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Gentrifizierung in Düsseldorf
Boomtown Bilk

Gentrifizierung in Düsseldorf: Boomtown Bilk
So könnte die Bebauung auf dem Gelände des Boui Boui einmal aussehen. Einen fixen Zeitplan gibt es aber noch nicht. FOTO: mokka Studios
Düsseldorf. Der Stadtteil ändert sein Gesicht - durch den neuen Wohnblock "Karolinger Höfe" und die Bebauung des Boui Boui-Geländes. Aber wo geht die Reise hin? Wir haben mit Anwohnern gesprochen. Von Torsten Thissen

Tina König ist vorsichtig skeptisch. Sie steht mit ihren Einkäufen auf der Suitbertusstraße und ist eigentlich auf dem Weg nach Hause, weil ihr Enkel ja noch aus der Kita abgeholt werden muss, doch soviel Zeit muss dann doch sein. Es geht ja um Bilk, und auch wenn Frau König ursprünglich aus Remscheid kommt: Bilk ist ihr in den vergangenen 50 Jahren ans Herz gewachsen.

Ja, es wurde ja schon immer gebaut, sagt sie, und der Stadtteil habe sich in den letzten Jahren rasant verändert. Doch irgendwie seien diese neuen Bauten und diese neuen Leute, die mit ihnen kommen werden, anders. "Es geht da ja auch was kaputt", sagt Frau König, und sie meint damit nicht das Boui Boui, das einer Bebauung weichen soll. Frau König meint die Stimmung in diesem Teil Bilks. "Hier war noch Platz für die normalen Leute", sagt sie, auch für Schwächere. Sie denkt, dass die Neubauten die Gegend zwar aufwerten, aber damit eben auch für Menschen attraktiv machen, die sonst nicht in die Gegend gezogen wären. Sie hat nichts gegen neue Menschen, doch sie mag eben auch die alten.

Happige Preise für die neuen Wohnungen

350 Miet- und Eigentumswohnungen entstehen derzeit auf dem ehemaligen Gelände von Data und Auto Becker. Im Dezember war Grundsteinlegung, inzwischen sind die Wohnungen in der Vermarktung unter dem klangvollen Namen Karolinger Höfe.

Die Karolinger Höfe werden derzeit gebaut: Inzwischen sollen 80 Prozent der Wohnungen hier bereits verkauft sein. FOTO: Cadman

Mike Blume trinkt Kaffee an einem Kiosk. Er hat sich vor ein paar Wochen im Showroom der Vermarkter auf der Karolinger Straße umgesehen. "Aus Neugier", sagt er, weil er eben wissen will, was ihn in der Nachbarschaft erwartet. Schön seien die Wohnungen, und er könnte sich auch vorstellen, da einzuziehen, "nur die Preise sind schon happig", sagt er. "330.000 Euro für zwei Zimmer mit 70 Quadratmetern in einer ganz normalen Wohnung im zweiten Stock. Da frage ich mich, wie ein Normalverdiener das bezahlen soll", sagt Blume und beißt in sein Brötchen.

Er wohnt zur Miete, zahlt 430 Euro für rund 60 Quadratmeter, "natürlich ohne Fußbodenheizung, aber immerhin mit Holzfußboden". Er hat einen sozialen Vermieter, das Verhältnis sei gut, "aber vielleicht wird das Haus ja mal verkauft, und dann droht mir die Kündigung", sagt er.

Sein Tischnachbar schaltet sich in das Gespräch ein. Es sei wirklich schon komisch, dass einerseits mit der Vielfalt im Viertel geworben werde, andererseits aber Preise verlangt werden, die sich nur noch wohlhabende Menschen leisten können. "Na ja, aber es laufen hier ja inzwischen auch viele Leute mit Geld rum", erwidert Blume. Insgesamt sei das natürlich eher eine gute Entwicklung, vor allem für die kleinen Geschäfte. Aber wenn das so weiter gehe, sehe demnächst der ganze Stadtteil aus wie die Lorettostraße. "Und soviel Kaffee kann selbst ich nicht trinken", fügt er hinzu.

Entspannt ist die Stimmung im Viertel, sagt sein Tischnachbar, der regelmäßig aus Oberkassel hierher kommt, um seine Freundin zu besuchen. Die ist Studentin und lebt in einer WG in Bilk, "für kleines Geld", sagt er.

Schade, dass das Boui Boui weg ist

Unsicher ist sich auch Orlando Fernetti. Er betreibt die Bar Alexandra auf der Merowingerstraße und könnte mit seinen edlen Cocktails von den neuen Bewohnern profitieren. Vor allem aber bedauert er die Schließung des Boui Boui-Geländes. "Von solchen Orten lebt eine Stadt schließlich", sagt der Gastronom. Er wünscht sich mehr davon, gerade hier im Stadtteil. Aber er hofft auch, dass sich mehr Geschäfte in der Gegend ansiedeln, wenn die neuen Bewohner denn da sind. "Ob das Luxuswohnungen sind, wie das einige im Viertel sagen, weiß ich nicht", sagt er. Aber natürlich wird sich Bilk verändern. Fernetti sieht das aber auch als Chance.

Orlando Fernetti betreibt die Bar Alexandra in der Merowinger Straße. Er sieht in den Neubauten auch eine Chance. FOTO: Torsten Thissen

Seit er vor sieben Jahren seine Bar eröffnet hat, habe Bilk sich eh sehr verändert, oft zu seinem Vorteil. Viele neue Bewohner seien gekommen, die Gastronomie sei spannender geworden, "die Leute essen und trinken gut, sind dabei aber auch sozial", sagt er. Man achte eben aufeinander. Ob das so bleibt, wenn die neuen Bewohner hierhin kommen? Fernetti zuckt die Achseln. Auch Fernetti liebt Bilk. Gerade hat er für einen Getränkehersteller einen neuen Cocktail kreiert und ihn "Beverly Bilk" genannt.

Quelle: RP
 
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