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Benrath
Was den Benrathern unter den Nägeln brennt

Benrath: Was den Benrathern unter den Nägeln brennt
Oberbürgermeister Geisel nahm vor rund 120 Zuhörern - darunter auch vielen Parteigenossen - Stellung zu vielen Benrather Themen. FOTO: Stadt
Benrath. Anderthalb Stunden löcherten Benrather Bürger den Oberbürgermeister beim OB-Dialog in der Aula des Schloß-Gynasiums. Von Andrea Röhrig

Auf dem Weg ins Benrather Schloß-Gymnasium traf der kleine Tross, der Oberbürgermeister Thomas Geisel am Dienstagabend bei seinem Rundgang durchs Dorf vor dem Start des OB-Bürger-Dialogs begleitete, auf eine radfahrende Benratherin, die genau wie er auf dem Weg zur Aula war. Sie finde es gut, dass er sich nicht mit seinem Dienstwagen habe bringen lassen, sagt sie im kurzen Gespräch mit dem OB.

Den Benrather Schiffsanleger am Schlossufer hätten viele Benrather gerne wieder. Schon 2008 hieß es, dass die "Weisse Flotte" wieder nach Benrath fahren wolle. FOTO: gött

Wie schon in Eller beim ersten Bürger-Dialog reiste der SPD-Mann mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Und bekam dabei gleich ein Problem hautnah mit. Denn die von ihm gewählte Straßenbahn 701 endete in Holthausen, erst der Umstieg in die U74 brachte Geisel nach Benrath: "Wir mussten nicht lange warten, bis die U74 kam", berichtete der OB vor rund 120 interessierten Zuhörern.

Einer quittierte die Aussage mit einem lapidaren: "Da hatten Sie aber Glück. Meistens steht man am Kamper Acker nämlich länger."

Die Subkultur hat sich im Reisholzer Hafen breit gemacht: inzwischen heißt er auch Art-Port. FOTO: Bretz

Doch dieses umständliche Prozedere gehört bald der Vergangenheit an. Bei diesem Punkt musste allerdings der für die Grünen in der Bezirksvertretung sitzende Ernst Welski dem OB ein bisschen auf die Sprünge helfen. Wenn nämlich im nächsten Jahr die Wehrhahn-Linie an den Start geht, dann wird aus der 701 die U71, und die soll im Wechsel mit der U83 im Zehn-Minuten-Takt zwischen der City und Benrath fahren. Die U74 soll nur noch zwischen Holthausen und Meerbusch pendeln. Bei anderen Themen zeigte Geisel mehr Hintergrundwissen. Anderthalb Stunden lang löcherten ihn die Benrather mit Fragen. Unter anderem diese Themen kamen zur Sprache:

Sparkasse Ende kommender Woche schließt die Sparkasse ihre Filiale an der Benrodestraße. Geisel wurden als Chef des Sparkassen-Verwaltungsrates 747 Unterschriften von Bewohnern und Geschäftsleuten aus dem Viertel von Markus Weiß-von der Linde, einem der Initiatoren der Initiative, übergeben. Auch er, so Geisel, habe in der Sitzung des Verwaltungsrates für diesen Schließungsplan des Sparkassen-Vorstandes gestimmt, weil dieser die Gründe (Rückgang der Kunden) nachvollziehbar dargelegt habe. Allerdings forderte der OB die Sparkasse auf, ein Konzept für das Filialnetz zu erarbeiten, um die Präsenz in der Fläche zu halten. Als Kompromiss kann sich Geisel vorstellen, dass dort, wo die Sparkasse Filialen schließt, ein Sparkassen-Bus regelmäßig den Standort anfährt. Weiß-von der Linde findet den Vorschlag von Marlies Höfer interessanter, im Benrather Rathaus eine Art Bürgerzimmer einzurichten, das die Sparkasse regelmäßig nutzen könnte.

Anfang des Jahres wurden die Wurzeln von Bäumen an der umgebauten Haltestelle Urdenbacher Allee freigelegt. Ein Gutachter wollte herausfinden, ob die Bäume genug Wasser bekommen. FOTO: von Ameln

Reisholzer Hafen Die Mitglieder der Initiative Hafenalarm warten nunmehr seit weit über einem Jahr auf die Veröffentlichung des zugesagten Verkehrsgutachtens, das die Belastung der Straßen mit Verkehren aufzeigen soll, wenn der Hafen vergrößert wird. Geisel zeigte sich "erstaunt über den Vorgang", verwies aber darauf, dass der Adressat der Anfrage die Neuss-Düsseldorfer Häfen seien.

