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Benrath
Vom Lehrer zum Galeristen

Benrath: Vom Lehrer zum Galeristen
Wolfgang Treffeisen mit seiner analogen Kamera, die er immer noch gerne nutzt. In seiner Galerie verkauft er auch Massivholzrahmen aus besonderen Hölzern. FOTO: Anne Orthen
Benrath. Wolfgang Treffeisen lehrte bis vor fünf Jahren am Gymnasium Koblenzer Straße Physik und Informatik. Nach seiner Pensionierung eröffnete er an der Weststraße die Galerie "Schwarzweiß". Von Bernd Schuknecht

Anders als manche Kollegen in heutiger Zeit hat Wolfgang Treffeisen nicht eine Sekunde bereut, Lehrer geworden zu sein. Der studierte Diplom-Physiker, der ab 1977 zunächst am Annette-von- Droste-Hülshoff-Gymnasium und später am Gymnasium an der Koblenzer Straße Physik und Informatik unterrichtet hat, hat sich neben den Naturwissenschaften schon immer für Künstlerisches, insbesondere die Fotografie, interessiert. Als er vor fünf Jahren pensioniert wurde, sah er die Zeit gekommen, sich neu zu orientieren.

Eher durch Zufall entdeckte er an der Weststraße ein Ladenlokal, das er als Galerie für eigene Fotos sowie Ausstellungen anderer Fotografen nutzen wollte. Vier Foto-Ausstellungen, aktuell sind es Polaroids von Tanja Deuß, waren bislang in der Galerie zu sehen. Mit der Zeit kamen weitere Service-Segmente wie der FineArt-Ausdruck angelieferter analoger wie digitaler Fotos sowie eine Rahmen-Manufaktur mit außergewöhnlichen Hölzern hinzu.

Die Fotografie hatte Treffeisen bereits als Jugendlicher in Freiburg entdeckt. Schon damals richtete er sich ein kleines Fotolabor ein, um seine Schwarz-Weiß-Bilder selbst entwickeln zu können. "Trotz meines naturwissenschaftlichen Studiums interessierte ich mich stets auch für Malerei und Bildhauerei, insbesondere für die Formensprache von Henry Moore", erklärte der Lehrer aus Leidenschaft, der als Fotograf am liebsten mit dem Weitwinkelobjektiv arbeitet und die Totalen von Landschaften und Architektur ablichtet. "Dabei muss beispielsweise der Rheinturm gerade stehen; vermutlich ist das meiner Vorliebe für Mathematik und Geometrie geschuldet. Aber ich mag es nicht, wenn alles nach Lust und Laune kippt", erklärt Treffeisen.

Die Wirkung von Fotos wird nicht zuletzt durch den Rahmen beeinflusst, und hier bietet die Galerie Schwarzweiß jenseits industriell vorgefertigter Leisten ästhetische Alternativen: Massivholz-Bilderrahmen aus Hölzern wie Trüffelbuche, Erle, Esche, Apfel- und Kirschbaum sowie Zwetschge. Alle gefertigten Leisten kommen von Bäumen aus der Kulturlandschaft der Ortenau. "Ich habe die Affinität zu Holz von meinem Vater, der Möbelschreiner war, geerbt", sagte Treffeisen, der in seiner alten Schwarzwald-Heimat einen Holzhändler fand, der ihn mit den passenden Leisten beliefert. Der Zuschnitt erfolgt im Keller mit einer Gehrungsstanze, einer Art Guillotine, mit der Gehrungsschnitte ausgeführt werden können. "Ein Sägevorgang würde die Ränder zu sehr ausfransen lassen", weiß Treffeisen, der der festen Ansicht ist, dass Benrath eine Fachwerkstatt für Bilderrahmen, in dem auch Passepartouts gefertigt werden, braucht. Die positive Resonanz allein aus der unmittelbaren Nachbarschaft gibt ihm Recht.

Quelle: RP
 
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