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Benrath
Schlossinsel: Fronten bleiben verhärtet

Benrath. Gartenamt und Schloss-Stiftung informierten in einer Bürgerversammlung über die Pflanz-Pläne. Von Maximilian Krone

Die Sorge, dass die Informationsveranstaltung zur Wiederherstellung des Schlossparkes, samt Insel, zu einer hitzigen Auseinandersetzung mutieren würde, war dem Anschein nach groß. Nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach bat die Leiterin des Gartenamtes, Doris Törkel, im Vorfeld um eine sachlich geführte Debatte. Sie selbst ging mit gutem Beispiel voran.

In ihrem gut 20-minütigen Einstiegsvortrag nahm sie sich ausreichend Zeit, den Benrathern die Ausgangslage, die verwaltungsinternen Abläufe und die Denkmalschutz-Auflagen darzustellen und zu erklären. Am Ergebnis ändert dies natürlich nichts: Die Insel soll Pappel und Weide bekommen.

"Die Kriterien, die bei der Bepflanzung der Insel zugrunde gelegt werden, sind vielfältig", sagt sie. Es bedürfte dabei mehr als ein "Das finde ich schön oder nicht schön" oder "Daran kann ich mich erinnern oder nicht erinnern", sagt Doris Törkel.

Was sie mit vielfältigen Kriterien meinte, erfuhren die mehr als zwei Dutzend Zuhörer dann von Eike Ehrig. Der Bielefelder Landschaftsarchitekt erstellte im Auftrag der Verwaltung das Gutachten unter anderem zur Neubepflanzung der Insel. Zentraler Punkt seiner Präsentation war dabei seine Deutung, die Insel im Benrather Schlossweiher sei eine Rousseau-Insel und somit mit einer Pappel zu versehen.

Danach sollten die Bürger Fragen stellen können. Der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung Schloss und Park Benrath, Stefan Schweizer, der die Veranstaltung moderierte, ließ es sich aber erstmal nicht nehmen, einen eigenen Vortrag anzuhängen. So referierte er über die Geschichte des Schlosses, des Gartens und die vergleichbarer Schlösser in Deutschland. Erst danach waren die Bürger an der Reihe. Viele Fragen drehten sich im Kern um die gleichen Dinge.

Warum ist die Weide als Solitär nicht genehmigungsfähig?

"Wir müssen bei der Einreichung der Unterlagen darauf achten, dass die Planungen mit dem Denkmalschutz vereinbar sind. Bei nur einem Baum ist dies nicht der Fall", erklärt Doris Törkel.

Wieso werden die Benrather bei der Entscheidung übergangen?

"Wir müssen uns an die Richtlinien der Denkmalschutzbehörde halten. Diese Richtlinien lassen sich nicht immer mit dem Bürgerwillen vereinbaren", sagt Doris Törkel. "Denkmalpflege ist keine demokratische Angelegenheit", sagt Stefan Schweizer.

Die Insel wurde noch nie als Rousseau-Insel tituliert. Wieso jetzt?

"Wir haben in den Archiven alle verfügbaren Aufzeichnungen zur Insel gesichtet und zusammengefügt und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Planer die Pappel als Anlehnung an das Grab Rousseaus pflanzten", sagt Gutachter Eike Ehrig.

In Gänze angezweifelt wurde das Gutachten von einer Bürgerin. Es enthalte Lücken und könne nicht ohne Zweifel belegen, aus welchem Beweggrund die Pappel gepflanzt wurde. Eike Ehrig führt etwaige Lücken darauf zurück, dass der Bestand der Insel nicht durchgängig dokumentiert sei. Bei der Veranstaltung waren aber auch Stimmen zu hören, die eine Zwei-Baum-Lösung befürworten. "Seien Sie geschichtsbewusst. Das Benrather Schloss ist von überregionaler Bedeutung", sagte ein ehrenamtlicher Denkmalpfleger.

"Wir Benrather sollten uns nicht klein machen. Wir haben mit der Insel ein Unikat. Das ist Kunst und muss entsprechend der Historie wiederhergestellt werden", sagte ein weiterer Bürger. Zum Abschluss versuchte Stefan Schweizer den Anwesenden noch mal ins Gewissen zu reden. "Wir haben eine große Verantwortung. Auf Düsseldorf wird besonders geblickt, schließlich haben wir hier einen der wenigen Lehrstühle für Gartenkunstgeschichte, deren Inhaber ich lange Jahre war. Wir dürfen uns nicht blamieren", sagt Schweizer.

Der vorgelegte Aufforstungs-Plan soll am Montag, 28. September im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen abgestimmt werden.

Quelle: RP
 
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