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Benrath
Was Oma und Opa noch wissen

Benrath: Was Oma und Opa noch wissen
Wer mit der Nähmaschine umgehen kann, kann Kleidungsstücke vor der Entsorgung retten. Im Benrather Zentrum plus gibt es beispielsweise das Angebot "Nähstübchen". FOTO: Christoph Reichwein
Benrath. Im Benrather Zentrum plus ist die Ausstellung "Erfahrungsschätze heben" eröffnet worden. Das soll der Beginn eines Austauschs mit jungen Leuten über in Vergessenheit zu geratene Fähigkeiten sein. Von Nathalie Schäckel und Andrea Röhrig

Stricken, Nähen, Stopfen - kaum ein jüngerer Mensch beherrscht heute diese Fähigkeiten noch aus dem Eff-Eff. Wer wissen will, wie man einen Knopf annäht, würde zwar bestimmt im Internet fündig werden. Aber bevor man zu Nadel und Garn greift, wird gleich lieber ein neues Hemd gekauft und das alte wandert in den Müll. Ganz anders sieht das Wissen um solche Fertigkeiten jedoch bei der älteren Generation aus. Wer im Krieg oder in der Nachkriegszeit geboren wurde, weiß noch, dass das Geld nicht dafür ausgegeben werden konnte, sich jede Woche neue Kleidungsstücke zu kaufen.

Die von der Künstlerin Anne Mommertz mit Senioren gestaltete und gestern eröffnete Ausstellung im Benrather Zentrum plus der Diakonie zu dem Thema "Erfahrungsschätze heben" zielt auf einen Erfahrungsaustausch ab. "Mir ist anfangs schnell aufgefallen, dass die meisten Senioren ihre Erfahrungsschätze erst einmal selber wahrnehmen müssen", sagt Mommertz. In Fotocollagen ist dort nun besonderes Wissen von Senioren ausgestellt. Ob das Stopfen einer Socke mit dem so genannten Stopfpilz, die Funktionsweise einer Dampfmaschine oder das Saftmachen aus Johannisbeeren, ohne diese erst aufwändig von ihren Rispen abzustreifen- es geht um das geballte Wissen einer Generation, die den hohen Wert ihrer Erfahrung oft selbst unterschätzt.

"Der Austausch soll nicht nur mit den Senioren im Zentrum plus stattfinden. Wir wollen ihn in den Stadtteil und zu den Jüngeren tragen", erklärt Gabriele Schmidt-Schulte, Leiterin der Einrichtung an der Calvinstraße. Es gilt den Erfahrungsschatz nicht nur zu haben, sondern auch zu heben. Denn der Austausch mit jüngeren Generationen bringt beiden Seiten Positives.

Die Jugend kann kreativer und selbstständiger werden, indem sie lernt, Dinge zu reparieren, sich eigene Kleidungsstücke zu nähen oder zu stricken und auch wie man ganz ohne Strom - dafür mit Hilfe des Bettzeugs - kochen kann. Im Gegenzug dafür können die jungen Leute der älteren Generation Tipps und Tricks beim Umgang mit digitalen Medien geben. Ziel sei ein Geben und Nehmen in angenehmer Atmosphäre, sagt Schmidt-Schulte. Und wer weiß, so kann sich ein Nähkursus zum Beginn einer Mode-Designer-Karriere entwickeln oder das Verstehen einer Dampfmaschine zu einem neuen Hobby führen.

Wer an einem Austausch von Erfahrungsschätzen Interesse hat, dafür bieten sich beispielsweise Kitas, Schulen und Jugendtreffs an, kann sich bei Anne Mommertz oder Gabriele Schmidt-Schulte unter der Telefonnummer 0211 9963931 melden. Für den Spätfrühling ist eine Aktion in der Benrather Bücherei in Planung. Da soll es eine Art Lerntag geben, bei dem verschiedene Themen, vom Stopfen bis zum Lernen des Skatspiels, präsentiert werden sollen.

Quelle: RP
 
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