekommen." Doch der Container-Markt sei leer gefegt, lautete die Antwort der Verwaltung. Die kann Gürke sogar nachvollziehen, bringen doch viele Gemeinden Flüchtlinge in Container-Wohnanlagen unter.

Auch der Hinweis, ob man nicht einen Teil des abgesperrten Gebäudes abreißen könnte, um Fläche für etwas Neues zu schaffen, wird die Stadtverwaltung nicht umsetzen können. Gürke "Es heißt, dass sich die Gebäude untereinander stützten, und man wenn dann alles abreißen müsste."

Das alles zusammen hört sich alles andere als nach Schließung an, sondern nach Expansion: "Wir starten Stand jetzt der Anmeldungen mindestens mit einer Klasse ins neue Schuljahr." Doch da in den kommenden Wochen noch Mädchen und Jungen hinzukommen, die an anderen Schulen nicht untergekommen sind, ist der 61-Jährige zuversichtlich, dass die Benrather Hauptschule mit zwei Eingangsklassen starten wird. Am Montag und Dienstag konnten Eltern ein weiteres Mal ihre Kinder anmelden.

Gäbe es mehr Platz, würde die Schule sogar eine vierte Seiteneinsteigerklasse bilden können. Die dritte wurde Anfang des neuen Schuljahres neu aufgemacht. Dort lernen altersübergreifend jeweils 20 Schüler - viele von ihnen Flüchtlinge - erst einmal so gut Deutsch, dass sie anschließend in einer Regelklasse mithalten können.

Erstmals wurde an der Hauptschule sogar eine Seiteneinsteigerklasse gebildet, in der Kinder und Jugendlichen lesen und schreiben lernen - eine Analphabetenklasse. "Wir haben hier eine sehr engagierte und dafür ausgebildete Kollegin, die die Klasse freiwillig übernommen hat", berichtet Gürke. Schon daran wird für ihn deutlich, warum die Hauptschule sehr wohl eine Zukunft hat - auch wenn Eltern die Schulform nicht als erste Wahl für ihre Kinder sehen.

"Wir haben ein gutes Schulsystem mit einer guten Durchlässigkeit der Schulformen", berichtet Gürke. Wenn die Lehrer seiner Schule überzeugt sind, dass es ein Kind auch an der Realschule schafft, dann wird mit dieser eine Probezeit vereinbart, nach der dann in Ruhe entschieden wird, welche Schule die richtige ist. "Wir halten unsere Kinder nicht an unserer Schule fest. Wir freuen uns über jeden, der einen höheren Schulabschluss schafft." Aber auch um die, die bleiben, wird sich intensiv gekümmert, Ziel ist, dass kein Kind ohne Perspektive aus der Schule entlassen wird. "KAOA" heißt das Landes-Projekt: "Kein Abschluss ohne Anschluss." Dafür hat die Hauptschule Melanchtonstraße Kooperationen etwa mit Komatsu und Terex in Benrath. Beide Firmen seien auch nicht abgesprungen, als es auf einmal hieß, die Schule mache zum Sommer dicht, sagt Gürke.

Weitere Kooperationspartner möchte man gewinnen, auch weil die Schule an dem neuen Profil "Gesunde Schule" arbeitet. Das Damoklesschwert der möglichen Schließung hat viel positive Energie freigesetzt. In einem Aktionstag Ende Januar haben Schüler, Eltern und Lehrer die Container renoviert. Am Eingang empfangen bepflanzte Blumenkübel die Besucher; zwei neue Wandbilder entstehen im Treppenhaus.

Und mit einer schönen Aktion wurde Danke gesagt: Eine Lehrerin ist mit einer Gruppe Schülern ins Dorf gegangen und hat in der Fußgängerzone und in den Geschäften süße Neujahrsgrüße verteilt. Auf dem laminierten Zettel heißt es: "Danke für die Unterstützung unserer Schule." und "Wir brauchen Sie weiter". Wenn Hans-Joachim Gürke von etwas überzeugt ist, dann davon: "Wir müssen weiter Präsenz zeigen. Wir wollen uns nicht mit dem zufrieden geben, was wir bisher erreicht haben. Ich bin davon überzeugt, dass wir eine Zukunft aus eigener Kraft haben."

Quelle: RP
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