Eine zweite Frage zum möglichen Hafen-Ausbau gab es wegen des derzeit in der Aufstellung befindlichen neuen Regionalplans. In diesem, so ein Zuhörer, werde von einem maximalen Ausbau der Hafenanlage - also ein riesiger Container-Umschlagplatz, an dem Tag und Nacht verladen wird - ausgegangen. An diesem Punkt versuchte Geisel die Gemüter zu beruhigen: Nicht alles, was in einen Regionalplan stehe, werde auch wirklich kommen. Er könne sich nicht vorstellen, dass der Landesregierung daran gelegen sei, einem Duisburger Hafen, an dem das Land Nordrhein-Westfalen zu einem Drittel beteiligt ist, ein paar Kilometer rheinabwärts Konkurrenz zu machen. Es sei wichtig, den Hafen so auszubauen, dass dieser den Industriestandort im Stadt-Süden am Leben halten könne, sagte der Verwaltungschef. Deswegen kann er sich auch derzeit nicht vorstellen, dass sich aus dem Reisholzer Hafen ein Szeneviertel rund um den "Art-Port" entwickelt. Diesen Beinamen trägt der Hafen inzwischen schon, weil die Kultur-Szene das Areal immer mehr entdeckt. Geisel wies darauf hin, dass er nicht glaube, dass Unternehmen, die in den Ausbau des Hafens investierten, das finanzielle Risiko tragen würden, mehr Kapazitäten zu schaffen, als gebraucht würden. In Reisholz werde man nicht den Fehler wie am überdimensionierten Weserport machen.

Terex Bei einem anderen Thema spielt auch der Reisholzer Hafen eine Rolle. Über diesen wickelt die Firma Terex die Auslieferung ihrer Hafenkräne ab. Derzeit werden einmal pro Woche Oberleitungen an der Bahnunterführung Bamberger Straße abgeklemmt, damit man die Fahrzeuge bis zum Hafen transportieren kann. Das wird nicht mehr funktionieren, wenn der Schnellzug RRX kommt. Derzeit laufen laut Geisel Verhandlungen zwischen der Stadt und Terex für die Vertiefung der Fahrbahn an dieser Unterführung. Für Geisel sieht die Lösung des Problemes so aus, dass Bahn, Stadt und Terex die Kosten aufteilten. Er sei zuversichtlich, dass das klappen werde. Erst vor 14 Tagen hat der OB das Unternehmen besucht.

Apropos RRX Aus dem Gespräch zwischen ihm, dem SPD-Bundestagsabgeordneten Andreas Rimkus und Bahn-Vorstand Ronald Pofalla, hat Geisel die Aussage mitgenommen, dass es noch nie besser stand um einen nachträglich aufzunehmenden Halt des Schnellzuges in Benrath.

Paulsmühle Applaus gab es für den OB aus den Reihen der Benrather, weil dieser die Initiative gestartet hat, dass das Albrecht-Dürer-Berufskolleg nun doch in Benrath neu gebaut werden soll. Er werde regelmäßig über den Altlasten-Stand informiert und sei wegen dem, was er höre, nach wie vor der Auffassung, dass diese händelbar seien. Es könne sogar sein, dass man beim Schulneubau komplett auf eine Auskofferung des Bodens verzichten könne. Er, so Geisel, rechne nicht mehr mit "Überraschungen".

Angströhre "Die Angst hat ein Ende, wenn das Dürer-Kolleg kommt", verdeutlichte Geisel. Wenn die Bahn die Gleise für den RRX erneuere, könne geschaut werden, ob man nicht in einem Aufwasch die Röhre signifikant verbreitern könne, so dass sie künftig keinen Knick mehr aufweist.

Eishalle Paulsmühlen-Anwohner Dirk Drunkemöller wäre es am liebsten gewesen, der OB hätte sich dazu bekannt, dass die Stadt die Eishalle nach der Saison 18/19 übernimmt. Doch Geisel hat nicht nur die Eishalle, die der Sparkasse gehört, im Blick. Er freue sich, dass die Sparkasse dem Wunsch des Kuratoriums gefolgt sei, die Halle erstmal weiter zu betreiben. Dafür habe und werde die Sparkasse 350 000 Euro bereitstellen. Den Zeitrahmen hält Geisel jetzt aber erstmal für ausreichen: "Wir müssen dann zunächst schauen, wie sich das Areal mit dem Dürer-Kolleg und der geplanten Wohnbebauung weiter entwickelt."

