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Als in Bilk noch Sterne gejagt wurden

Bilk: Als in Bilk noch Sterne gejagt wurden
Erich Pliszka, Präsident der Bilker Heimatfreunde, erzählt gerne von der Sternenjagd von einst. FOTO: Schaller,Bernd (bs)
Bilk. Vor der ältesten Kirche der Stadt erinnert der ausgeglühte Körper eines Fernrohrs aus Messing und Bronze an die goldenen Zeiten, als die Bilker Sternwarte eine von Weltruf war. Jetzt ist das Denkmal saniert worden. Von Semiha Ünlü

Als die Bilker Sternwarte unter dem Geröll des Zweiten Weltkriegs begraben wird, liegen die glorreichen Zeiten der Sternenjagd schon lange zurück. Und das ist ein Glücksfall. Denn als die Bomben Pfingsten 1943 über Bilk herabstürzen, sind Fernrohre, andere technische Geräte, Unterlagen und Aufzeichnungen längst in Kellern eingelagert und damit vor der Zerstörungswelle sicher. Vieles davon ist inzwischen im Archiv der Bilker Heimatfreunde untergebracht, wo die Geschichte von Auf- und Niedergang der Bilker Himmelsforschung erlebbar wird.

Ungefähr dort, wo sie einst stand, erinnert heute ein ausgeglühtes Fernrohr aus Messing und Bronze an die Sternwarte. Der Gründer und Präsident des Bilker Heimatvereins, Hermann Smeets, fand es nach dem Krieg in den Trümmern. 1952 wurde das Denkmal in einem Festzug mit Fackeln zur Kirche Alt St. Martin gebracht und aufgestellt. Auch der Oberbürgermeister und die Witwe des letzten Direktors der Warte waren dabei. Kinder sangen "Weißt du, wie viel Sternlein stehen?"

Mehr als 60 Jahre später ist die Inschrift auf dem Natursteinsockel des Denkmals, die von der "Stätte weltweit anerkannter astronomischer Forschung" erzählt, verblasst, so wie die Erinnerung an die Sternwarte. Dass Straßennamen in der Umgebung auf die Himmelsforschung von einst verweisen, ist gerade unter Jüngeren wenig bekannt. Bei Lutherstraße wird eher an den Reformator als an Karl Theodor Robert Luther (1822-1900) gedacht, der im Jahrhundert der großen Entdeckungen und der Sternenjagd von Bilk aus 24 "Planeten" aufspürte (heute stuft man sie als Asteroiden beziehungsweise Kleinplaneten ein). Dass die Germaniastraße an den zwölften Himmelskörper dieser langen Reihe an Entdeckungen erinnern soll, ist über die Jahrzehnte in Vergessenheit geraten. Wer den Weg zur Kirche Alt St. Martin geht, schaut sich vor allem das älteste Bauwerk und die älteste Kirche der Stadt an, nimmt das Fernrohr auf dem Sockel, die zusammen gut sieben Meter in die Höhe ragen, oft erst auf den zweiten Blick wahr.

Umso mehr freut man sich bei den "Hütern" der Stadtteil-Geschichte über die Unterstützung für den Erhalt des Denkmals. Mit 15 000 Euro aus Mitteln der zuständigen Bezirksvertretung 3 ist das Fernrohr repariert worden. "Das ist ein Kraftakt der Politiker gewesen", sagt Erich Pliszka, der Präsident der Bilker Heimatfreunde. Eine defekte Strebe ist ausgewechselt, korrodierte Stellen an gusseisernen Elementen sowie an den Verankerungspunkten repariert worden, weil sonst die Standsicherheit nicht mehr gegeben wäre, sagt Pliszka. Auch der Sockel selbst und die stark gerissenen Fugen sind überarbeitet worden, da bereits erhebliche Mengen Regenwasser eingedrungen waren und zu Frostschäden geführt haben. "Würde man die Kappe am Teleskop, die das Fernrohr vor Wasser und damit vor allem vor Rost bewahren soll, entfernen und hindurchsehen, würde man den goldenen Hahn auf dem Turm von Alt. St. Martin sehen", sagt Pliszka.

Als das reparierte Denkmal vor Kurzem aufgestellt worden ist, hat es keinen Festzug im Stadtteil gegeben. Doch das Interesse an dem Fernrohr und der Geschichte, die damit verbunden ist, die gebe es noch immer, wenn auch nicht in so großen Kreisen der Bevölkerung wie einst, sagt Erich Pliszka. Immer mal wieder wird er gebeten, davon zu erzählen, wie einst in Bilk nach den Sternen gegriffen wurde. Und im Weltall erinnert ein 1967 entdeckter Asteroid mit Namen "4425 Bilk" an die große Zeit der Sternwarte.

Quelle: RP
 
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