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Benrath
Wer rettete die Benrather Juden?

Benrath. Eine Familie versorgte vier Jahre lang einen jüdischen Vater und seine Tochter, die sich im Grafenberger Wald versteckten. Das Heimatarchiv will mehr wissen. Von Simona Meier

Gab es Menschen, die dem NS-Regime die Stirn boten und Zivilcourage zeigten? Diese Frage stellt sich auch in Benrath. Historische Belege dafür sind nicht leicht zu finden, weiß der Leiter des Heimatarchivs Wolfgang D. Sauer. Er erinnert sich aber daran, dass Margot Füsser-Blewett für ein Projekt des Haus Spilles aus dem Jahr 2002 ein Interview gab. Sie lebte früher in Benrath und zog in den 50er Jahren in die USA. In ihrem 2001 in den USA erschienenem Buch "Feet in the Fire" berichtet sie über ihre Kindheits- und Jugenderlebnisse in Nazi-Deutschland. Ihre persönlichen Aussagen haben Jugendliche für das Projekt "Benrath von 1933 bis 1945" bereits 2002 in einem Zeitzeugen-Interview mit ihr aufgezeichnet.

"Aus diesen Interviews geht hervor, das es auch in Benrath Hilfe für jüdische Mitbürger gab", sagt Wolfgang D. Sauer. Margot Füsser-Blewett erinnerte sich in dem 2002 aufgezeichneten Gespräch: "Ich persönlich habe keine Juden gekannt. Es war nach dem Krieg 1945, dass war das erste Mal, dass ich bewusst ein junges Judenmädchen gesehen habe. Sie und ihr Vater wurden, nachdem die Amerikaner da waren, in einer Höhle in Grafenberg gefunden. Die beiden waren versorgt worden von einer Benrather Familie. Die Benrather Familie kannte diese Juden, und sie waren von denen mit Lebensmitteln versorgt worden für vier Jahre während der ganzen Zeit."

Dass dies über einen solch langen Zeitraum möglich war, scheint heute wie ein Wunder. Leider gebe es keine Hinweise darauf, wer diese Benrather Familie gewesen sei, sagt Sauer. Margot Füsser-Blewett beeindruckte diese Geschichte nachhaltig: "Dieses Mädchen war enorm schwach, dünn und zierlich und die hat mir immer fürchterlich leid getan. Wenn ich mir vorstellte, sie war mit ihrem Vater in dieser Höhle. Alle Geschwister und sämtliche weitere Familienmitglieder sind im KZ gestorben. Die zwei waren die einzigen Überlebenden", erklärte sie der Projektgruppe.

Für Wolfgang D. Sauer vom Heimatarchiv wäre es ein großer Erfolg, wenn sich neue Hinweise zu diesem Fall finden. Wer sich erinnert oder Informationen dazu hat, kann sich an das Benrather Heimatarchiv wenden, Telefon: 8997142.

Ein Tondokument des Zeitzeugen-Interviews mit Margot Füsser-Blewett gibt es im Internet unter: http://www.spilles.de/nsprojekt/Interviews/zeitzeugen.htm

Quelle: RP
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