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Bilk
Der Heilige Mann von Bilk

Bilk. Als Kind war die Mantelteilung für Heinz-Dieter Segebarth der Höhepunkt beim Martinszug. Seit 30 Jahren spielt der Schütze inzwischen selbst St. Martin. Auch sein Hengst Gustl ist inzwischen ein Profi. Von Semiha Ünlü

Auch einem Heiligen kann mal etwas daneben gehen. Und so bekommt der Bettler am Lagerfeuer einmal nicht den halben, sondern gleich den ganzen Mantel von St. Martin geschenkt. "Die Ketten hatten sich an meinem Mantel gelöst", sagt Heinz-Dieter Segebarth und lacht. Am nächsten Donnerstag wird der Schütze beim Bilker Martinszug zum 30. Mal den Heiligen Mann spielen, der in einer kalten Nacht mit einem Bettler seinen Mantel teilt. Über sein kleines Missgeschick vor ein paar Jahren kann der Schütze aber noch immer lachen: "Als einige Kinder mir am nächsten Tag sagten, dass mir da ja wohl ein Fehler unterlaufen sei, sagte ich einfach: Der Bettler war wirklich so arm, dass ich ihm eben gleich den ganzen Mantel geschenkt habe."

In Bilk hängt man sehr am Martinsbrauchtum. Der Verein "Martinsfreunde Bilk" unter Vorsitz von Klaus-Dieter Möhle zählt zu den größten seiner Art im Stadtgebiet, und Möhle findet, dass man auch jedes Jahr den schönsten Umzug der Stadt auf die Beine stellt. Schon kurz nach dem Krieg - 1947 - kümmert man sich um die Feier und den Umzug zu Ehren von St. Martin. Dass der Umzug seitdem jedes Jahr ununterbrochen stattfindet, bei Kosten um die rund 6000 Euro, habe man den vielen Spendern wie Geschäftsleuten und Unternehmen zu verdanken, sagt Möhle. Aber eben auch Leuten wie Heinz-Dieter Segebarth, der sich jedes Jahr aufs Neue zum 10. November ehrenamtlich in den Heiligen verwandelt.

Als Kind war die Mantelteilung für den Bilker der Höhepunkt beim Martinszug. Allerdings nicht nur wegen der Geste der Menschlichkeit und des Mitgefühls. "Wo immer Pferde waren, da war auch ich", sagt Heinz-Dieter Segebarth, der bei einem Energieversorger arbeitet. Dass es dann irgendwann nicht mehr nur beim Pferde gucken blieb, machte ihn schließlich zum Favoriten für die Besetzung der Rolle als St. Martin (316/317-396), der erst römischer Soldat war, dann aber den Militärdienst verließ, als ihm in der Nacht nach seiner Mantelteilung Jesus als Bettler in einem seiner Träume erschien.

Um die Rolle hoch zu Ross und in einer Menschenmenge von mehreren tausend Zuschauern spielen zu können, müsse man ein sehr geübter Reiter sein, sagt Segebarth. Da der 58-Jährige bereits seit seinem 18. Lebensjahr reitet, sogar Oberstleutnant des Grenadierbataillons bei den Bilker Schützen ist, bot Möhle ihm 1986 die Rolle an. "Und ich mache das seitdem sehr gerne: Für mich ist der Job natürlich nach all den Jahren eine Art Routineübung, doch für die Kinder sind der Umzug und die Mantelteilung jedes mal ein Höhepunkt", sagt Heinz-Dieter Segebarth.

Für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement ist der Bilker mehrfach ausgezeichnet worden: So wurde Segebarth zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt, hat das St. Martin-Bronze-Relief verliehen bekommen und auch die silberne Ehrennadel.

Das Kostüm, das er bei den Umzügen trägt, ist zwar schon mehr als 120 Jahre alt, aber dennoch gut erhalten: Die Martinsfreunde lassen das Gewand ebenso wie Schwert und Helm ausbessern, damit der römische Soldat auf seinem Pferd einen imposanten Auftritt vor den tausenden Kindern haben kann.

Wenn der 58-Jährige am nächsten Donnerstag den Heiligen Mann spielt, kann sich Segebarth auf seinen Friesenhengst Gustl verlassen: "Er ist schon 18 Jahre alt und macht das mit mir jetzt zum neunten Mal: Damit ist er ein richtiger Profi!"

Quelle: RP
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