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Düsseldorf
Auf ein Butterbrot ins Boui Boui Bilk

Düsseldorf: Auf ein Butterbrot ins Boui Boui Bilk
Victoria Wahler und Manuel Conde sind mit ihrer ganzen Clique zum „Abendmahl“ gekommen – ausgestattet mit Käse, Wurst, Salat und Früchten. FOTO: Bretz, Andreas
Bilk. Brettchen, Messer, Aufstrich, Brot - das ist das Zubehör für das "Abendmahl". Erstmals lud dazu am Samstag der Hobbykoch und Slow-Food-Anhänger Thomas Deckert in die alte Schraubenfabrik ein und bewies: Stullen sind hip. Von Laura Ihme

Bisher hatte das Butterbrot ja eher einen weniger glamourösen Ruf: Zum Frühstück, als Snack in der Mittagspause oder zum Abendessen, wenn die Küche kalt bleibt, ist es seit jeher die Allzweckwaffe einer jeden Hausfrau (oder eines jeden Hausmanns), wenn es gilt, die Familie sattzukriegen. Mittlerweile ist das aber anders: Nachhaltigkeit ist trendy, gutes Essen sowieso und was einmal als spießig galt, ist wieder angesagt- so wie das Butterbrotessen. Und genau deshalb lud jetzt der Hobbykoch und Slow-Food-Anhänger Thomas Deckert zum ersten "Abendmahl" ins Boui Boui Bilk ein. Sinn und Zweck der Veranstaltung: Stullen essen, dazu ein Bierchen trinken und Musik hören - ganz so wie zu Hause, nur nicht allein, sondern in Gemeinschaft.

"Es soll heute Abend darum gehen, bei gutem Essen mit guten Produkten miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Brot und die Butter haben wir als Veranstalter gestellt, seinen Aufschnitt und alles andere, was man zum Brot essen möchte, musste jeder selbst mitbringen", sagt Thomas Deckert. Ebenso will er mit dem "Abendmahl" auf die Slow-Food-Bewegung aufmerksam machen, der sich seit 1983 mehr als 100 000 Gastronomen angeschlossen haben, und die sich für die Nutzung fair gehandelter, nachhaltig angebauter Lebensmittel in der Küche einsetzt.

Ein Anliegen, das es - wie die volle Tafel in der Halle der ehemaligen Schraubenfabrik zeigt - vom Wunschdenken zur gelebten Realität geschafft hat. "Wir engagieren uns als Lebensmittelretter und verwenden und verteilen Nahrungsmittel, die zum Beispiel Supermärkte nicht mehr brauchen. Alles, was wir heute mitgebracht haben, wie unsere Kräuter oder die Avocados, aus denen wir unseren Aufstrich gemacht haben, haben wir vor dem Mülleimer gerettet", berichtet Katrin Seibert stolz, die mit ein paar Freundinnen zum "Abendmahl" gekommen ist. Dementsprechend begeistert ist sie von der Idee des Butterbrotessens. "Vor allem ist es toll, dass das hier auch noch eine Mitmachaktion ist", findet auch Freundin Verena Pütz.

Erklärbar ist der Trend zur Nachhaltigkeit derweil laut Thomas Deckert vor allem mit der Intransparenz des Lebensmittelhandels in Deutschland: "Es gab in den vergangenen Jahren einfach zu viele Lebensmittelskandale. Das sind die Leute leid. Sie wollen wieder gutes Essen haben und dafür soll das Abendmahl ein Beispiel sein."

Maßgebend für den Erfolg ist auch das Ambiente im Boui Boui Bilk, das in jüngster Zeit schon mit Veranstaltungen wie der "Schnippeldisko" oder dem "Street-Food-Festival" seine Hallen füllte und bekannt dafür ist, was neu und hip ist in die Landeshauptstadt zu bringen: "Wir sind immer auf der Suche nach neuen Formaten und da man ja auch so schön sagt, dass Essen das neue Feiern ist, hat das Abendmahl ebenso hier reingepasst", sagt Florian Liss, Betreiber des Boui Boui Bilk.

"Wir kommen gerne hierher, weil wir diese Halle so toll finden", sagt auch Manuel Conde, der gleich mit einer ganzen Gruppe an der Tafel Platz genommen hat. Käse, Wurst, Salat und Früchte teilen er und seine Freunde zu gleichen Teilen auf ihre Brettchen auf. Nur mit der großen Gemeinschaft will es noch nicht so recht klappen. "Aber ich denke, wenn wir erst einmal ein paar Bier getrunken haben, kommen wir bestimmt mit den Nachbarn ins Gespräch", sagt der 35-Jährige. Kateryna Ishchenko und ihre Freunde sind ihm da schon einen Schritt voraus: Sie haben die Anleitung für den Abend nicht richtig gelesen und sind mit leeren Händen gekommen. "Wir dachten, es gibt hier Stände, an denen man Essen kaufen kann. Aber glücklicherweise haben uns unsere Tischnachbarn ganz viel abgegeben - das ist doch super. Und für das nächste Mal kennen wir dann das Konzept."

Quelle: RP
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