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Bilk
Der Vatermacher

Bilk. Jürgen Grah arbeitet als Tagesvater. Mit Kursen und Vorträgen bereitet er Männer auf ihre Rolle als Vater vor. Die Erfahrung dafür hat er auch bei der Erziehung seiner Söhne gesammelt. Von Sven-André Dreyer

Jürgen Grah (53) schält Bananen, Birnen und Äpfel. Und weil sich beim Schälen eines roten Apfels eine Schalenspirale bildet, singt er auch gleich das Lied der kleinen Schlange: "Eine kleine Schlange wird früh am Morgen wach, sie räkelt sich und streckt sich und sagt dann: ,Guten Tag'". Jan (2) quiekt vor Freude. Weil er das Lied lustig findet. Und weil er sich auf das Obst freut.

Seit 2011 arbeitet Grah als Tagesvater und betreut in einer dafür umgebauten Wohnung an der Sternwartstraße täglich fünf Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren. Selbst Vater der siebzehnjährigen Zwillinge Clemens und Simon, begann sein Interesse, mit Kindern zu arbeiten, früh. Da seine Frau Beate als Hebamme im Schichtdienst tätig ist, war klar, dass er auch nachts die Betreuung seiner damals neugeborenen Söhne übernahm: "Ich habe mir in diesen Nächten die Frage gestellt, ob ich als Mann eine ähnlich intensive Beziehung zu meinen Kindern aufbauen kann, wie dies in einer Mutter-Kind-Beziehung möglich ist."

Er begann im Internet zu recherchieren, las medizinisch-neurologische Fachliteratur zum Thema. Dabei stieß er auf das 2007 gegründete Berliner Väterzentrum "Papaladen". Dort wird Vätern Gelegenheit zum Austausch, zur Vernetzung und zur Teilnahme an gemeinsamen Aktivitäten geboten. Ziel der Arbeit ist die Förderung einer fürsorglichen, aktiven Vaterschaft.

Von der Idee, insbesondere Väter anzusprechen, begeistert, und auch, um die Beziehung zu den eigenen Kindern zusätzlich intensivieren zu können, entdeckte der studierte Architekt schließlich ein Kursangebot zur Babymassage und ließ sich durch die Deutsche Gesellschaft für Baby- und Kindermassage (DGBM) zum Kursleiter ausbilden. Bereits seit 2009 bietet Grah in Düsseldorf nun Babymassagekurse vom Vater für Väter an und ist mittlerweile sogar zum ersten Vorsitzenden der Gesellschaft gewählt worden. "Ich will mit den Kursen erreichen, dass auch Väter aktiv eine Beziehung zu ihrem Kind aufbauen können. Berührung ist gerade in den ersten Lebensmonaten eines der wichtigsten Bindungsmerkmale." Doch in diesen Kursen geschieht mehr, als die bloße Vermittlung der richtigen Massagetechnik: "Der Austausch mit anderen Vätern ist ein sehr wichtiger Bestandteil." Und weil Grah auch ausgebildeter Vaterbegleiter ist, hält er zudem bundesweit in Geburtsvorbereitungskursen der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung (GfG) Vorträge zur Rolle des werdenden und jungen Vaters.

Dennoch: "Um den Vater vollwertig in das System Familie zu integrieren, muss noch einiges getan werden", sagt Grah. So sollte sich der Vater bereits in der Zeit der Schwangerschaft auf die Rolle als Vater vorbereiten, um mit Geburt des Kindes - und gleichwertig zur Mutter - zu gleichen Teilen Aufgaben der Pflege und Erziehung des Kindes übernehmen zu können. Und auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sieht Grah kritisch: "Veraltete Strukturen in der Arbeitswelt verhindern häufig noch immer, dass Männer, auch ohne Führungspositionen, mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen können." Dabei gibt es Alternativen: gelockerte Arbeitszeiten, Job-Sharing oder Homeoffice - "Studien belegen, dass mit einer flexibleren Gestaltung des Arbeitsbereiches und einer guten Vereinbarkeit von Beruf und Familie die Zufriedenheit und Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer wächst", sagt Grah.

Aber auch eine kommunale Unterstützung sei gefragt: Damit eine vollständige Integration des Vaters in das aktuelle Familienmodell möglich ist, sollten Städte und Kommunen die Stellen von Väterbeauftragten einführen, meint Grah. "Damit es in Zukunft selbstverständlich ist, Vater sein zu können."

Quelle: RP
 
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