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Bilk
Blick in Bilker Schützengeschichte

Bilk. Das Fotoalbum mit historischen Fotos der Fünften Schützen-Gesellschaft hütet Hauptmann Kurt Weidemann wie einen Schatz. Zu jedem Foto kann er die passende Geschichte erzählen. Von Semiha Ünlü

Wenn Kurt Weidemann sein Album mit vielen schwarz-weiß Fotos aufschlägt, muss er nicht lange überlegen, obwohl der 66-Jährige gerade mal seit zehn Jahren Mitglied bei den Schützen ist. Das Album mit den teils historischen Fotos, die zurück bis in die Zeit vor den Zweiten Weltkrieg reichen, hat er sich mehr als einmal angesehen, mehr als einmal sich mit den Personen und Geschichten zu den Fotos beschäftigt. Da ist zum Beispiel das von einem Schützen-Umzug vor einem zerstörten Gebäude. "Das war 1949, und die Bilker Kirche lag noch in Schutt und Asche", sagt Weidemann. Dann zeigt er auf ein anderes Bild: "Der Mann auf dem Foto, das ist der Ur-Großvater von Bäckermeister Josef Hinkel, Jean Hinkel, der 1901 unser Regimentskönig war. Deswegen ist Josef Hinkel jetzt auch gerne Protector bei uns geworden", sagt der 66-Jährige. Das Brauchtum verbinde die Menschen im Stadtteil - und das über Generationen.

Als Hauptmann seiner Kompanie muss sich Weidemann nicht um die historischen Dokumente kümmern, sondern vor allem die Truppe zusammenhalten, repräsentieren und Aufgaben koordinieren. Doch das Fotoalbum hat er nach dem Tod seines Vorgängers im vergangenen Jahr gern angenommen, sagt er. Denn Geschichte und das Andenken an Kameraden zu bewahren, ist ihm wichtig. Deswegen hat er auch die Chronik der Fünften Schützen-Gesellschaft nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals gelesen. Und viele Fotos hat er digitalisiert.

Für viele Schützen ist er ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es darum geht, Unklarheiten oder Fragen zum Schützenwesen zu klären. Und die gebe es bei den vielen Versammlungen, gemeinschaftlichen Aktivitäten und Festen immer wieder. Da ist zum Beispiel dieses Foto mit zwei Männern, die ihre Gewehre stolz über Kreuz halten. "Früher hatte man einen recht lockeren Umgang mit Waffen", sagt Weidemann und lächelt. Und warum marschierten die Schützen zum Beispiel beim ersten Festumzug 1891 als Grenadiere und nicht mit Hut mit Feder, mit brauner Schützenjacke und weißer Hose. "Weil die Uniform nicht so schnell zu beschaffen war", erklärt Kurt Weidemann. Überhaupt habe sich die Mode der Schützen seit der Gründung sehr geändert. Von Frack mit Zylinder und Gehstock bis zu der heute typischen grünen Jacke sei es ein langer Weg gewesen.

Wenn Kurt Weidemann über seinem Fotoalbum gebeugt ist und darin blättert, hat man das Gefühl, dass er sich Bilder alter Freunde ansieht. Und ganz am Ende des Albums, da sind auch Fotos aus vergangenen Jahren, die an Krönungsbälle und andere Treffen und Feste seiner Kameraden erinnern.

Und eines Tages ist vielleicht auch ein Foto von Kurt Weidemann darin.

Quelle: RP
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