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Bilk
Deine Pflanze, das unbekannte Wesen

Bilk: Deine Pflanze, das unbekannte Wesen
"Harry Pötter" ist Gärtner und kein Verkäufer, sagt er. Deshalb rät er auch schon einmal vom Kauf einer Pflanze ab. FOTO: Andreas Bretz
Bilk. Immer weniger Menschen kennen sich mit Geranien, Petunien und Co. aus. Doch es gibt Hoffnung. Ein Tag im Bilker Gartencenter Von Torsten Thissen

Irgendetwas stimmt nicht im Verhältnis der Menschen und der Pflanzen. Christoph Korfmacher jedenfalls, der das Bilker Gartencenter betreibt, stellt immer wieder fest, dass die Leute nicht mehr viel über Pflanzen wissen. Letztens erst sei eine Frau in sein Gartencenter gekommen und habe eine Pflanze reklamiert, weil die Blüten herabgefallen waren. Er hat sich die Zeit genommen und der Frau erklärt, dass Blüten nun einmal verblühen, dass man die dann abschneidet und neue Blüten kommen. Auch dass Pflanzen regelmäßig Wasser brauchen, ist manchen Menschen, die ins Bilker Gartencenter kommen nicht mehr bewusst. Schade sei das, sagt Simone Hornig, die das Gartencenter leitet, doch zum Glück gebe es ja auch viele andere Kunden, die ihre Pflanzen wirklich hegen und pflegen, und die dann ganz aus dem Häuschen sind, wenn die Erdbeeren etwa kommen oder der Oleander blüht.

Es ist Hochsaison. Ein wenig unschlüssig fahren die Menschen mit Einkaufswagen umher, in der ersten Verkaufshalle gibt es Figürchen, die man in die Erde stecken kann, Schalen, Töpfe, Dekoration, eben alles, was in irgendeiner Weise Balkon, Beet oder Terrasse verschönern könnte, sogar Wein gibt es. In der zweiten dann erstes Grün: Zimmerpflanzen vor allem, gerne auch Exoten, die immer im Trend liegen wie Hornig sagt. Spaßeshalber stehen etwa auch einige fleischfressende Pflanzen herum, für die sich besonders die Kinder interessieren, kleine Pflänzchen mit spitzen Dornen. Es gibt noch eine dritte Halle. Die Kalthalle in der die frostempfindlichen Arten für Beet oder Kübel gezeigt werden. Klassische Sommerblumen, die man früher vielleicht erst nach den Eisheiligen gepflanzt hat, doch vielen kann es in diesem Jahr einfach nicht früh genug sein, mit Petunie und Co.

Auf dem Außengelände schließlich stehen die Stauden, die Gehölze, Heckenpflanzen, Gräser, Obstbäume, die aus einer norddeutschen Baumschule kommen. Containerware wie beinahe alle Pflanzen heute.

Birgit Marland hat ihren Wagen bereits voll: Petunien, Geranien, Jasmin und Vanilleblumen. Das alles soll in die Balkonkästen ihrer Wohnung, eben weil sie es gerne mag, wenn es blüht. Frau Marland hat ihre Tochter mitgenommen, sie soll ihr helfen, die Blumen später einzupflanzen. Für Frau Marland gehört das Pflanzen dazu, sie weiß, wann die düngen muss, welche Pflanze wann einen Schnitt verträgt, die Rentnerin hat das von ihrer Mutter gelernt und ihrer Tochter weitergegeben, was aber auch daran liegen mag, dass sie auf dem Land großgeworden ist.

"Stadtmenschen wissen ja nicht, wie das ist", sagt Frau Marland. Viele Menschen haben aber auch keine Zeit mehr für ihre Pflanzen, sagt Korfmacher. Oft kommen Kunden, um sich die Balkonkästen bepflanzen zu lassen. Manche geben nur den Schlüssel ihrer Wohnung ab und sagen, machen Sie es grün, schön soll es sein, aber wenig Arbeit machen.

Dabei gehört Beratung zum Service bei Korfmacher dazu. Unter den Mitarbeitern des Gartencenters gibt es etwa einen, der "Harry Pötter" auf seinem Namenschild hat und auch nicht anders genannt werden will. "Harry Pötter" ist Gärtner, "kein Verkäufer" wie er selbst sagt und wenn jemand eine Frage zu einer Pflanze hat, gibt er Tipps, rät auch schon einmal von einem Kauf ab, wenn er merkt, dass Pflanze und Kunde nicht zueinander passen. "Alternativen gibt es hier ja genug", sagt er.

Und natürlich ist auch nicht alles verloren. "In den letzten Jahren kommt immer öfter eine neue Generation ins Gartencenter", sagt Korfmacher. Die wiederum sind nicht so sehr darauf aus, blühende Schönheiten in Balkonkästen zu pflanzen, ihnen geht es um Kräuter aus Biozüchtung, um Tomaten, Salat oder Beerenobst. Diese meist jüngeren Leute seien auch willig, sich mit den Pflanzen zu beschäftigen, um eigenes Obst und Gemüse zu ernten. So landet viel Thymian, Basilikum, Schnittlauch und Petersilie in die Einkaufswagen.

Für Korfmacher, dessen Eltern 1988 das Gartencenter gegründet haben, ist das eine erfreuliche Entwicklung. Zumal diese Kunden auch mehr auf die Qualität der Pflanzen als auf den Preis achten.

Quelle: RP
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