Marktplatz Der Benrather Marktplatz macht keinen Staat. Als "unzumutbar hässlich" bezeichnete ihn eine Zuhörerin, die die Verwaltung aufforderte, den schönen Clemensplatz in Kaiserswerth als Umbauvorbild zu nehmen. Ins gleiche Horn stieß auch Karin Fuchs. Die Benratherin hat sich mit einer Handvoll Mitstreitern Gedanken gemacht, wie man die vordere Hälfte des Marktes attraktiver gestalten kann. Für nicht besonders ideal hält Geisel den Standort der oberirdischen Toilette. Seiner Meinung nach sei beim Thema Markt-Attraktivierung die Bezzirksvertretung gefragt. Was der OB nicht wusste: Die beißt sich bei diesem Thema schon seit vielen Monaten beim zuständigen Marktamt die sprichwörtlichen Zähne aus.

Rheinuferpromenade Für Aufhübschenswert hält eine Bürgerin die Benrather Rheinuferpromenade. Es fehlten Bänke und die Wurzeln der Straßenbäume hätten den Weg zerstört. Zudem regte sie an, den Linienverkehr per Schiff nach Benrath wieder aufzunehmen. Immerhin hat die Stadt inzwischen ihren Zwist mit der Weissen Flotte beigelegt, so dass solche Pläne überhaupt mal wieder besprochen werden können. Wie schon im Wahlkampf versprach Geisel, dass man, bevor man die Rheinuferpromenade in der Innenstadt attraktivere, die in Kaiserswerth und Benrath an der Reihe seien. Bezirksvorsteher Karl-Heinz Graf wusste in dem Zusammenhang zu berichten, dass im Frühjahr in Benrath am Rheinufer zwölf neue Bänke aufgestellt werden sollen. Weitere Ausführungen des CDU-Mannes würgte Geisel ab.

Hildener Straße/Nirosta Es wird nicht mehr lange dauern und Benrath hat die nächste große Brache. Beim Unternehmen Outokumpu/Nirosta sitzen alle schon auf gepackten Kisten. Das sieht die Vorsitzender Aktionsgemeinschaft Benrath. Renate Rönnau, mit Sorge: Eine Anlage ist bereits nach Krefeld umgezogen. Geisel sicherte zu, dass die Stadt es nicht zulassen werde, dort ein zweites Mal wie an der Paulsmühle eine zentrale Fläche 20 Jahre ungenutzt liegen zu lassen: "Das können wir uns nicht leisten." Als vordringlich sieht es der OB an, dieses Areal als Industriestandort zu erhalten. Allerdings dürfe man es auch nicht über Jahre vorhalten, wenn es dafür keinen Bedarf gebe. Er kann sich dort die Ansiedlung von Firmen aus dem Life-Science-Bereich und der Biotechnologie genau so vorstellen wie Start-Up-Unternehmen.

Schloss Benrath Den ganzen Abend wartete Nicolas Maas, Kaufmännischer Leiter der Stiftung Schloss und Park Benrath, dass das Thema Weide oder Weide und Pappel zur Sprache kam. Kam es aber nicht. Nur im RP-Gespräch vorab sagte Geisel, dass er die Schützen-Aktion, auf der Schlossinsel eine Palme zu pflanzen, witzig fand. Ein Wunsch einer Zuhörerin brachte Maas' Augen zum Leuchten: Die Stadt müsse mehr mit ihrem Pfund "Benrather Schloss" wuchern. Das sieht Geisel ähnlich, er werde das Gespräch mit der Landesregierung suchen, ob man nicht wieder das Schloss - wie früher - zu repräsentativen Zwecken nutzen könne.

Thomas Geisel sagte zudem zu, sich um zwei Themen zu kümmern. So ärgerte sich eine Benratherin, dass an Haltestelle Urdenbacher Allee inzwischen zwei Bäume tot seien und zwei kränkelten. Sie gibt dem Granulat, das als Baumscheiben aufgebracht wurde, die Schuld: "Auch wenn das Gartenamt das anders sieht, bin ich der festen Überzeugung, dass die Bäume kein Wasser bekommen." Weitergeben will Geisel auch die Anregung von Paulsmühlen-Anwohner Ralf Zeisig, der darum bat, eine Dreckecke an der BEA-Brache zu säubern.

Quelle: RP
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