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Düsseldorf
Bilker Bunker: Offener Brief an OB Elbers

Bilk. Der Oberbürgermeister soll sich persönlich gegen den Abriss aussprechen und für den Erhalt als Mahnmal einsetzen. Von Christine Zacharias

Die Initiative gegen den Bunker-Abriss an der Aachener Straße lässt nicht locker: Auf mehr als tausend Unterschriften für ihr Anliegen haben es die Mitglieder von "Bilk-pro-Bunker" inzwischen gebracht. Fast 3000 Besucher verzeichnet die Homepage der Gruppe. Längst ist die Aktion nicht mehr nur der Widerstand einiger Anwohner, sondern Aufreger-Thema im gesamten Stadtteil und darüber hinaus. Die Bürgerinitiative hat nun vor wenigen Tagen Oberbürgermeister Dirk Elbers einen offenen Brief geschickt, verfasst von dem Historiker Ingo Schiweck. Darin fordern sie das Stadtoberhaupt auf, "Stellung zur geplanten Vernichtung von Düsseldorfer Geschichte und Kultur zu nehmen". Der OB solle helfen, "ein Zeichen zu setzen für ein lebenswertes, soziales und geschichtsbewusstes Düsseldorf".

Begründung: Nach Ansicht der Bunker-Freunde ist das Bauwerk aus dem Anfang der 1940er-Jahre gleich aus mehreren Gründen ein Mahnmal und müsse als solches besonders geschützt werden. Der Bunker sei zum einen "eines der wenigen, aus der NS-Zeit erhaltenen Zeugnisse", die noch im heutigen Alltag an die Schrecken dieses totalitären Regimes erinnerten. Zugleich sei der Bau ein Zeitdokument des Kalten Krieges. So habe man diesen nach dem Krieg mit großem Aufwand für den Zivilschutz umgerüstet.

Die Ausstattung unter anderem mit Lazarettbetten wurde erst vor wenigen Jahren ausgeräumt, wie sich einige Bilker erinnern. Das Schutz-Szenario ist im Innern noch in großen Teilen erhalten. Und nicht zuletzt die großflächige Bemalung durch den Verein Farbfieber aus dem Jahr 1995 "Zeitreisende" habe identitätsstiftenden Charakter für ganz Bilk. Dargestellt ist nämlich auf symbolhafte Weise das Zusammenleben der Kulturen, was nach Meinung der Abrissgegner gerade den Stadtteil Bilk ausmacht.

Aber auch Heinrich Heine und eine Erinnerung an die alte Bilker Sternwarte finden sich auf dem, von Klaus Klinger, dem Vorsitzenden von Farbfieber, mit internationalen Künstlern erstellten Wandbild. All dies mache einen Abriss zu "einem ungeheuren Verlust". Die Unterzeichner befürchten ferner Schäden für die angrenzenden historischen Wohnhäuser.

Und sie sorgen sich um den Schulbetrieb im Hof hinter dem Bunker. Dort sind die Kreativwerkstatt Lernort Studio, die Awo-Kindertagesstätte Wawuschels und eine Abteilung der Clara-Schumann-Musikschule untergebracht. Das Gebäude aus dem Jahr 1904 ist denkmalgeschützt und gehört der Stadt: Es ist die alte Volksschule Aachener Straße, an die viele Bilker noch eine lebendige Erinnerung haben. Die Bunkerfreunde befürchten, dass der Schulbetrieb durch den Abriss beeinträchtigt oder sogar ganz gefährdet werden könnte.

Historiker Ingo Schiweck wohnt selbst in unmittelbarer Nachbarschaft des Bunkers. Er bemüht sich derzeit, auch für die Initiative einen möglichen Denkmalschutz des Bunkers voranzubringen. Schiweck hat nach Angaben der Initiative formell beantragt, den Bau unter Denkmalschutz zu stellen.

Quelle: RP
 
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