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Benrath
Umjubeltes Passionskonzert in St. Cäcilia

Benrath. Horst Schaumann begeisterte mit seinem Madrigalchor, dem Konzertchor der Monheimer Chorsaison, Organist Ulrich Karg und den drei Solisten mit Dubois' Oratorium "Les Sept Paroles du Christ". Von Monika Klein

Nach dem letzten Akkord hielt Horst Schaumann die Arme noch möglichst lange oben, um die dichte Atmosphäre dieses Passionskonzertes zu bewahren. Die Zuhörer in der vollen Kirche St. Cäcilia waren am Sonntag so ergriffen, dass sie weitere Sekunden verstreichen ließen, bevor sich die Anspannung in kräftigem Applaus entlud.

Ein höchst verdienter Beifall für eine in sich geschlossene Aufführung, in der alle Beteiligten dasselbe musikalische Ziel verfolgten, nämlich das Publikum hineinzuziehen in die Szene der Kreuzigung Jesu, es unmittelbar anzurühren und mitfühlen zu lassen. Denn so hat Théodore Dubois sein kleines Oratorium "Les Sept Paroles du Christ" angelegt, das hier in der späteren Fassung für Soli, Chor, Schlagwerk und Orgel zu hören war. Horst Schaumann hat seinen Madrigalchor Benrath, verstärkt durch den Konzertchor der Monheimer Chorsaison, auf das Schaffen von Stimmungen vorbereitet. Einige Male schlüpften die Sänger in die Rolle des aufgehetzten Mobs, der lautstark anklagt "Reus est mortis" - "Er ist des Todes schuldig" und "crucifige eum" - "Kreuzige ihn" verlangt. Wie ein Hexentribunal schaukelte sich diese dramatische Stelle auf, verstärkt durch den Orgelklang und Paukenwirbel. Schneidende Rufe des Pöbels störten die anmutig weich gesungene Mahnung des Solotenors "Sein Blut komme über uns".

Solche Abschnitte erinnern an den Aufbau der großen Passionen Bachs, von denen sich die Klangsprache Dubois' aber deutlich unterscheidet. Der Nachfolger César Francks an Ste Clothilde in Paris fügte keine betrachtenden Choräle ein und gab dem Chor vor allem den Auftrag, Mitgefühl zu wecken. Die Musik ist Ausdruck einer volkstümlichen Frömmigkeit im positiven Sinne, aufrichtig und tief empfunden. Sie teilt sich nicht in erster Linie über den Verstand mit, sondern lässt den Zuhörer mit dem Gekreuzigten leiden und den Schmerz seiner Mutter empfinden.

Wer die Aufführung erlebte, versteht die Erfolgsgeschichte dieses Chorwerks, das von der Uraufführung 1867 über fast 100 Jahre lang regelmäßig in der Passionszeit aufgeführt wurde. Ähnlich wie John Stainers Oratorium "The Cucifixion" in England, woraus der Chor den Satz "Also hat Gott die Welt geliebt" a cappella als Zugabe aufblühen ließ. Ausgesprochen glücklich war die Auswahl des Solistentrios, das abwechselnd die letzten Worte Jesu vortrug und dazwischen das Geschehen unter dem Kreuz kommentierte. Anmutig, schlank und weich, aber dennoch mit der erforderlichen Klangfülle entwickelte Ruth Schaumann ihre Partie mit großen dynamischen Abstufungen und zutiefst anrührend.

Tenor Wulam You verbindet zwei Eigenschaften: Seine Stimme hat jenen Schmelz, der ein Opernhaus erweichen kann, und vermag an gegebener Stelle in schlichte Zärtlichkeit umzuschlagen. Angenehm auch der Bariton von Matthias Standfest (zugleich Gründer des beteiligten Monheimer Chores), dessen Solo etwa am zentralen Punkt "Mein Gott, warum hast du mich verlassen" eine Mischung von sanfter Ergebenheit und Einsamkeit vermittelte. Hausorganist Ulrich Karg meisterte versiert den Orgelpart unter erschwerten Bedingungen. Wegen Klangverzögerung durch weite Entfernung zu den Mitwirkenden im Chorraum durfte er sich nicht auf seine Ohren verlassen, sondern nur auf die extra großen Bewegungen Schaumanns, per Kamera übermittelt. Wesentlich zur Atmosphäre beigetragen hatte auch Schlagzeuger Tobias Liebezeit.

Quelle: RP
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